Holz aus deutschen Wäldern als klimaneutraler Brennstoff?

Die Bundesrepublik ist das wald- und holzreichste Land in der EU. Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, sollen deutsche Wälder zukünftig viel stärker als Energieträger genutzt werden. [shutterstock/Pakhnyushchy]

This article is part of our special report Europas Wälder und Strategien gegen den Klimawandel.

Die Bundesrepublik ist das wald- und holzreichste Land in der EU. Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, sollen deutsche Wälder zukünftig viel stärker als Energieträger genutzt werden.

Ein Drittel Deutschlands besteht aus Waldfläche. Nach Jahren des „sauren Regens“, geht es dem deutschen Wald wieder gut, sagt der aktuelle Waldbericht der Bundesregierung. Jährlich entlastet er die Atmosphäre um 120 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht 14 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.

Doch der Wald ist nicht nur Sauerstofflieferant, Wasserfilter, CO2-Speicher und Lebensraum, er ist auch Wirtschaftsfaktor. Rund 125.000 deutsche Unternehmen der Branche Forst und Holz erwirtschafteten laut Bundesregierung im Jahr 2014 einen Umsatz von 178 Milliarden Euro.

Der Wald als Brennholzlieferant

Mit einer Neufassung der Richtlinie für erneuerbare Energien will die EU-Kommission nun die Verwertung von Nutzholz zulassen, um erneuerbare Energie zu produzieren. Umweltorganisationen und deutsche Klimaforscher warnen davor. Der Vorschlag der Kommission wäre ein Aufruf an die Holzwirtschaft, gezielt Wälder anzubauen, um diese dann industriell zu verbrennen. Nach Meinung der Klimaforscher würde dadurch das Gegenteil eintreten. Die Umweltbelastung steigt und der Klimawandel wird beschleunigt. Beim Verbrennen von Holz würde mehr C02 je erzeugter Kilowattstunde ausgestoßen als bei der Kohleverbrennung.

CO2-Emissionen und Abholzung: Die Balance finden

Wenn die EU ihre Klimaziele erreichen will, muss eine Balance zwischen der wirtschaftlichen Optimierung der Forstwirtschaft und Waldschutz zur Kohlenstoffbindung gefunden werden.

Für Frank Walther sind die Pläne der EU unverständlich. Er bewirtschaftet in Brandenburg einen der Privatwälder, die in Deutschland knapp 5,5 Millionen Hektar ausmachen. Holz wurde schon immer verbrannt, sagt Walther. „Selbst, wenn die Forstwirtschaft jetzt andernorts aufforstet, um Bäume als Brennholz industriell zu kultivieren, an eines kommt weder die Industrie noch die EU vorbei, Bäume brauchen Jahrzehnte, um zu wachsen und Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu ziehen. Selbst wenn sie das bis zur erklärten Ziellinie des Pariser Abkommens tun, tragen sie bis dahin doch wohl eher in lebendiger Form als C02-Speicher zum Klimaschutz bei, statt als verkohltes Brennholz in einem Industrieofen.“

Intensivierung der Holzfeuerung als Beitrag zu den erneuerbaren Energien?  Walther sieht darin eine ganz andere Gefahr. „Bei uns in Deutschland wird der Wald in den Waldschutzgesetzen geschützt. Also ganz ehrlich, wo würde denn das Holz wirklich herkommen? Aus Ländern, die schön weit weg von uns sind, damit wir die fatale Rodung nicht mit eigenen Augen sehen müssen“.  Auch Umweltverbände warnen, dass dadurch eher Holzexporte aus Drittländern oder Ländern mit begrenzten gesetzlichen Auflagen steigen. „Eigentlich müsste der EU klar sein, dass weder die europäischen Holzreserven noch die industrielle Neupflanzung ausreichen, damit Brennholz wirklich eine merkbare Komponente des Klimaschutzes sein kann“, so Walther. „Wir Europäer können nicht die Umwelt in anderen Ländern ruinieren, um unsere Verpflichtungen einzuhalten“.

Der Wald als Klimaschützer

Sollten nun, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, auch die im Kraftwerk verheizten Baumstämme und Stümpfe den 2030-Zielen für erneuerbare Energien zugerechnet werden, würden nicht nur falsche, wirtschaftliche Anreize für die Waldwirtschaft geschaffen, sondern auch die Ergebnisse der Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele verfälscht, warnen Klimaexperten. Schon jetzt ist wahrscheinlich, dass Deutschland nicht nur das nationale Klimaziel für 2020 verfehlt, sondern auch gegen europäische Vorgaben verstoßen wird.

Sondierung: GroKo sägt am deutschen Klimaziel

„Deutliche Fortschritte“ sieht der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer, nach der zweiten Sondierungsrunde von Union und SPD.

Dabei könnte die deutsche Forstwirtschaft eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen. Im Rahmen der Gebäudesanierung oder als Rohmaterial in der Möbelindustrie kann Holz klimaschädliche Baustoffe ersetzen.

Dem stimmt das deutsche Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei zwar zu, sieht die Lage allerdings nicht ganz so dramatisch. „Wenn wir von einem Kahlschlag ohne Wiederbewaldung ausgehen, ist diese Art der Holzverwertung natürlich klimaschädlich“, so Andreas Bolte vom Thünen-Institut für Waldökosysteme, dennoch seien pauschale Bewertungen nicht angebracht.

EU-Parlamentarier kritisieren geplante Energieprojekte der Kommission

Eine Liste mit vorgeschlagenen Energieprojekten der EU-Kommission wird vom Parlament geprüft. Einige Abgeordnete werfen der Kommission vor, sich zu sehr auf fossile Brennstoffe zu konzentrieren.

Das EU-Parlament hat dem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, will aber die als umweltschädlich bezeichnete thermische Nutzung nur dann fördern, wenn eine bessere industrielle Nutzung nicht möglich ist. Bei der Energieerzeugung soll daher der Verbrennung von Holzrückständen Vorrang eingeräumt werden.

Das geht vielen Umweltorganisationen nicht weit genug. Denn mittelfristig werden die Klimaschutzbemühungen und die Einstufung von Holz als klimaneutraler Brennstoff die Nachfrage wohl weiter befeuern.