Mehr als die Hälfte des EU-Biodiesels wird aus importierten Pflanzen hergestellt

Gerade das vielgenutzte Palmöl aus den Tropen hat eine schlechte Emissionsbilanz.

Ungefähr 53 Prozent des EU-Biodiesels wird aus importierten Nahrungspflanzen hergestellt, zeigt eine Studie der NGO Transport and Environment (T&E), die Daten der EU-Kommission ausgewertet hat. Ebenfalls zeigte sich, dass beinahe die Hälfte des importierten Palmöls in Automotoren verbrannt wird.

„Auto- und Lkw-Fahrer sind in der EU die größten Palmöl-Verbraucher; und sie wissen das noch nicht einmal,“ sagte Laura Buffet, bei T&E zuständig für saubere Kraftstoffe, am Dienstag. Ungefähr die Hälfte der Rohstoffe für pflanzenbasierten Biodiesel in der EU sei importiert. Das passe nicht zum Image des nachhaltigen Transports, das sich die Biokraftstoffindustrie gerne gibt, kritisierte Buffet.

Der Anteil von Biokraftstoffen am gesamten Treibstoffbedarf der EU liegt derzeit bei 4,9 Prozent. Davon entfallen 81 Prozent auf Biodiesel. Laut Analyse von T&E werden ungefähr 33 Prozent dieses Biodiesels aus importiertem Palmöl hergestellt.

Insgesamt sei festzuhalten, dass es je nach Art der Biokraftstoffe zwar Unterschiede beim Ausstoß von Treibhausgasen gibt, „durchschnittlich aber alle pflanzenbasierten Kraftstoffe schlechter für das Klima sind als fossiler Diesel,“ so die Studie von T&E. Palmöl habe insgesamt die höchsten Treibhausgasemissionen – „mehr als drei Mal so viel wie fossile Kraftstoffe.“

EU-Parlamentarier fordern: Zwischen "guten" und "schlechten" Biokraftstoffen unterscheiden

Der ENVI-Ausschuss des Europäischen Parlaments hat die Kommission aufgerufen, nachhaltige Biokraftstoffe weiterhin im EU-Energiemix zu behalten.

Kritiker weisen außerdem darauf hin, dass aufgrund der Biokraftstoffproduktion weniger Nahrungsmittel auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden und dass durch die folgende Erweiterung der Felder weitere zusätzliche CO2-Emissionen entstehen. Dieses Phänomen wird als indirekte Landnutzungsänderung (indirect land-use change, ILUC) bezeichnet. Gerade Palmöl hat einen besonders großen ILUC-Fußabdruck, weil oftmals tropische Waldökosysteme, die viel CO2 speichern, gerodet werden, um Platz für Plantagen zu schaffen.

Neben Palmöl wird Biodiesel aus anderen Ölpflanzen wie Raps und Soja hergestellt. In der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU von 2009 wird die Nutzung solcher pflanzenbasierter Kraftstoffe der ersten Generation auf sieben Prozent gedeckelt. Im Jahr 2020 wird die Richtlinie erneuert und die Ausschüsse des Europäischen Parlaments werden bereits in den kommenden Monaten über verschiedene Teilaspekte der Richtlinie abstimmen.

Hohe Nachfrage, keine alternativen Märkte

Die Biokraftstoff-Politik der EU hat zu einer stark erhöhten Nachfrage nach Pflanzenöl geführt. So ist der Verbrauch von Pflanzenöl im Nahrungsmittelbereich zwar im Zeitraum 2005 bis 2015 um zehn Prozent gefallen, im Transportsektor stieg er aber gleichzeitig um fast das Vierfache an.

Laut der Landwirtschaftsorganisation Copa-Cogeca wurde durch die Produktion von Biokraftstoffen die Abhängigkeit der EU von Tierfutterimporten um zehn Prozent verringert: Bei der Produktion von Biokraftstoffen entstehen als Nebenprodukt große Mengen an Futterproteinen. Da jedoch weiterhin die Hälfte der Rohstoffe für Biodiesel importiert werde, sei der Einfluss dieser Verringerung auf die Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit in der EU aber begrenzt, so Analysten.

Copa-Cogeca schätzt, dass sich der Weltmarktpreis für Ölpflanzen aufgrund der Extra-Nachfrage für Biokraftstoffe um vier Prozent erhöht hat.

Palmöl-Beschluss: Nachhaltigkeit im Fokus

Die Verwendung von Palmöl für Biokraftstoffe ist heftig umstritten. Das EU-Parlament zeigt nun klare Kante für eine nachhaltige Produktion. Doch nicht alle Abgeordneten finden das ausreichend.

Auch aufgrund der Kritik von Umweltschützern sieht der neue Gesetzesvorschlag der Kommission für die Erneuerbare-Energien-Richtlinie von 2021 bis 2030 eine niedrigere Deckelung für den Biokraftstoffanteil auf dem EU-Transportmarkt vor. Er soll von den derzeitigen sieben Prozent auf 3,8 Prozent im Jahr 2030 reduziert werden.

Landwirte fürchten nun, dass ihnen dadurch eine wichtige Einnahmequelle abhandenkommen könnte. Es gebe keinen alternativen EU-Markt, auf dem beispielsweise die jährlich in der EU produzierten 6,4 Millionen Tonnen Rapsöl verkauft werden könnten, erklärte Nathalie Lecocq, Generaldirektorin von Fediol, einer Organisation, die die EU-Pflanzenöl- und Proteinindustrie vertritt, gegenüber EURACTIV. Darüber hinaus sei es „unrealistisch, zu glauben, dass diese Pflanzenöle die importierten Öle aus den Tropen ersetzen könnten.“

Die Verkehrs-NGO T&E hingegen fordert, dass der Anteil von Biokraftstoffen nach 2020 bei null liegen sollte. Landwirte könnten auf alternative Protein-Pflanzen wechseln, um ihr Einkommen zu sichern. Die EU solle sich im Transportwesen hingegen auf sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe auf Müllbasis sowie auf die Elektrifizierung mit erneuerbarer Energie fokussieren.

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