Frankreich und Österreich fordern EU-Strategie für pflanzliche Proteine

In der Erklärung wird auch eine stärkere Betonung der Pflanzenzüchtung gefordert, um dazu beizutragen, "Eiweißpflanzen fit für die Zukunft zu machen", was laut der französischen Regierung Teil der "dritten landwirtschaftlichen Revolution" sein soll, um das Frankreich des Jahres 2030 zu schaffen.  [ruzanna/Shutterstock]

Die Landwirtschaftsminister:innen Frankreichs und Österreichs haben eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, um die Produktion von pflanzlichen Proteinen wie Sojabohnen, Hülsenfrüchten und Ölsaaten in der EU zu fördern und „die Selbstversorgung der EU“ zu stärken. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die COVID-19-Pandemie habe die „Widerstandsfähigkeit“ der europäischen Landwirtschaft gestärkt, die in der Lage gewesen sei, „ausreichende, sichere, erschwingliche und qualitativ hochwertige Lebensmittel“ bereitzustellen, heißt es in der Erklärung.

Das Potenzial der Landwirtschaft werde jedoch noch nicht voll ausgeschöpft, da die EU bei pflanzlichen Eiweißprodukten immer noch von Importen aus Drittländern abhängig sei, so der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie und seine österreichische Amtskollegin Elisabeth Köstinger.

Deren Aussage wurde am Montag (20. Dezember) in einer Pressemitteilung veröffentlicht, nachdem sie am vergangenen Freitag (17. Dezember) eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet hatten.

In ihrer Erklärung erinnern die beiden Minister an das „große Potenzial“ der pflanzlichen Proteinproduktion und das „hohe Niveau“ der pflanzlichen Produktionstechniken und -standards in der EU, insbesondere im Vergleich zu Drittstaaten.

Die Förderung der Eiweißproduktion in Europa werde es der EU ermöglichen, sich den Herausforderungen in den Bereichen Umwelt und Klima zu stellen, fügten sie hinzu.

Eine solche Verpflichtung stünde im Einklang mit dem Fit-for-55-Paket der EU, in dessen Rahmen die Europäische Kommission eine Emissionsreduzierung von 55 Prozent bis 2030 anstrebt. Sie wäre ebenfalls mit der „Farm to Fork“-Strategie der EU vereinbar, die darauf abzielt, die Lebensmittelproduktion in der EU gesünder und nachhaltiger zu machen.

In der gemeinsamen Erklärung fordern Frankreich und Österreich die Europäische Kommission außerdem auf, eine europäische Strategie zu entwickeln, die auf dem Bericht der Exekutive von 2018 über die Entwicklung von Pflanzenproteinen in der EU aufbaut.

Laut den Minister:innen werde dies eine Erhöhung der einheimischen Produktion umfassen, um die EU-Standards zu erfüllen und gleichzeitig die Transportwege durch die verschiedenen lebensmittelverarbeitende Btriebe sowie lokale und regionale Lieferketten zu verkürzen.

Die Erklärung fordert auch eine stärkere Berücksichtigung der Pflanzenzüchtung, um dazu beizutragen, Eiweißpflanzen fit für die Zukunft zu machen“ – etwas, das laut der französischen Regierung Teil der dritten landwirtschaftlichen Revolution“ sein soll, um das Frankreich des Jahres 2030 zu schaffen.

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Forschung und Innovation

Frankreich und Österreich unterstrichen auch die Bedeutung der Förderung von Forschung und Innovation, „insbesondere durch transnationale Forschungsprogramme“ zu Pflanzenproteinen, vor allem im Rahmen von Horizon Europe, dem wichtigsten EU-Programm zur Förderung von Forschung und Innovation, mit einem Budget von 95,5 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021-2027.

Die beiden Unterzeichner erklärten außerdem, dass „solche Verpflichtungen wesentlich zum Aufbau der strategischen Autonomie Europas in einer offenen Wirtschaft beitragen werden“.

Mit ihrer gemeinsamen Erklärung wollen Frankreich und Österreich eine engere Zusammenarbeit zwischen den EU-Ländern fördern, um eine „bessere wirtschaftliche Strukturierung“ des Pflanzenproteinsektors auf europäischer Ebene zu ermöglichen.

Die Verlagerung der Produktion von Pflanzenproteinen in Europa sei „von größter Bedeutung“, so der französische Landwirtschaftsminister, der auch die „ökologischen Vorteile dieser Kulturen“ und ihre Rolle für die Ernährungssouveränität betonte.

Denormandie sprach auch von dem „Unsinn, sich auf die Einfuhr von Produkten zu verlassen, die für die Abholzung von Wäldern verantwortlich sind“ – ein Thema, zu dessen Bekämpfung sich das Land verpflichtet hat, sobald es ab dem 1. Januar die rotierende sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

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[Bearbeitet von Alice Taylor]

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