Minister einigen sich auf abgeschwächte Weinreform [DE]

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Nach dreitägigen Verhandlungen haben die EU-Agrarminister am 19. Dezember 2007 ein Reformpaket für den EU-Weinsektor angenommen. Dieses schwächt die von Kommissarin Mariann Fischer Boel geplante umfassende Revision des Sektors ab. Nachdem Frankreich und Italien Druck ausgeübt hatten, werden weniger Weinberge gerodet und der Überschuss wird weiterhin in Alkohol destilliert werden.

Den Ministern der Wein anbauenden Länder der EU ist es gelungen, sicherzustellen, dass die umstrittenen Praktiken wie ‚Anzuckerung’ (Verwendung von Zucker oder Zufügen von Süßstoffen und Alkohol) weiterhin zulässig sind.

Nationale Finanzrahmen: Verschiedene Haushalte, angepasst, an die Reformbedürfnisse eines jeden Mitgliedstaats, sind verhandelt worden. Alle Maßnahmen innerhalb der Weinreform müssen aus diesen Budgets bezahlt werden. Zu diesen Maßnahmen zählen: die Umgestaltung der Weinberge, die Modernisierung der Produktionskette, Innovation, Förderung in Drittstaaten, neue Maßnahmen des Krisenmanagements und die Unterstützung umweltfreundlicher Ernten.

Die Rodung von Weinbergen: Statt der Kommissionspläne, die Weinanbaugebiete in der EU um 400 000 Hektar zu verkleinern, enthält das System, auf das sich die Minister geeinigt haben, Finanzierungsmittel für nur 175 000 Hektar Weinanbaufläche, die gerodet werden soll. Das System wird für einen Zeitraum von drei Jahren gültig sein, mit schrittweise verringerten Prämien. Mitgliedstaaten können die Rodung einstellen, wenn die gerodete Fläche 8% der gesamten Weinanbaufläche einer Region übersteigt.

Etikettierung: Zu einer allumfassenden Harmonisierung der Etikettierungspraktiken überall in der EU, wie dies von der Kommission geplant war, wird es nicht kommen. Geschützte geografische Angaben und geschützte Ursprungsbezeichnungen bleiben das Kernstück des EU-Etikettierungssystems. Weinhersteller, die dieses System nicht verwenden, dürfen in Zukunft die Rebsorte und den Jahrgang eines Weines auf dem Etikett angeben.

Anzuckerung: Die Höhe des Alkohols, der durch die Anreicherung mit zusätzlichem Zucker oder Traubenmost gewonnen wird, wird leicht gesenkt werden. Aber dieses Verfahren wird in den Mitgliedstaaten und Regionen weiterhin erlaubt sein, in denen es auch jetzt legal ist. Deutschland, Österreich und Ungarn hatten sich gegen den Plan von Fischer Boel gerichtet, dieses Verfahren überall in der EU zu verbieten.

Destillierung: Den Überschuss an Wein, der oft von schlechterer Qualität ist und den Winzer nicht auf dem Markt verkaufen können, den sie jedoch in Alkohol für die industrielle Nutzung destillieren können, wird über einen Zeitraum von vier Jahren abgeschafft werden. Die Destillierung von Trester kann von den Mitgliedstaaten verpflichtend gemacht werden, wird jedoch nicht EU-weit verpflichtend sein, wie dies von der Kommission vorgeschlagen worden war.

Kommissarin Fischer Boel äußerte sich positiv zu diesem Ergebnis der Verhandlungen: „Wir müssen nicht mehr den Großteil unserer Haushaltsmittel dafür aufwenden, unerwünschte Überschüsse abzusetzen, sondern wir können uns nun darauf konzentrieren, unseren Konkurrenten entgegenzutreten und Marktanteile zurückzugewinnen. Alle unsere Wünsche wurden nicht erfüllt, aber wir haben eine ausgewogene Einigung erzielt.“

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