Landwirtschaftsverbände: Der Binnenmarkt muss gesichert werden

Die EU-Kommission soll "alles in ihrer Macht stehende" tun, um Störungen in der Landwirtschaft nach dem Ausbruch des Coronavirus zu verhindern. [SHUTTERSTOCK]

Die Lebensmittelversorgung Europas hängt auch vom Erhalt des Binnenmarktes ab, betonen Akteure der Agrar- und Ernährungswirtschaft in einer gemeinsamen Erklärung, die am vergangenen Donnerstag veröffentlicht und an die Europäische Kommission gerichtet wurde.

Die Lebensmittelindustrie, vertreten durch FoodDrinkEurope, der Bauernverband COPA-COGECA und das European Liaison Committee für den Agrar- und Lebensmittelhandel haben sich zusammengeschlossen, um die Kommission zu drängen, „alles in ihrer Macht stehende“ zu tun, um Störungen in der Landwirtschaft nach dem Ausbruch des Coronavirus zu verhindern.

Die Lobbygruppen fordern die Kommission auf, „mit uns zusammenzuarbeiten und eine konsistente und klare Strategie zu entwickeln, um einen ununterbrochenen Strom von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Lebensmitteln und Getränken sowie Verpackungsmaterialien zu gewährleisten“.

Klöckner: Lebensmittelketten funktionieren trotz COVID-19

Weder die Supermärkte sollen schließen, noch kommt es zu Problemen bei der Lebensmittelproduktion, betont Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Auf europäischer Ebene spreche man über Möglichkeiten, grenzüberschreitende Lebensmitteltransporte zu vereinfachen.

In der Branche mehren sich die Sorgen, da viele EU-Mitgliedstaaten in den vergangenen Tagen beschlossen haben, ihre Grenzen zu schließen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Da die Lieferkette der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie jedoch hochgradig vernetzt ist und über die Grenzen hinweg operiert, warnen die Industrievertreter, dass der Sektor nun wahrscheinlich gestört werde.

„Unsere Fähigkeit, Lebensmittel für alle zu liefern, wird vom Erhalt des EU-Binnenmarktes abhängen,“ betonen sie in der Erklärung. Weiter heißt es dort: „Die Lebensmittelversorgungskette sollte in allen EU-Mitgliedstaaten als ein essenziell wichtiger Sektor angesehen werden.“

Die Organisationen betonen auch die Notwendigkeit, Arbeitskräftemangel zu verhindern. Andernfalls könne die Lebensmittelversorgungskette nicht effektiv funktionieren. Außerdem forderten sie die Kommission auf, den potenziellen Mangel an Arbeitskräften, einschließlich Saisonarbeitern, und die Auswirkungen auf die Produktion zu überwachen sowie Notfallpläne vorzubereiten.

Polen: Ukrainische Arbeiter sollen bleiben

Während Polen seine Grenzen geschlossen hat, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, fordern Landwirtschaftsverbände, ukrainischen Arbeitnehmenden müsse es erlaubt werden, im Land zu bleiben und somit die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion aufrechtzuerhalten.

Die Besorgnis wird offenbar auch von EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski geteilt, der ebenfalls am Donnerstag einen Brief an alle EU-Landwirtschaftsministerien geschickt hat. In dem Schreiben, das die Überschrift „Wirtschaftliche Reaktion auf den Ausbruch von COVID-19“ trägt, warnt Wojciechowski, dass „die Abschottung mehrerer Mitgliedstaaten in vielen Sektoren, einschließlich des Agrar- und Lebensmittelsektors, extreme Probleme verursachen wird“.

Er fügt hinzu, dass die EU-LandwirtschaftsministerInnen weiterhin zusammenarbeiten und ihre Maßnahmen koordinieren sollten, „um die Bemühungen unserer Landwirte, der Agrar- und Lebensmittelindustrie und des Einzelhandels um die Sicherung der Lebensmittelversorgungskette zu unterstützen“.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna, Benjamin Fox]

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