Gefälschte Pestizide verursachen Wirtschaftsschäden in Milliardenhöhe

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Die EU-Agrarminister Beraten über Unterstützung der Landwirte. [Teddy Llovet/ Flickr]

Gefälschte Pflanzenschutzmittel schaden der EU-weiten Industrie, den Steuereinnahmen und den Beschäftigungszahlen erheblich, bestätigt eine aktuelle Studie. EURACTIV Brüssel berichtet.

Das Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO) veröffentlichte am gestrigen Mittwoch einen Bericht über die wirtschaftlichen Kosten gefälschter Pestizide. Die Schätzungen ergaben, dass der legitimen Industrie jährlich 1,3 Milliarden Euro an Verlusten durch Fake-Mittel entstehen. Auch die direkten Auswirkungen auf die Beschäftigung sind nicht zu vernachlässigen. So gehen EU-weit angeblich etwa 2.600 Arbeitsplätze verloren. Im weiteren Rahmen könne die Zahl sogar auf 11.700 steigen.

„Berücksichtigt man neben den direkten auch die indirekten Auswirkungen, indem man die
Folgewirkungen für andere Wirtschaftszweige und für die staatlichen Einnahmen hinzunimmt, ergibt sich in diesem Bereich für die EU-Wirtschaft ein Umsatzverlust durch Fälschungen in Höhe von ungefähr 2,8 Milliarden Euro“, heißt es im Bericht.

Das Phänomen der Produktfälschung könne jeden Wirtschaftszweig betreffen, darum eben auch die Pestizidbranche, die eine hohe Zahl an kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) umfasst, erklärt Antonio Campinos, Exekutivdirektor des EUIPO. 400 von 600 KMU beschäftigen laut Bericht weniger als zehn Mitarbeiter und machen gemeinsam 38 Prozent der Gesamtumsätze im Sektor aus.

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Die großen Verlierer

Deutschland und Frankreich gehen als die zwei großen Verlierer hervor. In einem Sektor, der vier Milliarden Euro erwirtschaftet, büßt die deutsche Pestizidindustrie 299 Millionen Euro und 500 Arbeitsplätze im Jahr aufgrund von gefälschten Pflanzenschutzmitteln ein. Frankreich, dem zweitgrößten Hersteller von Pestiziden in Europa, ergeht es ähnlich. Pro Jahr kommt es zu Verlusten von 240 Millionen Euro und auch hier gehen etwa 500 Stellen jährlich verloren. Italien, Spanien und Großbritannien verzeichnen Schäden von 185 Millionen, 94 Millionen beziehungsweise 76 Millionen Euro im Jahr.

Umweltschäden

Der europäische Verband der Pflanzenschutzindustrie European Crop Protection Association (ECPA) verweist zudem auf die Umweltbelastung, die von gefälschten Pestiziden ausgehen kann. Abgesehen von den Umsatzeinbußen wirken die Falschprodukte umwelt- und gesundheitsschädigend, warnt Graeme Taylor, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der ECPA.

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„In einer Zeit, in der die Produkte unserer Branche politisch und wissenschaftlich so streng getestet und überprüft werden, sollten die EU-Kommission und nationale Behörden mehr gegen illegale Produktfälschungen unternehmen, anstatt willkürlich die zulässige Anzahl von Produkten auf dem Markt zu senken“, kritisiert er.

Die gefälschten Artikel gelangen ihm zufolge durch Schmuggel oder unter dem Deckmantel von Parallelimporten illegal auf den EU-Markt. Dabei tauchen sie in unterschiedlichen Formen auf: zum Beispiel als Massenlieferung vorgefertigten Konzentrats oder auch bereits als vollverpackte Ware. „Die Verpackung selbst kann sowohl sehr einfache Labels ohne Gebrauchsanweisungen aufweisen als auch professionell designte Kopien der Originalmarke“, warnt Taylor. „Festzuhalten ist, dass diese Produkte nicht getestet wurden und gegen die strengen EU-Vorschriften verstoßen, die eigentlich sicherstellen sollen, dass die Substanzen kein untragbares Risiko für den Landwirt, seine Anbaupflanzen oder die Umwelt darstellen.“

Weitere Informationen

Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO)

 

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