Kroatien bemüht, Folgen des Ukrainekriegs für Landwirtschaft abzumildern

Croatia auf DE AGRI

Dieser Artikel ist Teil des special reports Wie der Ukraine-Krieg die Gemeinsame Agrarpolitik umgestaltet

Kroatien hat die Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit zu einem seiner Schwerpunkte gemacht und eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um Landwirt:innen zu helfen, die Auswirkungen des Ukrainekrieges zu bewältigen. EURACTIV Kroatien berichtet.

Seit Beginn der russischen Aggression in der Ukraine, die das Lebensmittelsystem weltweit aus dem Gleichgewicht gebracht hat, konzentriert sich das kroatische Landwirtschaftsministerium auf die Unterstützung des Agrar- und Ernährungssektors.

Bei einem außerordentlichen Videogespräch der EU-Agrarminister:innen Anfang März über die Folgen des Konflikts sagte die kroatische Landwirtschaftsministerin Marija Vučković, es sei höchste Zeit, die Krisenmaßnahmen zu verstärken, und warnte vor den Auswirkungen der steigenden Kosten für Energie, Düngemittel, Transport, Tierfutter und Ähnliches.

Die Ministerin drückte ihr Mitgefühl für die derzeitige Situation in der Ukraine mit Verweis auf die Erfahrungen Kroatiens im Unabhängigkeitskrieg 1991-1995 aus und versprach, „für die Ernährungssicherheit unserer Bürger:innen zu sorgen.“

Daher bereite sich Kroatien auf alle Maßnahmen vor, die in dieser Zeit ergriffen werden müssten, sagte sie und wies darauf hin, dass die Bürger:innen die Hauptlast dieser Zusatzkosten zu tragen hätten.

„Wir müssen ernsthaft über die möglichen Folgen einer erhöhten Nachfrage auf dem EU-Markt nachdenken, aber wir werden das Prinzip der EU-Solidarität oder der Solidarität mit der Ukraine nicht aufgeben“, sagte sie und betonte die Notwendigkeit, Versorgungsunterbrechungen vorzubeugen.

Notfallmaßnahmen

Die kroatische Regierung hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit der Versorgung des Marktes mit Lebensmitteln zu gewährleisten und die Hersteller:innen zu unterstützen. Weitere Regelungen betreffen die Unterstützung der Endverbraucher:innen im Hinblick auf eine mögliche Ausweitung der Maßnahmen.

Zunächst wurden die Marge und der eingefrorene Preis für „blauen Diesel“ für die Landwirtschaft und Fischerei gesenkt.

Kroatien hat außerdem 200 Millionen Kuna (etwas mehr als 25,5 Millionen Euro) an Interventionsbeihilfen für einzelne Landwirt:innen zum Kauf von Kunstdünger für die Frühjahrsaussaat bereitgestellt, während 75 Millionen Kuna (10 Millionen Euro) für die Unterstützung der Fischerei vorgesehen sind. Für den Fischereisektor sind darüber hinaus zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen geplant.

In einer Rede vor dem kroatischen Parlament im April erklärte die Ministerin, dass die landwirtschaftliche Produktion des Landes in den letzten Jahren Fortschritte gemacht habe und dass die Änderungen des Gesetzes über landwirtschaftliche Flächen und die Ausarbeitung des GAP-Strategieplans des Landes die Landwirt:innen weiterhin unterstützen würden.

Mit diesen Plänen legen die EU-Länder dar, wie sie die neun EU-weiten Ziele der reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erreichen wollen.

Das Ministerium hat zudem einen Vorschlag eingebracht, der es den Mitgliedstaaten ermöglichen soll, alle verfügbaren Mittel im Rahmen ihrer bestehenden Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums in vollem Umfang zu nutzen, was von 13 Mitgliedsländern unterstützt wurde.

Stand der Dinge

Der Staatssekretär des Landwirtschaftsministeriums, Zdravko Tušek, sagte, die schwerwiegenden Störungen auf dem Fleisch- und Viehmarkt würden langsam abklingen, warnte aber davor, dass die Preise im Schweinesektor historisch niedrig seien.

„In den letzten zwei Jahren haben wir mit einer Ausschreibung im Wert von mehr als 170 Millionen Kuna (22,6 Millionen Euro) interveniert, um die negativen Auswirkungen auf die am meisten gefährdeten landwirtschaftlichen Sektoren zu verringern“, sagte er.

Zusätzlich wurden 200 Millionen Kuna (26,6 Millionen Euro) verwendet, um dem Tierhaltungssektor unter die Arme zu greifen, der am stärksten von der Corona- und der Ukraine-Krise betroffen ist.

Inzwischen arbeitet das Ministerium auch an Maßnahmen, die die Nachhaltigkeit des Milchsektors bis zum Ende des Jahrzehnts ermöglichen sollen.

Die Weiterführung der Finanzierung langfristiger Investitionen in die Milchviehzucht – etwas mehr als 490 Millionen (65 Millionen Euro) Kuna pro Jahr – ist geplant, um die Wettbewerbsfähigkeit der Investitionen in Milchviehbetriebe und die Produktkennzeichnung zu stärken.

Das Ministerium greift mit einer geringfügigen Beihilfe in Höhe von 200 Millionen Kuna (26,6 Millionen Euro) für bis zu 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ein, wobei Wiesen, Weiden und Brachflächen ausgeschlossen sind.

„Für die ersten 10 Hektar wurde eine Unterstützung von 450 Kuna pro Hektar (60 Euro) gewährt, von 10 bis 20 ha zusätzlich 250 Kuna/Hektar (33 Euro)“, sagte Tugomir Majdak, Staatssekretär, und erklärte, dass diese Maßnahme insgesamt mehr als 88.000 landwirtschaftliche Betriebe betreffen werde.

Im Rahmen des Programms zur Entwicklung des ländlichen Raums werden derzeit Ausschreibungen für Investitionen in Lagerkapazitäten für Getreide und Ölsaaten sowie für Investitionen zur Unterstützung von Erzeugerorganisationen und Bewässerung vorbereitet, fügte Majdak hinzu.

[Edited by Natasha Foote/Nathalie Weatherald]

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