Mehr Schutz für Europas Bienen

Um das Bienensterben zu bremsen soll die Anwendung schädlicher Pestizide begrenzt werden. [-col-/Flickr]

Drei bienenschädliche Pflanzenschutzmittel dürfen künftig in der Europäischen Union nicht mehr im Freiland verwendet werden. Darauf einigte sich heute die EU-Kommission mit den Mitgliedsstaaten.

Die Vertreter der Mitgliedsstaaten folgten damit einem Vorschlag der Brüsseler Behörde. Konkret geht es geht um die Agrarchemikalien Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, die auch als Neonikotinoide bekannt sind.

Eine Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA kam zu dem Ergebnis, dass die Anwendung dieser Chemikalien im freien den Bienen schadet. „Die Mehrzahl der Anwendungen von Neonicotinoid-haltigen Pestiziden stellt ein Risiko für Wild- und Honigbienen dar“, heißt es bei der Behörde. José Tarazona, Leiter des EFSA-Referats Pestizide, erklärte: „Dank der beträchtlichen Datenmenge, die uns zur Verfügung stand, sowie der Leitlinien konnten wir sehr detaillierte Schlussfolgerungen ziehen.“

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Eine von den Vereinten Nationen unterstützte Studie hat ergeben, dass die meisten Unternehmen unsicher sind, welche Maßnahmen sie gegen das Insektensterben ergreifen sollten.

Vor dem Hintergrund des Bienensterbens sollen sie diese Pestizide künftig nur noch in Dauergewächshäusern verwendet werden dürfen, wo kein großes Aufkommen von Bienen zu erwarten ist.

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, begrüßte das Votum. Die Bienengesundheit sei für ihn von großer Bedeutung, da diese Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, die Nahrungsmittelproduktion und die Umwelt habe.

Die Einigung stößt EU-weit auf große Zustimmung. Auch Deutschland stimmte für den Antrag. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner begrüßte das Ergebnis per Mitteilung auf Twitter. Auch die Grünen im EU-Parlament zwitscherten Zustimmung. Von guten Nachrichten für die Bienen war die Rede.

„Neonicotinoide gehören nicht auf Acker. Die Risikobewertung der EFSA hat die bisher bekannten Studien ein weiteres Mal bestätigt. Neonicotinoide sind höchst schädlich für Bestäuber und tragen zum Bienensterben bei“, sagte die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Maria Noischl.

Für den Naturschutzbund Deutschland (NABU) geht die Einigung nicht weit genug. Die Naturschützer forderten im Vorfeld der Gespräche ein vollständiges Verbot der drei umstrittenen Pestizide. „Seit Jahren häufen sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie riskant diese Wirkstoffe sind. Und zwar für Insekten, Fledermäuse und Vögel gleichermaßen. Neonikotinoide stellen eine ernsthafte Bedrohung für die biologische Vielfalt dar. Zudem müssen wir davon ausgehen, dass sie großen Anteil am Insektensterben haben können“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Nach der heutigen Einigung steht der Umsetzung der Beschlüsse nichts mehr im Wege. Die Verordnung soll nun in den kommenden Wochen formell von der EU-Kommission beschlossen werden, heißt es in Brüssel.

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