Frankreich setzt auf regionale Lebensmittel

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Immer mehr Landwirte setzen auf Direktverkäufe an den Verbraucher. [H.Michael Karshis/Flickr]

Frankreichs Landwirte versuchen mithilfe von Direktverkäufen, kurzen Lieferketten und regionaler Landwirtschaft ihr Wachstum anzukurbeln und bedienen damit den aufstrebenden Markt für regionale Lebensmittel. EURACTIV Frankreich berichtet.

Immer mehr Verbraucher entscheiden sich an der Ladentheke für regionale Produkte – eine Entwicklung, die Frankreichs krisengebeutelte Landwirte als Chance ergreifen. „Der Wunsch, näher an die Produktionsstätte heranzukommen, hat sich als tief verankerter Trend erwiesen und ist somit nicht bloß eine Modeerscheinung“, betont Gérard Bazin, Vorsitzender der Landwirtschaftskammer der französischen Rhône-Region.

„Die Nachfrage nach Bio-Erzeugnissen und Produkten mit kurzen Lieferketten sind zwei Seiten einer Medaille“, bestätigt Claude Cochonneau, Leiter der französischen Landwirtschaftskammer. 2014 ergab eine Umfrage unter französischen Verbrauchern, dass 75 Prozent der Menschen mehr Produkte aus ihrer Region kaufen wollen. Kurze Lieferketten bieten Verbrauchen Sicherheit, denn etwa die Hälfte von ihnen hat das Gefühl, nicht mehr zu wissen, was sie eigentlich kauft.

„Wir haben ein höchst dramatisches Ausmaß an Entfremdung erreicht“, so Cochonneau bei einer Pressekonferenz in Paris.

Kurze Lieferketten und regionale Landwirtschaft sind zwei verschiedene Konzepte, die häufig miteinander verwechselt werden. Die regionale Landwirtschaft bezieht sich auf Erzeugnisse, die in geografischer Nähe zur Produktionsstätte verkauft werden. Kurze Lieferketten hingegen bedeuten, dass die Waren auf ihrem Weg zum Verbraucher möglichst wenig Zwischenhändler passieren. Im zweiten Fall wird die geografische Entfernung von Erzeuger und Verbraucher nicht unbedingt verringert.

Die EU hat es sich zu einer ihrer neuen Prioritäten in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erklärt, den Öko-Landbau zu fördern. Doch trotz der unermüdlichen Bemühungen des EU-Parlaments, hilft das EU-Vorzeigeprogramm den Landwirten noch immer nicht dabei, ihre Direktverkäufe zu steigern. „Wir arbeiten derzeit zwar an der neuen GAP, konzentrieren uns jedoch vor allem darauf, die Zukunft unserer landwirtschaftlichen Betriebe zu sichern“, so Cochonneau. „Kurze Lieferketten zu fördern zählt nicht unbedingt zu den Zielen der GAP.

Ein europäischer Rahmen

Schon 2010 bei einer Debatte in Brüssel über die Vorschriften zur Lebensmittelqualität wurde genau dieses Thema angesprochen. Dennoch entschied sich die Kommission letztendlich dagegen, Fördermaßnahmen für Direktverkäufe in die Gesetzgebung zur Lebensmittelqualität aufzunehmen. 2013 flammte das Thema erneut in einem Kommissionsbericht auf, der sich mit der Möglichkeit auseinandersetzte, ein Kennzeichnungssystem für regionale Landwirtschaftsprodukte und Direktverkäufe einzuführen. Konkrete Taten folgten jedoch nicht.

Eine Eurostat-Studie hatte bereits 2007 große Unterschiede bei den Direktverkäufen zwischen einzelnen EU-Ländern aufgezeigt – und das, obwohl die Nachfrage auf der Verbraucherseite weitreichend wuchs. Der Studie nach verkauften etwa 15 Prozent aller europäischen Agrarbetriebe mehr als die Hälfte ihrer Erzeugnisse direkt an die Verbraucher. Ihr Anteil war jedoch von Mitgliedsstaat zu Mitgliedsstaat sehr unterschiedlich und reichte von 25 Prozent in Griechenland bis kaum 0,1 Prozent in Spanien. Außerdem stießen die Experten bei ihren Untersuchungen auf eine Vielzahl einzelner Kennzeichnungsprogramme für regionale Produkte und Waren im Direktverkauf, woraufhin sich die Frage ergab, ob man ein solches Label nicht auch EU-weit harmonisieren könnte.

Landwirtschaftlicher Handel

Dieser Special Report ist auch verfügbar in Englisch, Französisch und Spanisch.

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere …

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