Kommission: 10-Jahres-Zulassung für Glyphosat als „Startpunkt“ für Debatte

Das Pflanzenschutzmittel RoundUp von Monsanto [Jacob Bøtter/ Flickr]

Die Europäische Kommission sieht eine weitere zehnjährige Erlaubnis von Glyphosat als „Startpunkt“ für Debatten mit den Mitgliedsländern. Die schlussendliche Entscheidung müssten die Staaten fällen, sagte eine EU-Beamtin EURACTIV.com.

Glyphosat-Gegner, allen voran Greenpeace, verweisen auf eine Studie der Weltgesundheitsorganisation, die befand, der Wirkstoff Glyphosat im Pflanzenschutzmittel RoundUp von Monsanto sei potentiell krebserregend. Sie fordern ein Verbot des Pestizids.

Die Kommission hat hingegen die Glyphosat-Zulassung um zehn Jahre verlängert. Auf Nachfrage von EURACTIV erklärte Anca Paduraru, Kommissionssprecherin für Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und Energie, Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis habe die Kommissare per informeller Mitteilung über das Thema Glyphosat informiert. Basierend darauf hätten „die Kommissare sich geeinigt, die Diskussion über eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung mit den Mitgliedsstaaten wieder aufzunehmen.”

Der Interessenverband der europäischen Pflanzenschutzindustrie ECPA kritisierte die Verlängerung um zehn Jahre als „kurzsichtige Entscheidung“, die entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse und des EU-Zulassungssystems getroffen worden sei. „Warum schlägt die Kommission jetzt, nach der Unbedenklichkeitserklärung der ECHA, eine zehnjährige Verlängerung vor – wo sie vor zwölf Monaten ohne eine solche Erklärung eine 15-Jahres-Verlängerung angedacht hatte“, fragt Graeme Taylor, Öffentlichkeitsbeauftragter von ECPA.

EU-Chemieagentur: Glyphosat nicht krebserregend

Glyphosat sei nicht krebserregend, so das vorläufige Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) – ein Befund, der bei Umwelt-NGOs Empörung auslöst. EURACTIV Brüssel berichtet.

Zehn Jahre als Startpunkt

„Glyphosat ist kein Routinefall […] Zehn Jahre ist ein Startpunkt, eine Basis für die Debatte. Am Ende müssen die Mitgliedsstaaten entscheiden“, so Paduraru gegenüber EURACTIV. Sie versicherte, die Kommission würde mit den Mitgliedsländern zusammenarbeiten, um eine Lösung zu finden, die „die größtmögliche Unterstützung“ habe und hohe Standards in Gesundheits- und Umweltschutz biete. Außerdem werde die Entscheidung auf den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und rechtlich abgesichert sein.

Paduraru unterstrich, dass die Kommission insbesondere auch die letzten Erkenntnisse des Risikoanalyse-Kommittees (RAK) der Europäischen Chemiekalienagentur (ECHA) berücksichtigt habe. Das RAK hatte empfohlen, Glyphosat als nicht krebserregend einzustufen. Darüber hinaus sei die Substanz nicht erbgutverändernd oder anderweitig schädigend für die menschliche Fortpflanzung.  Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sei im November 2015 zu dem gleichen Ergebnis gekommen, errinerte Paduraru.

Die EFSA und das Glyphosat

Die EFSA, die europäische Lebensmittel-Agentur, steht aufgrund ihrer Bewertung von Glyphosat in der Kritik.

Umweltschützer verweisen hingegen auf einen Bericht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation, die im März 2015 Glyphosat als „bei Menschen wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte.

Laut einer Gruppe haben 1,4 Millionen Menschen eine Petition unterzeichnet, die die EU aufruft, die Glyphosat-Zulassung zu suspendieren, bis weitere wissenschaftliche Erkenntnisse verfügbar sind. Die EFSA machte deutlich, sie habe eine gründliche Analyse vorgenommen und dabei auch die Einschätzungen des IARC mit einfließen lassen. Greenpeace hingegen nannte den EFSA-Bericht „Schönfärberei“.

Hintergrund

The European Food Safety Authority (EFSA) said in November 2015 that glyphosate was unlikely to cause cancer in humans and proposed higher limits on the amount of residue of the weedkiller deemed safe for humans to consume.

The EFSA advises EU policymakers and its conclusion were expected to pave the way for the 28-member European Union to renew approval for glyphosate, which was brought into use by Monsanto in the 1970s and is used in its top selling product Roundup as well as in many other herbicides around the world.

Environmental groups have been calling for a ban after the International Agency for Research on Cancer (IARC), part of the World Health Organisation, said in March 2015 that glyphosate was “probably carcinogenic to humans”.

A campaign group said that 1.4 million people had signed a petition calling on the European Union to suspend glyphosate approval pending further assessment.

The EFSA said it had carried out a thorough analysis and taken account of the IARC’s findings. Greenpeace, for its part, called the EFSA’s report “a whitewash”.