Jeder Tropfen zählt: Innovative Lösungen für Europas Dürre-Problem

Die Landwirte in der EU sind zunehmend auf starke Bewässerung angewiesen, um ihre Ernten zu retten. [shutterstock.com/image-photo/irr…]

Ein drittes Dürrejahr in Folge zeigt, dass Wasserknappheit in der EU ein immer häufiger auftretendes und weit verbreitetes Phänomen ist, das enorme Auswirkungen auf den Agrarsektor hat. EURACTIV.com sprach mit Netafim, einem auf Bewässerung spezialisierten Unternehmen, über die Lösungen, die angeboten werden, um dem Problem zu begegnen.

In seinem jüngsten Bericht über die aktuelle Lage warnte das Europäische Dürreobservatorium (EDO), dass bestimmte Regionen Europas nach den geringen Regenfällen im April und Mai mit einer „robusten Trockenperiode“ konfrontiert sind.

Es kam zu dem Schluss, dass die Länder in der Mitte Europas sowie im Nordwesten, darunter Deutschland, Belgien, die Niederlande, Irland und der größte Teil des Vereinigten Königreichs, besonders betroffen sind. Erinnert wird auch, dass die derzeitige Dürre das dritte Jahr in Folge mit unerwartet trockenen Bedingungen in ganz Europa ist.

Darüber hinaus wurden laut einer Broschüre der Gemeinsamen Forschungsstelle in Europa vom August die Ertragsprognosen für fast alle Sommerkulturen in der EU aufgrund der Trockenheit gegenüber der Juli-Prognose nach unten korrigiert. Die Landwirte seien zunehmend auf Bewässerung angewiesen, um ihre Ernten zu retten.

Deutsche Landwirte fürchten erneuten Dürresommer

Es regnet kaum und die deutschen Landwirte fürchten einen weiteren Dürresommer zusätzlich zur Corona-Pandemie. Man behalte die Situation im Auge, so das Landwirtschaftsministerium, konkrete Maßnahmen sind bislang aber nicht geplant. 

Nach Angaben der Europäischen Kommission werden 44 Prozent der gesamten Wasserentnahme in Europa für die Landwirtschaft verwendet, wobei die südeuropäischen Länder in der Regel mehr als zwei Drittel der Gesamtwasserentnahme auf sich vereinen.

Obwohl die Belastung in heißeren Klimazonen am stärksten ist, sind alle Länder mehr oder weniger auf Bewässerung angewiesen, um die Produktivität und Rentabilität der Nutzpflanzen zu verbessern.

Die Bewässerung ist jedoch auch die Ursache für eine Reihe von Umweltproblemen, wie beispielsweise die übermäßige Erschöpfung des Grundwassers, bewässerungsbedingte Erosion und erhöhte Bodenversalzung.

Der Schutz der Wasserressourcen steht daher ganz oben auf der Tagesordnung sowohl der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) als auch der EU-Strategie „Farm to Fork Food“, die darauf abzielt, die Süßwasserressourcen zu erhalten und die Wasserverschmutzung durch die Landwirtschaft – insbesondere die Nitratverschmutzung – zu vermeiden.

EURACTIV.com sprach mit Andre Van Spengen von Netafim – einem Unternehmen, das sich auf Präzisionsbewässerungslösungen für nachhaltige Landwirtschaft spezialisiert hat – über Tröpfchenbewässerung (Drip Irrigation) und die Rolle, die sie bei der Steigerung der Effizienz in der Wassernutzung spielen kann.

„Die meisten Bewässerungssysteme in der EU verwenden immer noch Spritzpistolen und Sprühgestänge, die wirklich die ineffizienteste Art der Pflanzenbewässerung sind,“ sagt er. Dabei ginge Wasser sowohl durch Ablaufen als auch durch Verdunstung verloren.

