Konjunktur 2019: Deutsche Landwirte „verhalten optimistisch“

Unsicherheiten auf dem Weltmarkt und die Dürre vom letzten Sommer dämpfen die Erwartungen der Landwirte. [Susanne Nillson/Flickr]

Erstmals befasst sich die jährliche Konjunkturprognose des Institutes der Deutschen Wirtschaft (IW) auch mit der Landwirtschaft. Befragt wurde der Deutsche Bauernverband (DBV), der sich nach eigenen Angaben „verhalten optimistisch“ zeigte.

Damit liegen die Landwirte auf einer Linie mit dem Gesamtresümee des Kölner Institutes. Forschungsgruppenleiter Michael Grömling spricht von einem „Ja, aber“. Haben vor einem Jahr noch 26 der befragten 48 Verbände von einer „besseren Stimmung“ gesprochen, seien es aktuell gerade einmal sieben. Ursächlich sind offenbar vor allem „politische Unsicherheiten wie die handelspolitischen Auseinandersetzungen mit den USA und der planlose Brexit“.

Auch bei den Landwirten sind es die politischen Unsicherheiten, die zu eher gedämpften Erwartungen führen: „Durch den Brexit und Handelsstreitigkeiten der USA nimmt die Unsicherheit an Agrarmärkten deutlich zu“, sagt auch der der stellvertretende DBV-Generalsekretär, Udo Hemmerling. Und weiter: „Wachsende Auflagen schaffen zusätzliche Kosten und Anpassungsdruck. Die Bauern brauchen stabile politische Rahmenbedingungen und langfristige Planungssicherheit“.

Hier kommt zu den weltwirtschaftlichen Risiken auch eine Unsicherheit im Inneren hinzu, nämlich die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und die damit verbundene Debatte um den EU-Haushalt für die Zeit nach 2020. Klar scheint nur: Der Agrarsektor muss sich auf rückläufige öffentliche Mittel einstellen. Doch wer davon in welchem Umfang betroffen sein wird, ist bis auf weiteres ungewiss. Auch wegen den anstehenden Wahlen zum EU-Parlament und der folgenden Neuformierung der Kommission, sind im kommenden Jahr zunächst keine raschen Fortschritte zu erwarten.

„Die Agrarpolitik ist in Brüssel gut aufgehoben“

Die EU-Agrarpolitik stand zuletzt häufiger im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Etwa wegen Glyphosat oder der geplanten GAP-Reform. EURACTIV sprach mit Peter Jahr.

Negative Folgewirkungen hat nach DBV-Angaben auch die lange Dürrephase vom Sommer des vergangenen Jahres. 2019 werde man noch nicht zur Normalität zurückkehren. Nach den ernsthaften wirtschaftlichen Schäden müssen die Landwirte zunächst wieder Liquidität aufbauen.

Dennoch geht der Bauernverband davon aus, dass 2019 in der Landwirtschaft wieder etwas mehr Investitionen getätigt werden. Mehr Beschäftigung erwartet man jedoch nicht, im Gegenteil: Nach Einschätzung des DVB setzt sich hier der Trend fort, so dass 2019 insgesamt weniger Menschen in der Landwirtschaft tätig sein werden als noch im Vorjahr.

Insgesamt erwarten 28 der befragten 48 Wirtschaftsverbände mehr Produktion als im Vorjahr. Jeweils zehn Verbände erwarten eine gleichbleibende beziehungsweise rückläufige Produktion. Mehr Investitionen erwarten 22 Verbände, während 21 ein gleichbleibendes Niveau und fünf Verbände einen Rückgang erwarten. Negativer fällt die Gesamtbilanz bei den Beschäftigungsperspektiven aus, wo nur 18 Verbände einen Zuwachs, 22 Stagnation und acht einen Rückgang erwarten. Zu letzteren gehört auch der Bauernverband.

Weitere Informationen

GAP-Reform: Wien spielt den Ball nach Bukarest

Die GAP-Reformdebatte ist unter österreichischer Ratspräsidentschaft gut vorangekommen. Zum Jahreswechsel übernimmt Rumänien die Federführung.

GAP: Mit einem Punktesystem ans Ziel?

EU-weit wird darüber diskutiert, wie die Gemeinsame Agrarpolitik effektiver gemacht werden kann, um die damit verbundenen politischen Ziele zu erreichen. Ein deutscher Bauernverein schlägt ein Punktesystem vor.

EU-Staaten wollen stärkere europäische Großkonzerne

19 EU-Länder haben vorgeschlagen, die Kartellvorschriften zu "aktualisieren". Größere EU-Konzerne könnten besser mit der globalen Konkurrenz Schritt halten.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 9 Uhr Newsletter.