Neuer EU-Agrarkommissar verspricht Förderung der ökologischen Landwirtschaft

Der für Landwirtschaft zuständige EU-Kommissar Janusz Wojciechowski hob in seiner Antrittsrede gestern, am 10. Dezember, die Förderung des ökologischen Landbaus als ein zentrales Ziel der neuen Europäischen Kommission hervor. [Shutterstock]

Der für Landwirtschaft zuständige EU-Kommissar Janusz Wojciechowski hob in seiner Antrittsrede gestern, am 10. Dezember, die Förderung des ökologischen Landbaus als ein zentrales Ziel der neuen Europäischen Kommission hervor.

Der Zugang von Junglandwirten zu Land und die Konzentration auf Transportfragen waren weitere Höhepunkte der Rede des Kommissars auf der EU-Konferenz zum Thema Agrarausblick am Dienstag.

Die Konferenz ist ein wichtiges jährliches Treffen europäischer Interessenvertreter, das sich mit der Zukunft der Landwirtschaft in Europa und den anstehenden Herausforderungen befasst.

Wojciechowski wies insbesondere auf die Unterstützung ökologischer Praktiken hin und sagte, er wolle die Intensivlandwirtschaft verringern, einschließlich einer Verringerung des intensiven Einsatzes von Pestiziden und Düngemitteln.

Dazu gehört die Erstellung eines entsprechenden „offensiven“ Aktionsplans, der innerhalb des nächsten Jahres umgesetzt wird.

Er fügte hinzu, dass dies einen Beitrag zur EU-Strategie „Farm to Fork“ beinhalten wird, in der untersucht wird, wie die biologische Produktion dem Agrar- und Ernährungssektor helfen kann, seine Nachhaltigkeit in der gesamten Lieferkette der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu verbessern.

Der polnische Kommissar sagte, dass dies mit dem „Zuckerbrot statt mit der Peitsche“ zu erreichen sei. Dies deute darauf hin, dass die GAP genutzt werden müsse, um Anreize für bewährte Praktiken zu schaffen.

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Laut Wojciechowski gibt es in der EU mehr als 12 Millionen Hektar ökologischer Produktion aufgeteilt auf 200.000 Betrieben. Die Produktion und die Aufnahme von ökologischen Lebensmitteln unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen den Mitgliedsstaaten, wobei die Konsumraten für ökologische Produkte in der EU zwischen zehn und 0,5 Prozent liegen.

Er stellte fest, dass der biologische Landbau für viele Menschen derzeit „schwer zu erschließen“ ist und dass der Preis für die Verbraucher oft eine erhebliche Belastung darstellt.

Auf die Frage von EURACTIV hin sagte Wojciechowski, dass „der Konsum das Haupthindernis für die Entwicklung von Bio in Europa ist“ und dass dieses Problem beim Markt liegt, insbesondere bei der Frage, wie man Bio-Produkte verkauft.

Er fügte hinzu, dass die Lösung dafür in der zweiten Säule der GAP liegt, die, wie er sagte, über ein „Interventionsinstrument zur Unterstützung des ökologischen Landbaus“ verfügen sollte, das nicht nur die Landwirte umfasst, sondern auch die Verbraucher und die Förderung von ökologischen Lebensmitteln.

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Jungen Menschen den Zugang zu Land ermöglichen

Der Zugang zu Land für Junglandwirte war ein weiterer Schwerpunkt in Wojciechowskis Rede, in der er betonte, dass Junglandwirte nicht ausreichend unterstützt und motiviert werden, in ihrem Berufsfeld zu bleiben und sich den „schwierigen Herausforderungen der Landwirtschaft“ zu stellen.

Der mangelnde Zugang neuer Landwirte zu erschwinglichen Flächen gilt allgemein als das größte Hindernis für neue Landwirte, da mehr als die Hälfte der europäischen Anbauflächen von Landwirten über 55 Jahren und fast ein Drittel von Bauern über 65 Jahren bewirtschaftet wird. Im Gegensatz dazu werden nur sechs Prozent der Gesamtfläche von Landwirten unter 35 Jahren bewirtschaftet.

Eine Quelle der Kommission teilte EURACTIV kürzlich mit, dass die Anwerbung junger Menschen für den Sektor und die Unterstützung bei der Gründung rentabler Unternehmen eine der wichtigsten Prioritäten der GAP nach 2020 ist.

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Soja-Import, ein Problem?

Wojciechowski bezeichnete auch den Transport als ein wichtiges Thema und vermerkte, dass ein Großteil unserer Importe von Rohstoffen und Tieren über lange Transportwege erfolgt.

Die Kommission werde sich darauf konzentrieren, den Abstand zwischen „Bauernhof und Gabel“ zu verringern und die Eigenverantwortung Europas in diesem Zusammenhang zu fördern.

In diesem Zusammenhang erwähnte er ein umstrittenes Beispiel: 36 Millionen Tonnen Sojabohnen werden jedes Jahr aus Amerika in die EU eingeführt.

Die Reduzierung des Umfangs des Langstreckentransports von Futtermitteln oder landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus amerikanischen Sojabohnen steht jedoch im Prinzip im Widerspruch zu der von der vorherigen Europäischen Kommission festgelegten Handelspolitik.

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Im Juli 2018 stimmte der ehemalige Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu, mehr Sojabohnen aus den USA einzuführen, um den Streit um die Stahl- und Aluminiumzölle zu beenden und Verhandlungen zur Stärkung der Handelsbeziehungen aufzunehmen.

Anfang dieses Jahres genehmigte die Kommission die Einfuhr von Sojabohnen auch zur Herstellung von Biokraftstoffen, was den USA nach den Handelsspannungen mit China, wo die Sojaausfuhren aus den USA in den Vormonaten auf Null gesenkt wurden, zur Hilfe kam.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic, Frédéric Simon und Britta Weppner]

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