Kontroverse um „Gene Drives“

Illustration einer gentechnischen Manipulation. [shutterstock/vchal]

Die Debatte über die gentechnische Veränderung natürlicher Organismen ist nicht neu. Technisch ist vieles möglich, doch ethisch ist es komplizierter.

Schon in der Debatte um die gentechnische Manipulation von Pflanzen spielt die Sorge, die Kontrolle zu verlieren, eine große Rolle: Wenn auf einem Feld genmanipuliertes Gemüse gepflanzt wird, schön und gut. Wer es nicht mag, kauft eben das Gemüse vom Nachbarfeld. Doch was, wenn es zur Kontamination kommt?

Ähnliche Sorgen haben Naturschützer angesichts so genannter Gene Drives im Bereich der genetischen Manipulation von Lebewesen. Es geht um eine relativ neue Technologie, mit der man das Erbgut eines Lebewesens auf eine Art manipuliert, durch die sämtliche Nachkommen die Manipulation miterben. So breitet sie sich rasend schnell aus.

Londoner Forschern ist es jüngst mit Gene Drives erstmals gelungen, die Fortpflanzungsfähigkeit der Mückenart Anopheles gambiae so zu manipulieren, dass die Population nach sieben bis zwölf Generationen komplett zusammenbrach. Der Vorteil: Besagte Mückenart gehört zu den wichtigsten Überträgern von Malaria.

Natürlich spielte sich dieser „Mücken-Völkermord“ im Labor ab. Dass er in freier Wildbahn gelingen würde ist damit noch nicht bewiesen. Die Forscher streben nun kontrollierte Feldversuche an. Doch wenn einmal die Kontrolle verloren geht, sind die Folgen unabsehbar.

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Umwelt- und Landwirtschaftsverbände warnen eindringlich vor den Risiken der Gene Drives. Etwa in einem Brief an die zuständige Bundesministerin Svenja Schulze, den unter anderem der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) unterzeichneten. Die Ministerin wird eindringlich gebeten, „sich für wirksame Maßnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Organismen mit Gene Drives einzusetzen.“

Während bisher Kulturpflanzen oder Nutztiere im Zentrum der gentechnischen Anwendungen gestanden hätten, ginge es jetzt darum, natürliche Populationen gentechnisch zu verändern. Freisetzungen gentechnisch veränderter Organismen, die dazu führen, dass sich deren Gene in natürlichen Populationen ausbreiten können, seien jedoch nicht zu verantworten.

„Wenn wir zulassen und gar anstreben, dass gentechnisch veränderte Organismen ihr Erbgut in natürlichen Populationen verbreiten, gleicht dies einem Eingriff in die ´Keimbahn´ der biologischen Vielfalt, dessen Auswirkungen alle künftigen Generationen und deren Ökosysteme betreffen“, warnen die Umweltschützer.

Gefordert werden Verbote der Freisetzung, des Imports und des kommerziellen Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen, wenn sich diese in natürlichen Populationen auskreuzen und ausbreiten können, sowie strenge Sicherheitsstandards für entsprechende Forschungslabors. Die Unterzeichner des Briefes berufen sich auf das im EU-Recht verankerte Vorsorgeprinzip. Will heißen: Eine neue Technologie darf erst angewendet werden, wenn einwandfrei erwiesen ist, dass sie keinen Schaden anrichtet.

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Auch im Antwortschreiben des Umweltministeriums wird betont, dass die unkontrollierte Ausbreitung von gentechnisch manipulierten Organismen „unbedingt verhindert werden muss“ und dass in Gene Drives „ein besonders hohes Risiko zur unkontrollierten Ausbreitung“ besteht.

Das Ministerium betont auch, dass man sich daher national wie international für strenge Risikoprüfungen und das Vorsorgeprinzip einsetze. Anträge auf Freisetzung von Gene Drive Organismen lägen allerdings weder in Deutschland noch in der EU vor.

„Wir begrüßen die kritische Haltung des Bundesumweltministeriums. Wir erwarten, dass sich die Bundesregierung im Sinne des Vorsorgeprinzips mit Nachdruck für ein Moratorium für Gene Drives einsetzt“, sagt Silvia Bender vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND. „Weder in der EU noch in anderen Teilen der Welt darf es zu unkontrollierbaren Freisetzungen von gentechnisch veränderten Organismen kommen. Die natürliche biologische Vielfalt muss auch für kommende Generationen erhalten bleiben.“

Vorangebracht sehen wollen die Umweltschützer das Thema bei einer Konferenz im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), die Mitte bis Ende November in Ägypten stattfinden wird. Doch das könnte schwierig sein. Die Auseinandersetzung um die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung im November 2017 zeigte bereits, wie uneinig sich schon die Koalition in Berlin in Fragen der Gentechnik ist. Auf EU-Ebene ist die Gemengelage häufig noch pluraler, global liegen Welten zwischen den Ansätzen. So folgt etwa die Regulierungspolitik der USA nicht dem Vorsorgeprinzip, sondern dem so genannten wissenschaftsbasierten Ansatz, sprich: Was nicht nachweislich schadet, wird zugelassen. Wenn dann doch Schaden entsteht, werden die Geschädigten entschädigt.

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