Französische Landwirt:innen befürworten Carbon Farming, weisen aber auf Übergangskosten hin

Landwirt aus dem Naturschutz: "Angesichts der Verschlechterung unseres Klimas stelle ich fest, dass der Ansatz, den ich vor 30 Jahren begonnen habe, heute seine Früchte trägt". [Shutterstock/Francesco Scatena]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Carbon Farming: Neuer Trend in Europa?

Mit der Strategie für eine kohlenstoffarme Landwirtschaft will die französische Regierung die Landwirtschaft durch den Ausbau der Kohlenstoffbindung in den Böden umweltfreundlicher machen. Frankreichs Landwirt:innen begrüßen die Strategie, fordern aber stärkere Beihlfen, um den Übergang finanziell tragfähig zu machen.

„Die Landwirtschaft kann durch die Abscheidung von Kohlenstoff in unseren Böden eine entscheidende Rolle für die Menschheit spielen“, erklärte der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie im Juni anlässlich der Vorstellung des nationalen Aktionsplans seines Ministeriums zur Anpassung an den Klimawandel.

Während die Ökologisierung der Landwirtschaft und die Verbesserung ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel im Mittelpunkt der Diskussionen über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik stehen, hat Frankreich in den letzten Jahren auch auf nationaler Ebene Schritte zur Förderung des Carbon Farming unternommen.

Ein 2019 von der Regierung eingeführtes Low Carbon Label ermöglicht die offizielle Zertifizierung von Projekten und Aktivitäten, die auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Bindung von CO2 abzielen.

Landwirt:innen haben die Möglichkeit, das Label durch verschiedene agronomische Techniken, wie Agrarökologie oder konservierende Bodenbearbeitung, zu erhalten.

Die mit dem Label ausgezeichneten Betriebe können dann finanzielle Unterstützung von Unternehmen oder lokalen Behörden erhalten, die ihre CO2-Emissionen durch so genannte „Kohlenstoffgutschriften“ ausgleichen wollen, wodurch das gesellschaftliche Engagement mit einem wirtschaftlichen Nutzen für die Landwirte verknüpft wird.

Im Rahmen von France Relance, dem französischen Konjunkturprogramm zur Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Krise, bietet das Landwirtschaftsministerium darüber hinaus Zuschüsse an, damit Landwirt:innen eine Kohlenstoffdiagnose auf ihrem Betrieb durchführen können.

Die mit 10 Millionen Euro ausgestattete Maßnahme, die im April eingeleitet wurde, finanziert 90 % der Kosten dieser Kohlenstoffdiagnosen für Landwirt:innen, die sich vor weniger als fünf Jahren niedergelassen haben, um ihnen einen auf sie zugeschnittenen Aktionsplan für die Dekarbonisierung ihrer Betriebe zu erstellen.

Der im Juni verabschiedete nationale Aktionsplan zur Anpassung an den Klimawandel schließlich zielt darauf ab, „die Weichen für unser Landwirtschafts- und Lebensmittelsystem zu stellen, um gemeinsam die Herausforderung unserer Klimazusagen und -verpflichtungen zu meistern“, so Julien Denormandie.

Eine der sechs Hauptachsen dieses Plans ist die „Entwicklung des Potenzials der Kohlenstoffbindung in landwirtschaftlichen Böden und in der Biomasse der Wälder und der Agroforstwirtschaft“, mit anderen Worten Carbon Farming.

„Der Landwirtschafts-, Forst- und Holzsektor ist von strategischer Bedeutung für das Klima, da er durch die Abscheidung von Kohlenstoff zur Eindämmung des Klimawandels beiträgt“, heißt es in dem Aktionsplan.

Konkret will das Ministerium Maßnahmen entwickeln, um die Bodendeckung und „agrarökologische Infrastrukturen“ wie Hecken zu erhöhen sowie die Entwicklung von kohlenstoffarmen Methoden durch das bereits erwähnte Label und die Kohlenstoffdiagnose zu unterstützen.

