Frankreich: Roboter als Pestizidersatz?

Oz, der kleine elektrische Roboter, der in den letzten Jahren von Naïo Technologie entwickelt wurde, kann sich dank seines eingebauten GPS-Lenksystems durch die Gemüsereihen schlängeln. Mit Hilfe einer Kamera und eines Lasers lokalisiert Oz seinen Weg zwischen Salaten und Tomatenpflanzen, um möglichen Hindernissen auszuweichen.

This article is part of our special report Wie revolutioniert die Technologie den Agrarsektor?.

Da die Landwirte dazu angehalten sind, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, sehen sie sich oftmals gezwungen, wieder klassisches „Unkrautjäten per Hand“ zu betreiben – eine mühsame Aufgabe, für die nur schwer Arbeitskräfte zu finden sind. Möglicherweise könnten sogenannte „Roboter-Jäter“ eine Lösung für dieses Problem bieten? EURACTIV Frankreich berichtet.

Vor der Einführung von Unkrautvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft war die Unkrautbekämpfung eine riesige, von Hand zu erledigende Aufgabe. Da die Reduzierung des Pestizideinsatzes nun zu einer politischen Priorität geworden ist und sich die Bio-Landwirtschaft auf breiter Front weiterentwickelt hat, liegt auch die Frage der perfekten Unkrautbekämpfung wieder auf dem Tisch.

Neben der körperlichen Anstrengung ist die Unkrautbekämpfung per Hand auch sehr arbeitsintensiv: „Etwa ein Drittel der Arbeitszeit eines Gemüseanbauers wird für das Jäten von Unkraut aufgewendet. Und es ist sehr schwierig, dafür Arbeitskräfte zu finden,“ erklärt Maët Le Lan, der eine Versuchsstation für Gemüseanbau in der Südbretagne leitet und sich seit mehreren Jahren für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft einsetzt.

Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass derartige Unkrautbekämpfung im Gemüseanbau von Arbeitnehmenden durchgeführt wird, die später meist an Muskel- und Skeletterkrankungen leiden.

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Bessere Bedingungen

Es ist eine Feststellung, die die Firma Naïo Technologie dazu bewogen hat, einen Unkrautroboter zu entwickeln. „Die Grundidee basiert auf Gesprächen, die wir mit Landwirten führten. Diese hatten aufgrund der mühsamen Unkrautbekämpfung große Schwierigkeiten, Arbeitskräfte zu finden,“ berichtet Gaëtan Séverac, Roboteringenieur und Mitbegründer der Firma.

Der kleine elektrische Roboter namens Oz, der von Naïo Technologie in den vergangenen Jahren entwickelt wurde, kann sich dank seines eingebauten GPS-Lenksystems gezielt durch die Gemüsereihen schlängeln. Mit Hilfe einer Kamera und eines Lasers lokalisiert Oz seinen Weg zwischen Salaten und Tomatenpflanzen und weicht so möglichen Hindernissen aus. „Die Kamera und der Laser werden auch benutzt, um zwischen einem Unkraut und einem Salat zu unterscheiden. Oz soll ja schließlich die richtige Pflanze beseitigen,“ erläutert Séverac.

Etwa hundert Gemüseanbauer haben sich bereits mit einem Oz-Roboter ausgerüstet, vor allem in Frankreich, aber auch in Ländern wie Belgien und den Niederlanden. „Seit mehr als 30 Jahren werden Forschungsprojekte im Bereich der Robotik und der Unkrautbekämpfung oder der Ernte durchgeführt. Aber bisher sind sie vor allem durch Kosten und Mängel in der Technologie an ihre Grenzen gestoßen“, so der Ingenieur. Die technologischen Fortschritte hätten nun aber eine ganze Reihe von neuen Möglichkeiten eröffnet.

Vielversprechende Lösung (?)

Die Lösung mag auf dem Papier zwar vielversprechend aussehen, doch derzeit stehen Oz noch mehrere Hindernisse im Wege. Zunächst ist die Technologie noch nicht vollständig entwickelt: „Der Roboter macht Fehler beim Jäten. Wenn ein Unkraut zu hoch ist, geht er manchmal um dieses herum und beschädigt stattdessen die Gemüsepflanzen,“ räumt Maët Le Lan, der seit fünf Jahren an der Versuchsstation mit dem Roboter experimentiert, ein.

Die Hersteller wollen nun versuchen, weitere Aktualisierungen des Roboters zu testen, um die Landwirte bei ihren potenziellen Investitionen beraten zu können. Das ist angesichts der Kosten des Roboters von 25.000 Euro wohl auch bitter nötig. „Wir müssen in der Lage sein, den Anbauern zu sagen, ob es sich lohnt zu investieren oder nicht,“ sagt auch Séverac.

Dementsprechend variiere die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Roboters heute je nach Betrieb oder dem Wunsch der Landwirte nach mehr Technologie.

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Neben den hohen Kosten und den Verbesserungen, die an Oz noch vorgenommen werden müssen, wird die Programmierung des Roboters auch durch die große Vielfalt der Pflanzen erschwert. Für die Technologie scheint es noch herausfordernd zu sein, die diversen Kohl-, Rüben-, Salat-, Karotten- und Pastinakenarten korrekt zu erkennen. Hinzu kommt: Jedes Pflanze wird mit einem anderen Abstand gepflanzt; und möglicherweise haben die Landwirte sogar ihre eigenen, von der Norm abweichenden Anbaustrategien. Dies sind alles Informationen, die für Oz‘ Route durch das Gemüsebeet einprogrammiert werden müssen.

Der Weg könnte daher noch weit sein. Séverac bestätigt: „Keine Frage, heutzutage sind wir teurer als chemische Unkrautvernichtungsmittel. Landwirte, die sich für den Einsatz von Unkrautvernichtungsrobotern entscheiden, sind wirklich sehr daran interessiert, den Einsatz von Chemikalien zu reduzieren.“

Mit Robotern gegen Unkraut

Dennoch: Neben dem Gemüse-Roboter Oz und seinem Weinpflege-Kollegen Ted von Naïo Technologie, sind auch Unkrautjäter-Roboter oder andere Unterstützungsgeräte diverser Firmen in Entwicklung.

Touti Terre, ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in der Haute-Savoie, hat den Roboter Toutilo entwickelt, der es GärtnerInnen ermöglicht, von Hand zu jäten, jedoch in einer weitaus ergonomischeren Position.

Der Roboter zirkuliert zwischen den Gemüsereihen, und der darauf sitzende Gärtner kann so die sich wiederholenden „Bück-Bewegungen“ vermeiden. Dadurch soll nicht nur die Arbeitszeit für das Unkrautjäten um etwa 20 Prozent reduziert, sondern auch die Arbeit weniger ermüdend und schädigend für den Körper werden.

Schließlich bieten andere Maschinen den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln in „ultrapräziser“ Form: Dies ist der Fall des Ecorobotix-Roboters, der eher auf große Getreidekulturen ausgerichtet ist und es ermöglicht, eine Mikrodosis Unkrautvernichtungsmittel genau auf die Stelle zu sprühen, an der sich Unkraut befindet. Der Pestizideinsatz wird somit minimiert.

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