GAP: Hogan verspricht weniger Bürokratie, effektive Unterstützung und technologische Durchbrüche

Kommissar Phil Hogan: "Ab 2020 erwarten wir, dass das Geld - unabhängig von der Gesamthöhe des GAP-Budgets - intelligenter und effektiver ausgegeben wird.“ [Shutterstock]

Die europäischen Landwirte sollten in die Landwirtschaft nach 2020 investieren. Diese werde weniger bürokratisch und stärker auf „technologische Durchbrüche“ ausgerichtet sein und den Lebensstandard der Bauern verbessern, sagte EU-Kommissar Phil Hogan gegenüber EURACTIV.com.

Hogan betonte, es sei auch absolut notwendig, junge Menschen zum Eintritt in den Sektor anzuregen und die Rolle einer vorgeschlagenen EU-Plattform für Risikomanagementinstrumente zur Sensibilisierung der Landwirte hervorzuheben.

Angesichts der Preisschwankungen und des Klimawandels, der sich direkt auf die Produktion auswirkt, fordern die Landwirte in der EU eine stabile Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) für die Zeit nach 2020. Die neue GAP müsse Investitionen fördern und Einkommen stabilisieren.

Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten erörtern derzeit die Gestaltung der zukünftigen GAP – auf Grundlage einer Mitteilung, in der eine weitere Vereinfachung vorgeschlagen wird, indem den EU-Ländern „mehr Spielraum“ für ihre spezifischen Bedingungen eingeräumt wird.

10 Jahre GAP-Vereinfachung

Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten versuchen nach zehn Jahren noch immer, den komplexen Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik einfach und effektiv zu gestalten.

Noch ist nicht bekannt, wie der nächste mehrjährige Finanzrahmen (MFR) aussehen und welcher Anteil der GAP zugewiesen wird.

„Aber auf jeden Fall arbeiten wir bereits an neuen Legislativvorschlägen, die die GAP stärker auf reale Ergebnisse ausrichten werden – unabhängig davon, wie der endgültige Haushalt aussieht,“ sagte Hogan.

Das Ziel des Kommissars ist es, „starke und klare Ziele“ für die Politik auf EU-Ebene zu setzen. Man müsse beispielsweise sicherstellen, dass die Landwirtschaft eine ehrgeizigere Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielt.

„Die neue GAP wird den Mitgliedstaaten weitaus mehr Flexibilität bei der Entscheidung geben, wie sie diese Ziele unter ihren eigenen spezifischen Umständen erreichen wollen. Zum ersten Mal muss sich jeder Mitgliedstaat also auf einen eigenen GAP-Plan festlegen, wie er die Unterstützung für Landwirte und ländliche Gemeinschaften durch seine GAP-Mittel sicherstellen will.“

Die Maßnahmen würden also stärker auf die eigenen nationalen Bedürfnisse zugeschnitten sein.

Für Hogan ist dies ein klarer Grund, warum die Landwirte zuversichtlich in die Zukunft blicken sollten: „Wir haben auf ihre Bedenken gehört – dass die GAP zu bürokratisch war, zu sehr auf die Einhaltung der Vorschriften und nicht auf Ergebnisse ausgerichtet – und wir sprechen diese Bedenken direkt an. Ab 2020 erwarten wir, dass das Geld – unabhängig von der Gesamthöhe des GAP-Haushalts – intelligenter und effektiver ausgegeben wird.“

Der zweite Grund für Optimismus, so der EU-Landwirtschaftschef, sei der technologische Durchbruch: „Die Technologie ist seit dem Inkrafttreten der letzten GAP-Reform im Jahr 2013 so schnell vorangekommen, dass wir bereits viele Vorteile für die europäischen Landwirte sehen. Und unsere neuen Vorschläge werden dem Rechnung tragen.“

Präzisionslandwirtschaft: Intelligente Anbaumethoden in der EU

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU nach 2020 müsse beide Säulen mobilisieren, um den notwendigen digitalen Technologien den Weg in der Landwirtschaft zu ebnen, so ein Experte für Präzisionslandwirtschaft im Gespräch mit EURACTIV Brüssel.

Hogan erläuterte weiter: „Wir wollen Investitionen in Innovation und die Erforschung neuer Technologien erleichtern, mit denen die Landwirte auf dem Feld Zeit und Geld sparen können. Das geht von Maschinen, die prüfen können, ob die Trauben schon reif sind, bis hin zu automatischen Erntemaschinen und Sensoren, die die Dosierung von Wasser oder anderen Inputs präzise regeln können.“

Hogan erklärte ebenfalls, dass die nationalen Behörden auch von neuen Technologien wie Kopernikus profitieren können: Die Daten der Kopernikus-Sentinel-Satelliten werden einmal pro Woche in der gesamten EU kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Europäische Union gibt etwa 40 Prozent ihres Haushalts für Agrarsubventionen aus, aber das Geld geht nicht immer dorthin, wo es hin soll. Im Mai 2017 betonte der Europäische Rechnungshof die Notwendigkeit, die Überprüfungen der Agrarausgaben zu verbessern.

