G20-Minister diskutieren über Wasserversorgung

"Die Landwirtschaft steht vor der Aufgabe, mehr Lebensmittel mit weniger Wasser zu produzieren." (Christian Schmidt)

Am Sonntag treffen sich in Berlin die Agrarminister der G20-Staaten. Der Schwerpunkt des Treffens wird auf dem Thema Wasser liegen. Experten fordern Impulse für eine ökologische und soziale Landwirtschaft.

Beim Treffen der G20-Agrarminister am Sonntag in Berlin wird das Thema „Landwirtschaft und Wasser“ im Mittelpunkt stehen. Die Landwirtschaft benötigt schon heute global etwa 70 Prozent des genutzten Süßwassers, teilt das Landwirtschaftsministerium mit. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird mit wachsender Weltbevölkerung der globale Bedarf an Agrarprodukten bis zum Jahr 2050 um bis zu 70 Prozent steigen. Entsprechend wird sich auch der Wasserbedarf erhöhen. Wasser wird damit zu einem immer knapperen Gut.

“Es ist löblich, dass sich auf Initiative von Minister Schmidt das Agrarministertreffen der G20 vor allem mit dem exorbitanten Wasserverbrauch der globalen Landwirtschaft befasst“, sagt Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. „Doch die Losung „more crop per drop“ (Mehr Ernte pro Tropfen) alleine kann nicht die Lösung sein: Wenige globale Konzerne drängen die Regierungen weltweit dazu, ihre strategischen Wasserpolitiken nach diesem Modell auszurichten und vor allem profitträchtigere Nutzpflanzen im industriellen Anbau zu priorisieren“, sagte Unmüßig.

„Das Menschenrecht auf Wasser ist nicht verhandelbar“

(Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung)

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte bereits zum Auftakt der deutschen G20-Präsidentschaft im Dezember die Strategie einer effizienteren Produktion verteidigt: „Die Landwirtschaft steht vor der Aufgabe, mehr Lebensmittel mit weniger Wasser zu produzieren. Dazu bedarf es intelligenter Lösungen, und die können wir nur gemeinsam in der Weltgemeinschaft erarbeiten. Mein Ziel ist es, mit den Agrarministern der 20 großen Wirtschaftsnationen und der Gastländer gangbare Wege zu erarbeiten.“

Unmüßig warnte unterdessen vor einer erneuten Privatisierung der Ressource Wasser oder der dazugehörigen Infrastruktur. Vielerorts sei durch derartige Entwicklungen „das Menschenrecht auf Wasser durch das Recht des Stärkeren ersetzt“ worden, so Unmüßig. „Die Bundesregierung muss deshalb auch im Rahmen der G20-Agrarpolitik bei aller Euphorie über die Chancen von Infrastrukturinvestitionen dafür Sorge tragen, dass Lösungen für die globale Wasserkrise sozial und ökologisch nachhaltig ausfallen – das Menschenrecht auf Wasser ist nicht verhandelbar.“

Die Gemeinschaft der G20 repräsentiert 60 Prozent der global bewirtschafteten landwirtschaftlichen Fläche sowie 80 Prozent des Handels mit Grundnahrungsmitteln. Folgerichtig haben die G20-Agrarminister bei ihrem Treffen am 3. Juni 2016 in China verabredet, sich künftig regelmäßig über die Fragen von Agrarpolitik und Ernährungssicherung auszutauschen.

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