Frankreich streicht ab 2018 Subventionen für die boomende Bio-Landwirtschaft

Ab 2018 zahlt die französische Regierung keine Subventionen für Bio-Landwirtschaft mehr. [Smoobs/Flickr]

This article is part of our special report Wie kann die GAP der Zukunft ihren Umwelteinfluss messen?.

Dieser Artikel ist Teil unseres Special Reports Wie kann die GAP der Zukunft ihren Umwelteinfluss messen?

Trotz anhaltenden Wachstums will die französische Regierung die Subventionierung der Bio-Landwirtschaft ab 2018 beenden. Darunter könnte die ökologische Landwirtschaft leiden, wie ähnliche Beispiele aus den Niederlanden und Großbritannien zeigen. Ein Bericht von EURACTIV France.

Die Bio-Landwirtschaft ist kein Nischenmarkt mehr. In Frankreich steht sie inzwischen für 7,3 Prozent der genutzten Ackerfläche und 10,8 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft – Tendenz in beiden Bereichen steigend. Laut einer Studie von Agence Bio, der französischen Agentur für Bio-Landwirtschaft, erhöhte sich im ersten Vierteljahr 2017 die Zahl der Bauern, die auf Bio umgestiegen sind, um 9,2 Prozent.

Das Wachstum der Branche spiegelt sich auch in der starken Nachfrage der französischen Verbraucher wider. „Heute ist die Nachfrage nach ökologischen Produkten sehr viel größer als noch vor Kurzem,“ stellt Jean-Michel Borja, Winzer aus der Region Drôme, fest.

Die neuesten Zahlen von Agence Bio zeigen darüber hinaus, dass 58 Prozent der Franzosen die Bio-Landwirtschaft als Lösung für eine Vielzahl umweltbezogener Probleme ansehen und finden, der Sektor solle weiterentwickelt werden. In Frankreich war der Bio-Markt im Jahr 2016 rund 7 Milliarden Euro wert – ein Anstieg um sieben Prozent gegenüber 2015.

Und damit ist das Land kein Einzelfall in Europa: Zwischen 2010 und 2015 vergrößerte sich die ökologisch genutzte Landwirtschaftsfläche in den EU-Mitgliedstaaten um 21 Prozent auf insgesamt 11,1 Millionen Hektar, zeigen Daten von Eurostat.

Trotzdem herrscht Unsicherheit

Trotz dieser Erfolge sei der Bio-Landwirtschaftssektor immer noch unsicher, warnen Experten. „Die Nachfrage für Bio-Produkte ist groß – da müssen sich die Bauern keine Sorgen machen. Das Problem ist aber die technische Seite der Bio-Landwirtschaft,“ erklärt Rémy Fabre, Vizepräsident des Landwirtschaftsverbands im Département Ardèche.

So sei beispielsweise die geforderte Reduzierung im Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine echte Herausforderung für die meisten Bauern. „Eine Reduzierung um 10-20 Prozent ist für die meisten Landwirte machbar. Aber wenn die Auflagen noch schärfer werden, brauchen sie zusätzliche Unterstützung und Trainings,“ glaubt auch Philippe Mauguin, Geschäftsführer des französischen Instituts für Agrarwissenschaften (INRA).

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Staatliche Subventionen

Landwirte, die auf Bio umsteigen, erhalten Unterstützung über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU, aber in Frankreich werden die Bauern wohl in Zukunft auf zusätzliche Subventionen des Staats für nachhaltigen Anbau verzichten müssen. Bereits ab 2018 sollen diese Subventionen nicht mehr gezahlt werden. Stattdessen will die französische Regierung Änderungen in der Landnutzung forcieren.

In einer Rede während der Messe Tech&Bio in Bourg-lès-Valence machte Landwirtschaftsminister Stéphane Travert deutlich: „Es liegt jetzt am Markt, die Bio-Landwirtschaft weiter voranzubringen. Die Nachfrage ist da.“ MEP Eric Andrieu, Sprecher der S&D-Fraktion für Landwirtschaftsfragen, bestätigt: „Wenn wir uns entscheiden müssen, wollen wir lieber die Landnutzungs-Änderung unterstützen.“ Allerdings gibt er zu bedenken: „Diese Entscheidung kommt aber möglicherweise etwas zu früh.“

Zukunft der GAP

Bei zukünftigen EU-Reformen der GAP sollte die Bio-Landwirtschaft aber im Fokus stehen, fordert Andrieu: „Ökologische Landwirtschaft sollte der Haupt-Nutznießer der zukünftigen GAP sein. Leider sind wir noch weit entfernt von einer solchen Revolution in der Landwirtschaft.“

Florent Guhl, Chef der französischen Bio-Agentur weist darauf hin, dass innerhalb der EU in den vergangenen Jahren in nur zwei Ländern der Bio-Markt geschrumpft sei: In den Niederlanden und in Großbritannien. Auf der Insel sei die ökologisch bewirtschaftete Fläche zwischen 2010 und 2015 um ungefähr 29 Prozent – oder fast eine halbe Million Hektar pro Jahr – zurückgegangen.

Guhl erinnert: „Das sind auch die beiden Länder, die staatliche Subventionen für den Bio-Sektor gestrichen haben, weil sie der Meinung waren, er könne auf eigenen Füßen stehen.“ Er schlussfolgert aus den britischen und niederländischen Erfahrungen: „Wir dürfen die Unterstützung nicht sofort einstellen, wenn das Wachstum in einem Sektor gerade zum ersten Mal von der Nachfrage getragen wird.“

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Die Europaweite Organisation für Bio-Landwirtschaft (IFOAM) kritisiert, mit dem Entzug von Subventionen verkenne die französische Regierung die Vorteile, die die Bio-Landwirtschaft für die Umwelt hat, und die vom Markt nicht ausreichend belohnt werden. Es sei „enttäuschend, dass die Regierung der ökologischen Landwirtschaft gerade dann den Rücken kehrt, wenn immer mehr Verbraucher und Landwirtschaftsexperten für einen verstärkten Wechsel hin zur grünen Landwirtschaft plädieren,” so Eric Gall, EU Policy Manager bei IFOAM.

Seine Organisation rufe daher vor allem die französischen Regionen auf, ihre Bio-Landwirte weiterhin zu unterstützen. „Diese Bauern tragen außerdem zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Entwicklung ländlicher Gebiete und zur Bewahrung natürlicher Ressourcen bei,“ erinnert Gall.