Knapp 300.000 Erntehelfer dringend gesucht

85 prozent der ausländischen Erntehelfer kommen aus Rumänien. Die Einreise nach Deutschland ist ihnen im Moment unmöglich. [Ververidis Vasilis/ Shutterstock]

An Nahrungsmitteln mangelt es auch in Corona-Zeiten nicht, aber Landwirte sind dringend auf der Suche nach Saisonarbeitern für die Ernte. Mit einer Lockerung der Arbeitsregeln und eine Online-Vermittlung möchte die Bundesregierung nun Abhilfe schaffen.

Die Bundesregierung sucht unter Zeitdruck nach Möglichkeiten, genügend Saisonarbeiter für die Ernte in Deutschland zu mobilisieren. Am Montag einigte sich das Bundeskabinett dazu auf deutliche Lockerungen im Arbeitsrecht für Erntehelfer. So beschlossen die Minister eine Ausweitung der „70-Tage-Regelung“: Saisonarbeitskräfte dürfen demnach bis Ende Oktober bis zu 115 Tage lang eine kurzfristige Beschäftigung ausüben, ohne Sozialversicherungsabgaben zu zahlen. Außerdem wurden die Hinzuverdienstgrenzen für Kurzarbeitergeld und für die Alterssicherung von Landwirten erhöht.

Die Änderungen seien nötig, weil die jetzigen Arbeitsregelungen nicht ausreichten, um auf „außergewöhnliche Notfälle“ wie die Corona-Pandemie effektiv reagieren zu können, sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

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3000 Inserate innerhalb einer Stunde

Deutsche Bauern fürchten derzeit um ihre Ernte, da ein Großteil der jährlich 286.000 Saisonarbeiter, die im Obst-, Gemüse- und Weinanbau aushelfen, aus Rumänien und Polen kommen. Aufgrund der geschlossenen Grenzen im Schengen-Raum ist es derzeit kaum möglich, nach Deutschland zu reisen, auch mit einem Passierschein. Polnische Erntehelfer müssen sich zudem in eine zweiwöchige Quarantäne begeben, wenn aus Deutschland wieder nach Polen einreisen wollen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden allein im März mindestens 30.000 Saisonarbeitskräfte benötigt, bis Mai werden es 85.000 sein. Am dringendsten ist die Lage derzeit beim Spargel und Erdbeeren. Vergangenes Jahr betrug die Spargelernte in Deutschland rund 122.000 Tonnen. Landwirte befürchten, dass dieses Jahr nicht die gesamte Ernte wird gesammelt werden können.

Das Landwirtschaftsministerium sucht auch nach Möglichkeiten, branchenfremde Arbeitskräfte aus Deutschland auf die Felder zu locken. In einer Pressekonferenz vergangene Woche nannte Klöckner beispielhaft die Beschäftigen der Catering-Branche, die derzeit komplett still steht. In einem Brief an Arbeitsminister Hubertus Heil am Donnerstag schlug sie außerdem vor, eine temporäre Arbeitserlaubnis für Asylbewerber einzuführen: „Der ein oder andere aus sicheren Herkunftsländern wie Albanien, Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, aus Nordmazedonien, Montenegro, Serbien oder auch dem Senegal könnte durchaus Interesse an der Arbeit in der Landwirtschaft haben.“

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Um Landwirte und willige Saisonarbeiter gegenseitig zu vermitteln, ist seit gestern eine Online-Vermittlungsbörse des Agrarministeriums online. Nach Angaben der AFP sollen innerhalb von zwei Stunden etwa 3000 Inserate veröffentlicht worden sein. Auch der Deutsche Bauernverband betreibt eine Vermittlungsbörse. „Es sind alle willkommen, die uns Bauern unterstützen wollen und können – egal aus welcher Branche sie kommen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Saisonarbeiter könnten eingeflogen werden

Zusammen mit der Lufthansa lotet die Bundesregierung momentan die Option aus, Erntehelfer direkt per Flugzeug nach Deutschland einzufliegen. Das betrifft vor allem Rumänen, die 85 Prozent der ausländischen Saisonarbeiter ausmachen und die derzeit nicht durch Ungarn reisen können. Eine Entscheidung dazu steht aber noch aus. Klöckner appellierte an Bundeskanzlerin Merkel, das Thema direkt mit den Regierungschefs osteuropäischer Staaten zu besprechen. Morgen beraten sich außerdem die Landwirtschaftsminister der EU-Staaten per Videokonferenz.

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