Journalistenverband zweifelt an Bayer-Angaben zu Monsanto-Listen

Bayer ist nach der Monsanto-Übernahme verstärkt unter Druck geraten. [shutterstock]

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) bezweifelt, dass auf der Liste des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto über deutsche Gegner und Befürworter des Pestizids Glyphosat keine Journalisten stehen. „Wenn dieListen den Zweck hatten, Meinungsbildner zu beeinflussen, ist das sehr unwahrscheinlich“, schrieb DJV-Sprecher Hendrik Zörner der Tageszeitung „taz“ (Dienstagausgabe). Es sei auch wenig wahrscheinlich, dass anders als in Frankreich keine Privatadressen oder Hobbies gespeichert wurden.

Bayer-Sprecher Christian Maertin hatte der taz am Montag bestätigt, dass auf der französischen Liste neben Industrie- und Verbandsvertretern, Politikern, Lobbyisten und anderen auch Journalisten standen. Nach Auskunft der von Bayer engagierten Rechtsanwaltskanzlei Sidley Austin stünden aber „weder Journalisten noch sensible private Daten auf den deutschen Listen“, schrieb Maertin, dies sei ausdrücklich aber nur „Stand letzter Freitag“.

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Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (Grüne) warf Bayer den Versuch vor, „Aufklärung und Information der Betroffenen zu verschleppen, bis die öffentliche Aufmerksamkeit nicht mehr so groß ist.“ Sonst hätte Bayer nicht vier Wochen gebraucht, um die Leute zu kontaktieren, schrieb Ebner der taz.

Laut Bayer hat seine heutige US-Tochterfirma Monsanto in Deutschland und Frankreich insgesamt etwa 600 Glyphosat-Befürworter und -Gegner auf den Listen erfassen lassen. Diese Zahl nannte Bayer-Sprecher Maertin am Montag der taz in einer E-Mail. Er wollte auch auf Nachfrage nicht mitteilen, wie viele Personen allein in Deutschland betroffen sind. In Frankreich führten nach dortigen Medienberichten PR-Agenturen im Auftrag von Monsanto zuletzt rund 200 Namen auf der Liste im Zusammenhang mit der Lobbyarbeit für die Wiederzulassung des Unkrautvernichters Glyphosat in der EU.

Demnach wurden Politiker, Wissenschaftler und Journalisten 2016 mit Privatadresse, Telefonnummer und sogar ihren Hobbys gelistet. Laut der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation ist Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“. Dennoch ist es der weltweit meistverkaufte Pestizidwirkstoff.

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