Klöckner rechnet für 2022 mit Glyphosat-Verbot in der EU

glyphosat

Viele Staaten haben den Gebrauch glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel allerdings für Privatanwender stark eingeschränkt. Österreich beschloss Anfang Juli als erstes Land der EU ein komplettes Verbot des umstrittenen Mittels. [Chafer Machinery/Flickr]

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) rechnet für das Jahr 2022 mit einem EU-weiten Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Vorher sei wenig zu machen, weil das umstrittene Mittel von der EU bis dahin noch zugelassen sei, sagte die Ministerin dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

Es sei aber „nicht davon auszugehen“, dass es nach dem Auslaufen der Zulassung am 15. Dezember 2022 eine Mehrheit in der EU für eine Verlängerung geben werde. „Das europäische Recht besagt, dass ein nationales Totalverbot nicht möglich ist, solange Glyphosat in der EU zugelassen ist“, sagte Klöckner.

In Deutschland werde aber an Strategien gearbeitet, um den Einsatz des Unkrautvernichters zu mindern oder überflüssig zu machen. Glyphosat, das zu den am weitesten verbreiteten Pflanzenschutzmitteln der Welt gehört, steht im Verdacht, Krebs zu erregen. In der Forschung ist das aber umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte es 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sieht hingegen kein Krebsrisiko.

Viele Staaten haben den Gebrauch glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel allerdings für Privatanwender stark eingeschränkt. Österreich beschloss Anfang Juli als erstes Land der EU ein komplettes Verbot des umstrittenen Mittels. Allerdings ist unklar, ob Österreich mit dem Verbot gegen EU-Recht verstößt.

Bayer entschuldigt sich für Liste von Monsanto-Kritikern

Eine geheime Liste unerwünschter Kritiker seiner Tochtermarke Monsanto bringt den Bayer-Konzern in Bedrängnis.  Er hat eine interne Untersuchung anordnen lassen.

Der Chemiekonzern Bayer – Mutterkonzern des Glyphosat-Herstellers Monsanto – hält das österreichische Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat für unvereinbar mit europäischem Recht. Bayer forscht derzeit an Alternativen zu dem Totalherbizid. Allerdings soll Glyphosat nach Konzernangaben auch in Zukunft noch eine „wichtige Rolle“ in der Produktpalette spielen.

Die Grünen kritisierten am Sonntag Klöckners Vorgehen. „Schließlich war es die Unionsfraktion, die in Brüssel dafür gesorgt hat, dass Glyphosat eine weitere Zulassung erhalten hat“, erklärte der Sprecher der Grünen-Fraktion für Gentechnik, Harald Ebner. Die Ministerin könne sich deswegen „die Krokodilstränen über den eingeschränkten nationalen Handlungsspielraum“ sparen.

Klöckner müsse nun dafür sorgen, dass die private Anwednung des Mittels beendet und „illegale nationale Zulassungen für Glyphosatprodukte“ zurückgenommen würden, forderte Ebner.

Österreich will Glyphosat verbieten: Bauern hoffen auf EU-Veto

Landwirte hoffen, dass die EU-Kommission ein geplantes Verbot des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in Österreich nicht genehmigen wird.

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.