Klimawandel: Anpassungsstrategien im Weinbau

Der Klimawandel, Freund oder Feind der deutschen Weinberge? [EPA-EFE/Ronald Wittek]

Heiße Sommer, Wassermangel und Schädlingsbefall – der Weinbau steht durch den Klimawandel vor nie dagewesenen Herausforderungen. Jedoch begünstigt das wärmere Klima auch bestimmte Anbauformen. Die Anpassungsstrategie der Bundesregierung soll helfen, adäquat auf die klimatischen Veränderungen zu reagieren. Doch inwieweit hilft sie den Winzern in der Praxis?

Die Weinrebe ist eigentlich eine resistente Pflanze. Sie braucht wenig Wasser, viel Sonne und gesunden Boden. Die deutschen Weinregionen bieten diese recht simplen Voraussetzungen seit vielen Jahrhunderten. Doch seit einiger Zeit sind die natürlichen Ressourcen mancherorts nicht mehr ausreichend. Und so müssen vermehrt zusätzliche Maßnahmen her, um die Weinlese zu sichern.

Der Grund dafür sind vor allem extreme Wetterlagen, wie Dürre oder Starkregen, welche vom Klimawandel begünstigt werden. Bei extremer Hitze droht den Trauben ein Sonnenbrand, Tröpfchenbewässerung – einst verboten – schafft Abhilfe. Bei langen Regenperioden droht Bodenerosion, hier helfen Begrünungsmaßnahmen zum Bodenschutz in den Weinbergen. Diese Methoden sind Teil der Anpassungsstrategie, mit der die Winzer auf klimatische Veränderungen reagieren.

Dabei habe der Klimawandel auch positive Auswirkungen, berichtet Klaus Schneider, Pfälzer Winzer und Präsident des Deutschen Weinbauverbandes (DWV), denn der Riesling beispielsweise erreiche heute eine höhere Qualität als früher. Grund dafür ist die verkürzte Vegetationszeit der Trauben, welche durch die eher einsetzende Wärme auch früher reifen. Nichtsdestotrotz seien Anpassungsstrategien an die Veränderungen durch den Klimawandel notwendig und werden begrüßt, betont Schneider.

„In Zukunft wird der Riesling ganz anders schmecken“

Trotz der Dürre war 2018 ein sehr guter Jahrgang für den deutschen Wein. Aber das könnte sich ändern. Denn zunehmende Hitze verändert das Wachstum von Deutschlands beliebtestem Wein, dem Riesling.

Deutsche Anpassungsstrategie wird vom Umweltministerium beaufsichtigt

Die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) der Bundesregierung soll den vom Klimawandel verursachten Herausforderungen begegnen und einen politischen Rahmen schaffen, um Anpassungsmaßnahmen wirksam umzusetzen. Das Bundesumweltministerium (BMU) überwacht gemeinsam mit dem Umweltbundesamt die Fortschritte der DAS. Auch die Landwirtschaft und somit auch der Weinbau werden in der DAS berücksichtigt. Kulturlandschaftsforscher Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim im Weinbaugebiet Rheingau leitet ein Projekt, welches die Klimaanpassung in Weinbau-Landschaften erforschen, Lösungen für Probleme identifizieren und exemplarisch umsetzen soll.

Für das sogenannte KliaNet-Weinbau-Projekt nutzen Jedicke und sein Team aus Wissenschaftlern die Informationen, die sie vom Deutschen Wetterdienst, aber auch von den Winzern direkt erhalten. Dieser Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis ist ein wesentlicher Bestandteil der DAS. Doch er reiche nicht aus, beklagt Jedicke, es fehle an Finanzierungskonzepten. “Es muss sich für die Winzer lohnen, dass sie Maßnahmen zur Klimaanpassung durchführen. Im Moment können wir ihnen nur sagen, was auf sie zukommt. Es fehlt an finanziellen Anreizen, in Sachen Nachhaltigkeit auch wirklich einzusteigen.”

“Kein Transfer zwischen Förderpolitik und Praxis”

Winzer und DWV-Präsident Klaus Schneider kritisiert vor allem rein regulatorische Eingriffe aus der Politik und nennt als Beispiel den vorgeschriebenen Einsatz teurer Pflanzenschutzmittel. Er plädiert ebenfalls für einen regen Austausch zwischen Forschung, Lehre, Praxis und Industrie. “Dieser Austausch muss dann politisch begleitet werden”, fordert er. Gesetzliche Handlungsvorschriften seien für ihn dagegen ein “No-Go”,  denn die um ihr Image bemühten Winzer würden ohnehin sauber arbeiten: “Der Berufsstand ist immer bereit, sich Dingen anzupassen, die wirklich positive und nachhaltige Neuerungen bringen.”

Ginge es nach Wissenschaftler Eckhard Jedicke, müssten für genau diese Anpassungen finanzielle Fördermittel her. Die Zielsetzungen, Nachhaltigkeitsstrategien und Biodiversitätsstrategien seien richtig, resümiert er, doch der Transfer in die Politik und vor allem in die Förderpolitik finde nicht statt. Das sehe man auch an den kürzlichen Beschlüssen zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP), sagt der Kulturlandschaftsforscher.

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Und so wirkt der politische Rahmen, für dessen Schaffung die DAS ursprünglich initiiert wurde, noch etwas dünn und praxisfern. Und auch die Forderung nach Förderung für ökologische Maßnahmen im Rahmen der GAP steht einmal mehr im Raum. Der nächste Fortschrittsbericht zur DAS kommt in fünf Jahren. Bis dahin dürften die Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau besser einschätzbar und Datenlage der Forschenden aussagekräftiger sein. Die Notwendigkeit eines politischen Rahmens, der ökologischen Weinbau finanzierbar machen würde, dürfte allerdings auch dann noch von größter Wichtigkeit sein.

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