Einige Mitgliedstaaten wie Griechenland haben bereits ihr Interesse bekundet, das volle Potenzial von technischen Hilfsmitteln wie Kopernikus zur Förderung der intelligenten Landwirtschaft zu nutzen.

Doch auch der schleppende Ausbau der Breitbandinfrastruktur in der EU blockiert die Einführung neuer Technologien in der Landwirtschaft, so die EU-Landwirte.

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Förderung junger Menschen

Drittens unterstrich Hogan, die zukünftige GAP müsse einen klaren Fokus auf die Verbesserung des Lebensstandards für Landwirte und ländliche Gemeinschaften in vielen verschiedenen Aspekten haben. Es scheint dabei so, dass die neue GAP einen besonderen Platz für Junglandwirte bieten wird, die auf einen Generationswechsel in diesem Sektor drängen.

„Um beispielsweise junge Menschen zum Berufseinstieg in der Landwirtschaft zu ermutigen, wollen wir mehr finanzielle Anreize bieten, den Zugang zu Land und Investitionen verbessern und die Übertragung von Land zwischen den Generationen erleichtern,“ so der Kommissar.

Um die dringend benötigten Arbeitsplätze und das Wachstum des Berufsstandes zu fördern, werde sich die Kommission auf „Schlüsselsektoren“ mit hohem Potenzial wie die Bioökonomie konzentrieren.

„Wir werden für eine weitaus bessere Koordinierung der vielen verschiedenen Formen der EU-Finanzierung – nicht nur der GAP – für Landwirte und ländliche Gebiete sorgen. Gute Ideen sollten nicht einfach so aufgehalten oder abgeschrieben werden, weil niemand weiß, woher Unterstützung oder Investitionen kommen können,“ sagte Hogan und fügte hinzu, dass es einen klaren Fokus auf die Nutzung des digitalen Binnenmarkts geben werde – nicht nur im Hinblick auf die technologische Revolution auf den Höfen, sondern auch im weiteren ländlichen Raum.

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Eine EU-Plattform für Risikomanagementinstrumente

In ihrer Mitteilung von Ende November 2017 räumte die EU-Exekutive ein, dass es an Bewusstsein und Wissen über die aktuellen Risikomanagementinstrumente, die von den Landwirten genutzt werden können, mangele.

Aus diesem Grund möchte die Kommission eine ständige Plattform für Risikomanagement auf EU-Ebene einrichten, um den Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahren zwischen den verschiedenen interessierten Parteien wie Landwirten, Behörden und Interessengruppen zu fördern.

Hogan sagte, die Landwirtschaft sei schon immer ein Beruf mit Risiken gewesen und werde nie völlig risikofrei sein, aber: „Wir verfügen über ein weitaus breiteres Spektrum an Instrumenten, um dieses Risiko zu bewältigen, und wir wollen den Landwirten den Zugang und die Nutzung dieser Instrumente erleichtern.“

Es gebe zwar bereits eine Reihe von Unterstützungsinstrumente für Landwirte, aber diese seien „nicht sehr bekannt und oft auf bestimmte Mitgliedstaaten beschränkt“.

„Die Einrichtung einer Plattform auf EU-Ebene, die den Landwirten in der gesamten EU Zugang zu allen verfügbaren Informationen und Optionen bietet, wird das Bewusstsein für die bereits vorhandenen Instrumente deutlich schärfen und hoffentlich ihre Nutzung verbessern,“ erklärte der Kommissar.

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Er erläuterte weiter, es gehe daher darum, eine einzige „Drehscheibe“ zu schaffen, die es den Landwirten nicht nur ermöglicht, mehr über die verfügbaren Instrumente zu erfahren, sondern ihnen auch den Austausch von Informationen, Ideen und bewährten Verfahren mit den beteiligten Akteuren wie Behörden, Forschungsinstituten und privaten Akteuren wie Versicherungsgesellschaften zu ermöglichen.

Die Kommission werde sich gegebenenfalls als Vermittler beteiligen und die Plattform als Teil ihres Internetauftritts weiterentwickeln.

Das Ziel sei aber nicht nur lediglich eine Website: „Unser Ziel ist es auch, innerhalb der Plattform Expertengruppen, Arbeitsgruppen, Seminare und Veranstaltungen zusammenzubringen, die sich mit spezifischen Themen des Risikomanagements befassen. Die Plattform wird auch die Möglichkeit bieten, private oder öffentliche Initiativen zum Risikomanagement auf lokaler Ebene und einschlägige Arbeiten in anderen Politikbereichen, wie z.B. Anpassung an den Klimawandel, Agrarmeteorologie usw., zusammenzuführen.“

„Wo es angebracht ist, wird auch die Arbeit anderer europäischer Netzwerke oder Gruppen, wie zum Beispiel des Europäischen Netzwerks für ländliche Entwicklung (ENRD), in die Plattform einfließen,“ kündigte Hogan an.

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