Französisches Regierungsinstitut begrüßt Idee einer GAP zur Unterstützung der Arbeitsplätze der Landwirte

"Das grundlegende Zahlungssystem muss sich in Richtung Zahlungen entwickeln, die auf landwirtschaftliche Beschäftigung ausgerichtet sind, und nicht mehr auf die Anzahl der bewirtschafteten Hektar", erklärte Gilles de Margerie. [Shutterstock]

In einem am 23. Oktober in Paris vorgelegten Bericht schlug die staatliche Institution France Stratégie vor, die Beschäftigung im Agrarsektor und nicht die Menge der Anbauflächen zu fördern. Damit dies jedoch Realität wird, ist eine vollständige Überarbeitung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU erforderlich. EURACTIV Frankreich berichtet.

France Stratégie, das dem Büro des Premierministers angegliederte Experteninstitut, hat einen Bericht mit dem Titel „Die GAP zu einem Hebel für den agro-ökologischen Übergang machen“ veröffentlicht und seine Ergebnisse am Mittwoch, den 23. Oktober, in Paris vorgestellt.

Im Hinblick auf die Überarbeitung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU für den Zeitraum 2021-2027, ohne dass jedoch bisher wesentliche Änderungen vorgeschlagen wurden, stellte die Institution fest, dass das Stützungssystem für europäische Landwirte „außer Atem“ ist, und forderte eine stärkere Konzentration auf die Beschäftigungslage der Landwirte.

„Wir wollten darüber nachdenken, was eine ideale GAP sein könnte“, erklärten die Autoren des Berichts. Bei ihrer Gründung in den 1960er Jahren zielte die GAP darauf ab, die europäische Agrarproduktion zu steigern und die Ernährungsunabhängigkeit Europas zu sichern.

„Was die Umwelt betrifft, so ist das zukünftige GAP-Projekt regressiv“

In einem Interview mit EURACTIV France sprach der Franzose Eric Andrieu über die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und betonte das Fehlen umweltorientierter Bestimmungen.

Und das ist ihr größtenteils gelungen, aber angesichts der Umwelt- und Klimaherausforderungen kämpft die GAP derzeit darum, die richtigen Antworten zu finden.

Und es ging den Landwirten dadurch nicht besser, denn 25 Prozent der französischen Bauern leben unterhalb der Armutsgrenze.

„Seit den 90er Jahren werden Umwelt- und Klimafragen schrittweise in die GAP integriert“, erklärte Pierre Dupraz, Forschungsdirektor des französischen nationalen Instituts für Agrarforschung (INRA).

„Die Instrumente sind nicht angepasst“, fügte er hinzu.

EU-Abgeordnete: „Umweltschützerin" von der Leyen hat in ihrer Rede die Landwirtschaft vergessen

Ursula von der Leyens Ausrutscher in Sachen Landwirtschaft blieb von den Gesetzgebern nicht unbemerkt. Sie bedauerten, dass die gewählte Kommissionspräsidentin in ihrer ersten Rede vor dem Plenum am vergangenen Dienstag in Straßburg den Agrarsektor überhaupt nicht erwähnt hat.

Vom Hektar zur Beschäftigung

Um die Beihilfen auf die Ökologisierung der europäischen Landwirtschaft und die Erhaltung der Beschäftigung umzuleiten, schlug France Stratégie in seinem Bericht vor, die Agrarsubventionen auf Beschäftigungsbeihilfen zu stützen, anstatt die nach Hektar Anbaufläche aufgeteilten Mittel zu messen, was derzeit der Fall ist.

„Das grundlegende Zahlungssystem muss sich in Richtung Zahlungen entwickeln, die auf landwirtschaftliche Beschäftigung ausgerichtet sind, und nicht mehr auf die Anzahl der bewirtschafteten Hektar“, erklärte Gilles de Margerie, Generalkommissar von France Stratégie.

Basierend auf den 2018 gezahlten Beihilfen für Direktzahlungen (5,7 Milliarden Euro) und der Anzahl der Vollzeitäquivalente im Jahr 2016 (711.000) hätte sich der jährliche Scheck für einen hauptberuflichen Landarbeiter in diesem Jahr somit auf 8.000 Euro belaufen.

Die Rolle der Umwelt in der neuen GAP

Der Bedarf an Innovationen in der Landwirtschaft – gepaart mit effektivem Klima- und Umweltschutz – dürfte eine der größten Herausforderungen für die zukünftige EU-Politik sein.

Verursacherprinzip

Ein weiterer Vorschlag besteht darin, das Stützsystem der zweiten Säule in ein vereinfachtes Bonus- und Sanktionssystem umzuwandeln. Mit anderen Worten, die Landwirte könnten nach dem Prinzip der Kohlenstoffsteuer besteuert werden, wenn sie Düngemittel, Pestizide, Antibiotika und Treibhausgasemissionen verwenden.

Andererseits würden sie für ihre positiven Praktiken für die Umwelt belohnt: Dauergrünland, Diversifizierung der Kulturen oder die Einrichtung von Gebieten von ökologischem Interesse.

„Diese Instrumente werden es ermöglichen, den Wert der gemischten Tierhaltung und der agro-ökologischen Betriebe, aber auch der kleinen Betriebe zu steigern“, erklärte Julien Fosse, stellvertretender Direktor der Abteilung für nachhaltige und digitale Entwicklung von France Stratégie.

Anti-GAP Demo vor EU-Parlament geplant

Hunderte Farmer planen morgen eine Demonstration vor dem Europaparlament. Sie fordern, den vorliegenden Vorschlag zur neuen gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) grundlegen zu verändern und Flächenpremien für Landwirte abzubauen.

Trotz des Konsenses, der sich um die Neuausrichtung der GAP hin zur Förderung der Beschäftigung im Agrarsektor herum abzeichnet, ist es noch ein langer Weg.

„Heute ist man sich der Grenzen des derzeitigen Systems bewusst und die verschiedenen Akteure des Sektors sind bereit, die Debatte zu eröffnen“, so Gilles de Margerie.

In Brüssel sollte die Debatte über die zukünftige GAP nach dem Amtsantritt der neuen Europäischen Kommission am 1. Dezember wieder aufgenommen werden.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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