GVO-Studie: EU prüft Gift-Risiko von Genmais

Tumore, Nierenschäden, Leberschäden: Genmais kann laut einer französischen Studie Ratten krank machen und ist somit auch für Menschen gefährlich. Foto: dpa

„Ja, gentechnisch veränderte Organismen sind Gift“. Unter dieser Überschrift berichtet ein französisches Magazin über eine alarmierenden Studie über die Gesundheitsrisiken von Genmais. Europäische Gesundheitsbehörden prüfen bereits die Relevanz der Langzeitstudie.

Ratten, die mehrere Monate lang mit gentechnisch verändertem Mais NK 603 des Konzerns Monsanto gefüttert wurden, erkrankten an Krebs und erlitten Leber- und Nierenschäden. Das ist das Ergebnis einer französischen Studie, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die französische Regierung hat sofort reagiert und eine Untersuchung der Studienergebnisse angekündigt. Drei Ministerien (Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft) haben in einer gemeinsamen Stellungnahme angekündigt, dass die staatliche Gesundheitsbehörde (ANSES) die Studie und ihre Erkenntnisse „umgehend“ prüfen werde. Die Regierung werde auf Grundlage der ANSES-Analyse die EU-Behörden auffordern, „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen um die Gesundheit von Mensch und Tier zu schützen“.

Dazu könnten auch Notmaßnahmen zählen wie etwa ein Einfuhrverbot des Genmais NK 603 in die EU. Das wäre dann gültig bis dieses Produkt unter strikteren Prüfungsmaßstäben erneut untersucht wurde. „Diese Studie scheint die Unzulänglichkeit toxikologischer Untersuchungen zu bestätigen, wie sie nach EU-Recht vorgesehen sind, um genveränderte Produkte zuzulassen“, heißt es in der Erklärung der drei französischen Ministerien. „Die Regierung fordert die EU-Behörden auf, so schnell wie möglich die Untersuchung der Risiken für Gesundheit und Umwelt signifikant zu verstärken“, heißt es darin weiter.

Reaktion der EU

Auf EU-Ebene werden die Studie und ihre Erkentnisse bereits untersucht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft derzeit die Relevanz der französischen Studie. „EFSA wird eine Stellungnahme veröffentlichen zur potenziellen Toxizität von in Herbiziden und GV-Mais NK603 verwendetem Glyphosat“, kündigte die EU-Behörde an. „Die EFSA überwacht kontinuierlich die wissenschaftlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit ihrer Arbeit. In diesem Kontext wird die EFSA die Relevanz des Artikels unter Berücksichtigung der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse prüfen, einschließlich jüngster Studien, die die potenzielle Toxizität von aus GV-Pflanzen gewonnenen Lebensmitteln über einen längeren Zeitraum bewerten“, teilte die EFSA mit.

„Falls festgestellt wird, dass die Studie tatsächlich auf wissenschaftlichen Ergebnissen beruht, wird die EU-Kommission ihre Schlussfolgerungen daraus ziehen“, sagte Frédéric Vincent, Sprecher des EU-Landwirtschaftskommissars Dacian Ciolo?.

Schwere Vorwürfe

Bereits vor zwei Monaten hatte die Süddeutsche Zeitung unter der Überschrift „Herbizide in der Landwirtschaft – Gift im Getreide“ über das seit Jahren umstrittene, aber in der Landwirtschaft häufig verwendete Spritzmittel Glyphosat berichtet. Monsanto hatte auf den SZ-Beitrag mit einer Stellungnahme reagiert, in der er auf vielfältige Untersuchungen verwies und erklärte: „Glyphosat ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung sicher“.

Monsanto-Sprecher Thomas Helscher kündigte an, der Konzern werde auch die neue Studie genau prüfen. Er verwies zugleich darauf, dass eine Reihe vorliegender Studien die Sicherheit des Genmais wiederholt nachgewiesen hätten.

GVO in der EU

Die EU-Kommission setzt sich seit längerem für flexiblere Regelungen bei gentechnisch veränderten Lebensmittel ein und wird in ihrer Haltung von vielen EU-Ländern und Teilen der Agrar- und Lebensmittelindustrie unterstützt. So will die EU-Kommission unter anderem die bisher geltende Nulltoleranz-Grenze bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln lockern. Bundesagrarministerin Ilse Aigner hat sich klar gegen die EU-Pläne gestellt (EURACTIV.de vom 11. Juni 2012).

Greenpeace-Ratgeber „Essen ohne Gentechnik“

Verunsicherte Verbraucher können auf den Greenpeace- Ratgeber „Essen ohne Gentechnik“ zurückgreifen. In dem Einkaufsratgeber hat die Umweltschutzorganisation deutsche Supermärkte auf Gentechnik im Tierfutter und Verbrauchertransparenz geprüft. Die Erkenntnis: Immer mehr Marken kommen bei Molkereiprodukten ohne Gentechnik aus. Bei ihren Eigenmarken tun sich die deutschen Supermarktketten damit allerdings schwer. Laut Greenpeache schließen einzig die Bio-Supermärkte Gentechnik im Tierfutter garantiert aus.

Michael Kaczmarek

Links


EURACTIV Brüssel:
French study re-launches GMO controversy (20. September 2012)

EURACTIV Paris: OGM: la vague remonte jusqu’à Bruxelles (19. September 2012)

Dokumente

EFSA: Gremium für Genetisch veränderte Organismen (GMO)

EU-Kommission: COMMISSION IMPLEMENTING REGULATION (EU) No…of XXX on applications for authorisation of genetically modified food and feed (2012, inoffizieller Entwurf)

EU-Kommission:
Gentechnisch veränderte Lebensmitteln. Übersicht

EU-Kommission: EU Register of authorised GMOs

EU-Kommission:
Questions and answers on the low level presence (LLP) of GMOs in feed imports (24. Juni 2011)

EU-Kommission: GVO/Forschung: Die Vermischung von genetisch verändertem und konventionellem Mais praktisch verhindern (27. September 2010)

EU-Kommission: Commission authorises six GM maize for food and feed uses (28. Juli 2010)

EU-Kommission:
GVO: Mitgliedstaaten sollen alleinzuständig über den Anbau in ihrem Hoheitsgebiet entscheiden können (13. Juli 2010)

EU-Kommission:
Questions and Answers on the EU’s new approach to the cultivation of GMOs (13. Juli 2010)

Positionen

Earth Open Source: EU Commission’s draft GMO Regulation: Charter for the GM industry (20. September 2012)

Greenpeace: Nocivité des OGM pour la santé : de nouveaux résultats accablants (19. September 2012)

Zum Thema auf EURACTIV.de

Aigner gegen EU-Vorschlag für Gentechnik in Lebensmitteln (11. Juni 2012)

EU streitet weiter über den Anbau von Genmais (27. September 2012)

EU-Kommission lässt Genmais zu (28. Juli 2010)

Merkel kritisiert Kommissionspläne zu Genpflanzen (22. Juli 2010)

Anbau von Genpflanzen in der EU künftig Ländersache (13. Juli 2010)

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