Nach der Milchquote: Was ändert sich mit Ende der Zuckerquote?

Zuckerquote Milchquote

Viele Erfrischungsgetränke sind sehr zuckerhaltig. Werden sie durch Wegfall der Zuckerquote teurer. [Foto: worradirek / Shutterstock]

Nach der Milchquote fällt nun auch die Zuckerquote. Was ändert sich dadurch für Landwirte und Verbraucher?

Nach der Milchquote fällt auch der letzte Schutzmechanismus in der Agrarpolitik der Europäischen Union: Ab Sonntag gelten keine Mindestpreise mehr für in der EU angebaute Zuckerrüben. Auch die Quoten und Begrenzungen europäischer Produktion von Zucker und Glukosesirup sowie bestehende Exportbeschränkungen fallen weg. Was bedeuten die Änderungen für Landwirte, Verbraucher und Industrie?

Was regelte die Zuckerquote?

Der Zuckerproduktion in der EU sind bislang enge Grenzen gesetzt gewesen. Maximal 85 Prozent der Produktion durften aus EU-Ländern stammen, der Rest wurde durch Importabkommen vor allem mit Entwicklungsländern gedeckt. Zusätzlich galt eine Obergrenze von jährlich 13,5 Millionen Tonnen.

Der Anteil von Glukosesirup, ein Flüssigzucker, der aus Mais oder Weizen hergestellt wird, war auf fünf Prozent dieser 13,5 Millionen Tonnen begrenzt. Außerdem mussten die Zuckerproduzenten den Landwirten einen Mindestpreis für ihre Rüben zahlen. Diese starren Begrenzungen wurden 2006 eingeführt, nachdem es in der EU wegen Exportsubventionen jahrzehntelang zu einer Überproduktion gekommen war.

Berlin bereitet neue Hilfen für Milchbauern vor

Die Bundesregierung will die Milchbauern einem Bericht zufolge mit einem Hilfspaket im Gesamtwert von fast 600 Millionen Euro unterstützen.

Woher stammt der in Europa verarbeitete Zucker?

Noch wird der meiste Zucker in Europa aus Zuckerrüben hergestellt. Deutschland und Frankreich sichern mit jeweils 24 Prozent fast die Hälfte der europäischen Produktion. Firmen in Großbritannien, Portugal und Rumänien raffinieren importierten Zucker, vor allem Rohrzucker aus Lateinamerika.

Die Zuckereinfuhren unterliegen, bis auf Einfuhrkontingente aus ausgewählten Drittländern, aber weiterhin hohen Schutzzöllen – und werden daher vermutlich nicht zunehmen. Wegen des Wegfalls der Quote planen Irland, Portugal und Slowenien bereits, den Zuckerrübenanbau wieder aufzunehmen. Ungarn möchte seine Maissirup-Herstellung verdreifachen.

Was bedeutet der Wegfall der Quote für die Zuckerrüben-Bauern?

Die Landwirte müssen sich auf härtere Zeiten einstellen: Auf dem europäischen Markt wird es deutlich mehr Wettbewerb geben. Experten sind sich einig, dass der Preis für Zuckerrüben sinken wird. Außerdem wird es stärkere Preisschwankungen geben. Ein Preissturz wie bei der Abschaffung der Milchquote wird allerdings nicht erwartet.

Der Wegfall der Quote bietet auch Chancen: Die Zuckerindustrie könnte vom unbeschränkten Export profitieren, und Landwirte haben die Möglichkeit, mehr zu produzieren. Die EU erwartet, dass in der Union mehr Glukosesirup hergestellt wird und dadurch Arbeitsplätze in ländlichen Regionen entstehen.

Die Butter vom Brot nehmen

Das Pfund Butter ist so teuer wie noch nie seit Einführung des Euro. Ein Ende der Preissteigerung ist nicht absehbar – ihre Folgen schon.

Wird Zucker nun billiger?

Für die Kunden im Supermarkt werden die Auswirkungen des Wegfalls der Quote wohl minimal sein. „Hier setzt der Handel die Preise, das nimmt der Verbraucher kaum wahr“, sagte kürzlich Hartwig Fuchs, Chef des Unternehmens Nordzucker, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch warnt die Verbraucher dennoch: „Niedrige Zuckerpreise versprechen hohe Gewinne für die Lebensmittelindustrie – auf Kosten der Gesundheit.“ Mit gesunden Lebensmitteln wie Obst oder Gemüse machten Unternehmen deutlich weniger Profit als mit zuckrigen Getränken oder Snacks.

Händler warnen vor Regulierung: Sind Zucker und Fett der neue Tabak?

Im Kampf gegen Fettleibigkeit werden immer restriktivere Regelungen für bestimmte Lebensmittel eingeführt. Einzelhändler warnen vor neuen Handelshürden.

Was ändert sich noch?

Der Anteil von Glukosesirup an der europäischen Zuckerproduktion und -verarbeitung wird steigen, weil er günstiger zu produzieren ist als Zucker aus Zuckerrüben. Gesundheitsschädlicher ist dieser Alternativzucker, fachsprachlich auch Isoglukose genannt, aber nicht. Aus gesundheitlicher Sicht sei es „unerheblich“, ob zum Beispiel Limonaden mit Isoglukose oder Haushaltszucker gesüßt werden, erklärt Huizinga.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.