Der Unterschied zwischen den einzelnen Techniken sei vergleichbar mit dem Entleeren eines Fünf-Liter-Eimers einerseits und der Verwendung einer Spritze andererseits: „Der größte Teil des Wassers trifft auf den Boden und fließt ab. Bei Verwendung der Tröpfchenbewässerung dringt es hingegen tief in den Boden ein und erzeugt eine große Blase unter der Oberfläche.“ So könnten Landwirte bei einem Wechsel zur Tröpfchenbewässerung bis zu 30 Prozent Wasser einsparen.

Studie: Schlechtes Wassermanagement verschärft Dürren

Die schlechte Bewirtschaftung von Flüssen, Seen, Feuchtgebieten und Grundwasser zehre die europäischen Wasserressourcen aus, warnt der WWF.

Obwohl Tröpfchenbewässerungssysteme Investitionen an Zeit, Geld und Mühe erfordern, bringen die Systeme langfristig erhebliche Vorteile, so Van Spengen. Neben erheblichen Wassereinsparungen verhindere das System auch die Ausbreitung von Krankheiten – insbesondere von Pilzbefall, indem die Pflanzen trocken gehalten werden – sowie Blattschäden durch Sonneneinstrahlung, wenn die Blätter nass sind.

Darüber hinaus können diese Bewässerungssysteme auch zur Düngung eingesetzt werden, ein Prozess, der als „Fertigation“ bezeichnet wird: „Mit der Tröpfchenbewässerung können auch Pflanzenschutz- und Düngemittel verteilt werden, was eine gezieltere Anwendung und eine Verringerung des Einsatzes dieser Produkte bedeutet,“ erklärt Van Spengen.

Vor allem biete diese Art der Bewässerung den Landwirten jedoch einen unschätzbaren Wert: Mehr Zeit. „Konventionelle Sprühsysteme erfordern viel Arbeit – sowohl bei der Einrichtung als auch bei der Überwachung“, sagt er und weist darauf hin, dass herkömmliche Systeme oft mit einem Druck von bis zu zehn bar arbeiten und somit 80 Kubikmeter Wasser pro Stunde abpumpen. Wenn bei einem solchen Druck ein Leck entsteht, kann dies schwerwiegende Folgen haben.

Im Gegensatz dazu arbeite die Tröpfchenbewässerung mit weniger als einem Bar Druck, was bedeutet, dass die Landwirte die Bewässerung laufen lassen können, während sie andere Aufgaben erledigen: „Sie können weggehen und Ihre Pflanzen einfach stehen lassen, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass etwas schief geht“, so Van Spengen. Studien hätten gezeigt, dass die Landwirte die Bewässerung oft bis zu einer Woche aufschieben, wenn die Trockenperiode einsetzt, und weiterhin auf Regen hoffen – eben weil die Bewässerung so anstrengend und aufwendig ist.

Mit der Tröpfchen-Technik könne man hingegen „sofort mit der Bewässerung beginnen“. Das verringere den Stress für die Bauern und auch für die Pflanzen.

Zunehmende Dürren beeinträchtigen Frankreichs nachhaltige Landwirtschaft

Die intensive Dürre in diesem Jahr in Frankreich hat bereits zur Vernichtung von Brachflächen geführt. Sie hat auch zu Spannungen geführt, die für die Verhandlungen über die neue Gemeinsame Agrarpolitik der EU nicht so günstig sind. EURACTIV France berichtet.

Ein Sprecher des EU-Landwirtschaftsverbandes COPA-COGECA sagte gegenüber EURACTIV.com, man wisse, dass „eine ganze Reihe unserer Mitglieder die Investitionen in diese Technologie getätigt und großartige Ergebnisse erzielt haben“.

Wie bei den meisten neuen Techniken in der Präzisionslandwirtschaft, die ein besseres Ressourcenmanagement ermöglichen, sei die Organisation „sehr positiv“ gegenüber dieser Technologie eingestellt.

Er fügte hinzu, Tröpfchenbewässerung sei zwar derzeit nicht unbedingt für alle Kulturen und Betriebstypen anwendbar, es sei aber dennoch „entscheidend, dass mehr Landwirte, die von ihr profitieren könnten, in die Lage versetzt werden, solche Investitionen in ihren Betrieben zu tätigen“.

[Bearbeitet von Sam Morgan]

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