Junglandwirte fordern „starkes“ GAP-Budget für den Generationswechsel

Die EU-Mitgliedstaaten müssen sich mit dem Generationswechsel im europäischen Landwirtschaftssektor befassen - "ob es ihnen gefällt oder nicht", fordern junge Landwirte. [Shutterstock]

This article is part of our special report Nachwuchs und Frauen für die EU-Landwirtschaft.

Die EU-Mitgliedstaaten müssen sich mit dem Generationswechsel im europäischen Landwirtschaftssektor befassen – „ob es ihnen gefällt oder nicht“, fordern junge Landwirte. Vor allem sollten die EU-Gesetzgeber einen starken Haushalt für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 unterstützen, argumentieren sie.

„Da der Generationswandel eines der neun Ziele der GAP ist, werden die Mitgliedstaaten verpflichtet sein, dieses Problem anzugehen, ob sie es nun wollen oder nicht,“ so Jannes Maes, Präsident des EU-Junglandwirteverbandes CEJA, gegenüber EURACTIV.com.

Der Agrarsektor der EU ist mit einer alternden Bevölkerung konfrontiert. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte die langfristige Nachhaltigkeit der Branche gefährdet sein, warnen Beobachter.

Im Jahr 2016 waren nur elf Prozent der Betriebsleiter von Landwirtschaftsunternehmen in der EU sogenannte „Junglandwirte“ im Alter von unter 40 Jahren, so offizielle Daten von Eurostat, dem Statistischen Amt der EU.

Österreich hat dabei den höchsten Anteil an Junglandwirten (22,2 Prozent), gefolgt von Polen (20,3 Prozent) und der Slowakei (19,0 Prozent). Am anderen Ende der Skala haben Zypern (3,3 Prozent aller Betriebsleiter), Portugal (4,2 Prozent) und das Vereinigte Königreich (5,3 Prozent) den geringsten Anteil an Junglandwirten.

Mit Europa gegen das Höfesterben?

In der Debatte über eine Reform der GAP geht es auch um die Frage, wie die Vergabe von Fördermitteln besser an die spezifischen Bedürfnisse der Regionen angepasst werden kann.

Mit Blick auf die GAP nach 2020 hat die Europäische Kommission bereits vorgeschlagen, dass mindestens zwei Prozent der jedem EU-Land zugewiesenen Direktzahlungen (Säule 1) für Junglandwirte vorgesehen werden sollten; ergänzt durch finanzielle Unterstützung im Rahmen der Ziele der ländlichen Entwicklung und Maßnahmen zur Erleichterung des Zugangs zu Land.

Maes begrüßt die Absicht der Kommission, jungen Menschen in den Vorschlägen Vorrang einzuräumen. Er betont jedoch, die vorgeschlagenen Maßnahmen würden dieses Ziel noch nicht stark genug widerspiegeln.

„Zwei Prozent aus Säule 1 reichen einfach nicht aus, um den Generationswandel in der Landwirtschaft zu sichern,“ erklärt er. „Als CEJA drängen wir auf eine Zweckbindung von vier Prozent der Mittel in Säule 1 sowie auf weitere Maßnahmen.“

Wie viel Geld für die GAP?

Die große Unbekannte ist der zukünftige GAP-Haushalt. Die Europäische Kommission hat bereits eine deutliche Kürzung der Agrarausgaben vorgeschlagen und erklärt, die EU müsse die ohnehin knappen Finanzmittel nutzen, um neue Herausforderungen, beispielsweise in der Sicherheitspolitik, anzugehen. Die EU-Exekutive wies außerdem darauf hin, es sei Sache der Mitgliedstaaten, die entstehende Finanzierungslücke zu schließen, indem sie ihre nationalen Beiträge zur GAP erhöhen.

Viele Mitgliedstaaten zögern jedoch, dies zu tun. Frankreich hat zusammen mit Griechenland, Spanien, Irland, Portugal und Finnland eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der sie ihre Enttäuschung über den gekürzten GAP-Haushalt zum Ausdruck bringen. Zypern und Bulgarien unterstützten die Erklärung später ebenfalls.

Man wolle „einerseits unsere Enttäuschung über die geplanten Kürzungen im GAP-Haushalt zum Ausdruck bringen und andererseits Besorgnis über die zukünftige Nachhaltigkeit der europäischen Landwirtschaft äußern,“ sagte der griechische Landwirtschaftsminister Stavros Arachovitis kürzlich in einem Interview mit EURACTIV.com.

Die neue GAP: Optimale Ressourcenverteilung in den Regionen

Im Rahmen der neuen GAP nimmt die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den ländlichen Regionen der Mitgliedstaaten eine zunehmend große Rolle ein.

Die europäischen Junglandwirte teilen eine ähnliche Auffassung. Sie sind der Ansicht, dass der Fortbestand des Agrarsektors der EU nur durch die Schaffung spezifischer Maßnahmen für Junglandwirte gewährleistet werden kann.

„Aber das hängt davon ab, dass die Mitgliedstaaten auch bereit sind, ausreichend zum gemeinsamen Haushalt beizutragen,“ glaubt Maes.

CEJA: Ein starker MFR sichert die europäische Landwirtschaft

Wenn die EU alle anderen Ziele der GAP erfüllen will, dann müsse der Generationenwandel im Sektor als selbstverständlich erscheinen, argumentiert der CEJA-Präsident.

Aber: „Da dies derzeit nicht der Fall ist, wird es wichtig sein, dass die Mitgliedstaaten zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist von entscheidender Bedeutung, über relevante und präzise Instrumente zu verfügen, um zu messen, wie viele junge Menschen tatsächlich in den Sektor eintreten und dort auch bleiben.“

Der Kampf um den nächsten langfristigen Haushalt der EU für 2021-2027 – den sogenannten mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) – werde ein Indikator dafür sein, wenn es darum geht, „mutige Entscheidungen zu treffen“, so Maes.

Er schließt: „Ein guter, ein starker MFR für 2021-2027 ist der Schlüssel zur Sicherung einer starken zukünftigen GAP. Durch eine starke GAP können wir dann Landwirte bei der Bewältigung der verschiedenen Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, aktiv unterstützen – sei es im sozialen, ökologischen oder im wirtschaftlichen Bereich.“

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