NEWBIE-Netz: Wie Unterstützungsnetze Debütanten in der Landwirtschaft fördern können

Neuankömmlinge sind mit einer Vielzahl von Hindernissen konfrontiert, insbesondere beim Zugang zu Land, Arbeit, Kapital, Wohnraum, Märkten, Wissen und Netzwerken. [SHUTTERSTOCK]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Horizon Europe: Was kann die Landwirtschaft erwarten?

Der Mangel an Junglandwirten bleibt eine große Herausforderung für die Agrar- und Ernährungswirtschaft. EURACTIV wirft einen Blick auf ein neues Projekt, das erforscht, wie Neuankömmlingen bei der Gründung widerstandsfähiger und nachhaltiger landwirtschaftlicher Betriebe in ganz Europa unterstützt werden können.

Klimawandel, gesunde und nachhaltige Lebensmittel, umweltfreundliche landwirtschaftliche Praktiken, Tierschutz und nicht zuletzt Ernährungssicherheit – die Herausforderungen, denen sich der europäische Agrar- und Lebensmittelsektor stellen muss, sind zahlreich und hängen alle von einem entscheidenden Faktor ab: den Landwirt:innen.

Doch die Landwirtschaft altert schnell.

Wie die Europäische Kommission in einer im April letzten Jahres veröffentlichten Bewertung feststellte, kamen 2016 auf jeden Betriebsleiter unter 40 Jahren drei Betriebsleiter über 65 Jahre.

In Frankreich, der größten Agrarnation der EU, wird jeder zweite Landwirt bis zum Ende dieses Jahrzehnts in den Ruhestand gehen.

Und insgesamt sind nur 11 % der europäischen Landwirt:innen heute jünger als 40 Jahre, wie der europäische Bauernverband COPA-COGECA warnte.

Die Angelegenheit ist kritisch. Wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) betont, ist der Generationswechsel eine der Voraussetzungen für die langfristige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors und für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion in Europa“.

Doch während das Problem klar ist, bleibt die Frage, wie es angegangen werden kann.

NEWBIE: Hindernisse für die landwirtschaftliche Nachfolge abbauen

Ein Weg dazu wurde auf der Ruralisation Conference 2021 am 8. November im Rahmen einer Kurzpräsentation von ländlichen Forschungsprojekten vorgestellt.

Seit 2018 beschäftigt sich das International Land Use Study Centre (ILUSC) des britischen James Hutton Institute im Rahmen des sogenannten NEWBIE-Projekts mit dem Thema Generationswechsel und ganz allgemein mit der Hofnachfolge.

Die Abkürzung steht für „New Entrant netWork: Business models for innovation, entrepreneurship and resilience in European agriculture“ („Neue Einsteiger-Netzwerk: Geschäftsmodelle für Innovation, Unternehmertum und Widerstandsfähigkeit in der europäischen Landwirtschaft“).

Das Projekt, das bis Dezember 2021 läuft und aus Mitteln des Programms Horizont 2020 der Europäischen Union kofinanziert wird, soll „Neueinsteigern“ helfen, „erfolgreich nachhaltige landwirtschaftliche Betriebe in Europa aufzubauen“.

Die Begünstigten müssen nicht unbedingt jung sein: Laut dem Institut werden Neueinsteiger weitgehend definiert als „jeder, der einen neuen landwirtschaftlichen Betrieb gründet oder sich an einem bestehenden Betrieb beteiligt“, unabhängig von Alter, landwirtschaftlicher Erfahrung und Ressourcen.

Doch wie das NEWBIE-Projekt gezeigt hat, ist die landwirtschaftliche Nachfolge kaum ein Thema in der Ausbildung“, die der Gründung eines landwirtschaftlichen Betriebs vorausgeht, erklärte Lee-Ann Sutherland, leitende Forscherin und Direktorin des ILUSC, auf der Konferenz.

„Das ist ein echtes Problem, denn Neueinsteiger sind in den ersten zwei Jahren besonders gefährdet“, betonte sie.

Neuankömmlinge sind mit einer Vielzahl von Hindernissen konfrontiert: Zugang zu Land, Arbeit, Kapital, Wohnraum, Märkten, Wissen und Netzwerken.

Diese Hindernisse hemmen nicht nur den persönlichen Erfolg, sondern auch den allgemeinen systematischen Wandel, den die europäische Landwirtschaft in den kommenden Jahren durchlaufen soll.

„Familiennachfolger führen in der Regel entweder den Status quo fort oder versuchen etwas Neues, das eine Abwandlung der bisherigen landwirtschaftlichen Tätigkeit darstellt“, erklärte Sutherland.

Auf der anderen Seite „sehen wir viel mehr Kreativität bei den Neuankömmlingen“, sagte sie.

Letztere fördern oft Modelle, die „lokal gebunden und stark sozial integriert“ sind, so die Forscherin, mit einem größeren Schwerpunkt auf Differenzierung, alternativen Nahrungsmittelnetzwerken und Diversifizierung auf dem Bauernhof.

Italiens Junglandwirte: Networking zur Erzielung von Einnahmen

Die Zahl der jungen Menschen, die in den Agrarsektor eintreten, steigt, aber es gibt viele Probleme, die gelöst werden müssen. Networking ist ein guter Weg, um sie zu überwinden. EURACTIVs Medienpartner Agronotizie berichtet.

Empfehlungen zur Politik

Das NEWBIE-Projekt zielt daher darauf ab, ein Inventar solcher innovativer und derzeit erfolgreicher Geschäftsmodelle zu erstellen, aber auch Unterstützungsnetzwerke für Neueinsteiger aufzubauen.

In speziellen Diskussionsrunden diskutieren Neueinsteiger, erfahrene Landwirte, Interessenvertreter, politische Entscheidungsträger und Berater über vielversprechende Ansätze und die Fragen des Zugangs zu Land und Arbeitskräften, der Hofnachfolge, der Zusammenarbeit in der Landwirtschaft und der Zukunft der Landwirtschaft in einem sich verändernden Umfeld, erklärte Sutherland.

Der Forscher legte auch eine Liste von Empfehlungen für die Politik vor, die auf den Ergebnissen des Projekts basieren.

Dazu gehören finanzielle Hilfen wie z. B. zinsgünstige Darlehen, Steuererleichterungen und die Förderung von Unternehmensgründungen, ein besserer Wissenstransfer durch Qualifizierungsmaßnahmen und Beratungsdienste sowie politische Maßnahmen zur Förderung des Zugangs zu Land und der Hofübergabe, wie z. B. die Schaffung nationaler Reserven für landwirtschaftliche Flächen oder Maßnahmen gegen die Aufgabe von Land.

Sutherland betonte auch die Notwendigkeit, die Erneuerung zu unterstützen, beispielsweise durch eine flexiblere Definition von „Neueinsteigern“ in der Politik oder durch die Einbeziehung von Nebenerwerbslandwirten in die Zielgruppe.

Nicht zuletzt seien langfristige politische Maßnahmen zur Unterstützung von Neueinsteigern von entscheidender Bedeutung, um ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu geben“, sagte sie.

Junglandwirten wird es schwer gemacht, EU-Beihilfen in Anspruch zu nehmen

Junglandwirte, die über nichtkonventionelle Verträge Zugang zu Land erhalten haben, haben nach Angaben der Europäischen Kommission Anspruch auf EU-Fördermittel. In der Praxis sieht das jedoch anders aus.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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