Schließlich kündigte das Ministerium an, im Rahmen einer noch in diesem Jahr durchzuführenden Studie zu prüfen, wie die Maßnahmen der Landwirt:innen zur Eindämmung des Klimawandels „direkt finanziell aufgewertet“ werden können.

Mechanismen zur Kompensation des Kohlenstoffausstoßes „könnten ein wichtiger zusätzlicher Hebel sein, um den Landwirtschaftssektor für die nationalen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels zu mobilisieren“, erklärte das Ministerium.

Stärkung des Bodenlebens: mittelfristiges Risiko für langfristigen Nutzen

„Wir brauchen ein positives Feedback für die Landwirt:innen“, sagte Henri Bies-Péré, Vizepräsident des wichtigsten französischen Bauernverbandes FNSEA, gegenüber EURACTIV.

„Wir sind für die Low Carbon-Strategie der Regierung und versuchen, sie in eine Chance für die Landwirt:innen zu verwandeln“, fügte er hinzu.

Angesichts des Klimawandels könnte Carbon Farming den Landwirt:innen ermöglichen, ihre Widerstandsfähigkeit wiederzuerlangen und eine „neue Einkommensquelle“ zu erschließen, so Bies-Péré.

Obwohl „wir uns bewusst sind, dass wir vorankommen müssen, denn nichts zu tun ist Selbstsabotage“, könnten die Landwirt:innen bei den Investitionen, die für die Einführung von Maßnahmen des Carbon Farming notwendig sind, „eine kleine Hilfe gebrauchen“.

Eine Umstellung sei für die Landwirte mit finanziellen Kosten und einem mittelfristigen Risiko verbunden, erklärte er. Er fügte hinzu: „Wenn wir etwas ändern, müssen wir mehrere Jahre warten, bis wir ein neues Gleichgewicht gefunden haben und eine positive Rückmeldung auf unsere Investitionen sehen“.

In dieser Zeitspanne seien finanzielle Hilfen – in Form von Ausgleichszahlungen für Umweltleistungen oder höheren Verbraucherpreisen – sowie ein starker politischer Rahmen notwendig, um die Landwirt:innen in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Ähnlich sieht es Hervé Mesnard, ein französischer Landwirt, der sich für den Naturschutz einsetzt und Professor für Agronomie an der Universität der Picardie Jules Verne ist.

„Wir müssen unseren Lebensunterhalt verdienen, das ist der Sinn des Spiels“, erklärte der Besitzer eines BAYER-Referenzbetriebs gegenüber EURACTIV. Dort testet und erforscht er verschiedene Lösungen, die der Agrochemie-Riese zum Schutz der Artenvielfalt und zur Optimierung der landwirtschaftlichen Praktiken anbietet.

Um ein landwirtschaftliches Produktionssystem auf umweltfreundlichere und nachhaltigere Praktiken umzustellen, „muss man mehrere Jahre lang mit Verlust investieren“, sagte er und betonte, dass er als Landwirt im Naturschutz „Risiken eingeht, um mit der Natur zu arbeiten, aber wenn die Natur nicht mit mir kooperiert, falle ich auf die Nase“.

Vor allem junge Landwirte, die sich heute niederlassen, brauchten Hilfe, um die Risiken und Investitionen der ersten Jahre zu tragen, so Mesnard.

Andererseits: „Ob ich eine finanzielle Vergütung erhalte oder nicht, ändert nichts an meiner persönlichen Vision: Was ich tue, ist eine langfristige Investition mit dem Ziel, eines Tages ein gesünderes und produktiveres Land weitergeben zu können“, erklärte er.

„Angesichts der Verschlechterung unseres Klimas stelle ich fest, dass der Ansatz, den ich vor 30 Jahren begonnen habe, heute seine Früchte trägt“, fuhr er fort.

„Ob Trockenheit oder übermäßige Regenfälle, das Bodenleben schützt uns. Ich betreibe Carbon Farming, um die Widerstandsfähigkeit und Fruchtbarkeit meines Bodens zu erhöhen, denn der einzige Weg, weniger unter dem Klimawandel zu leiden, ist die Entwicklung des Bodenlebens.“

[Bearbeitet von Alice Taylor]

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