Frankreich muss seine Wälder besser managen

Ein abgebrannter Wald in der Nähe von Bormes les Mimosas, Südfrankreich, am 27. Juli 2017. [GUILLAUME HORCAJUELO/EPA]

This article is part of our special report Europas Wälder und Strategien gegen den Klimawandel.

Eine Optimierung des Bioenergiesektors ist für Frankreich der Schlüssel, um im Jahr 2050 CO2-neutral zu sein. Allerdings werden rund 60 Prozent der Wälder im Land nicht bewirtschaftet. Ein Bericht von EURACTIV.fr.

Tausende Eichen, Birken, Buchen und andere Baumarten helfen Frankreich tagtäglich: Sie absorbieren zwischen 12 und 14 Prozent der CO2-Emissionen des Landes und werden so zu überaus wertvollen „Kohlenstoffsenken“.

Da für viele Bauern die Landwirtschaft zunehmend unprofitabel wird, breiten sich in Frankreich die Wälder aus – und verstärken somit ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel . Inzwischen ist Frankreich nach Deutschland und Schweden das EU-Land mit den drittgrößten Waldflächen. Die vorhandenen Bestände sind nun wieder auf dem Niveau des vorindustriellen 18. Jahrhunderts.

Doch die Situation ist nicht so rosig, wie auf den ersten Blick erscheinen mag: Die französischen Wälder sind nicht nur alt und sehr fragmentiert, sie werden aufgrund ihrer Dichte auch mehr schlecht als recht bewirtschaftet und genutzt.

Holz aus deutschen Wäldern als klimaneutraler Brennstoff?

Die Bundesrepublik ist das wald- und holzreichste Land in der EU. Geht es nach den Plänen der EU-Kommission, sollen deutsche Wälder zukünftig viel stärker als Energieträger genutzt werden.

Mehr als die Hälfte der Waldflächen wird vernachlässigt

„Die besser gemanagten Waldflächen sind die in Staatsbesitz. Diese Wälder waren einst die Jagdgebiete der französischen Könige. Leider machen sie nur zehn Prozent aller Wälder in Frankreich aus,“ erklärt Jean-Francois Dhôte, Wissenschaftler am INRA, der staatlichen Agentur für Landwirtschaftsforschung.

Lediglich 30 bis 40 Prozent der Wälder würden genutzt, so Dhôte. Privatwälder, die einen Großteil der Waldflächen ausmachen, werden unzureichend bewirtschaftet – wenn überhaupt.

Im Gegensatz zur romantischen Vorstellung eines Urwalds, der sich selbst reguliert, warnen Forstexperten, dass rund 60 Prozent der Bäume vernachlässigt werden. Gefahren wie Pilzbefall, invasive Insekten, Stürme, Waldbrände oder andere Faktoren könnten die eigentlich unersetzlichen Kohlenstoffsenken in nur wenigen Jahren zerstören.

Sollte dies geschehen, was dazu führen würde dass die Wälder weniger CO2 absorbieren, wäre Frankreichs Ziel, bis 2050 CO2-neutral zu sein, schlichtweg unerreichbar. Aus umweltpolitischer und forstwirtschaftlicher Sicht ist eine Optimierung der Absorptionskapazitäten der Wälder daher eine absolute Priorität.

Paradoxerweise wird durch diese Umweltbedenken nun endlich wieder die jahrelang vernachlässigte Nutzung und Ausbeutung der Wälder diskutiert. So hat der Forstsektor seit 2016 von massiver Unterstützung und neuen Regularien profitiert. Derzeit arbeitet das zuständige Umweltministerium an einer größer angelegten und ambitionierteren Strategie, die eine bessere Nutzung der Baumbestände ermöglichen soll.

Jeder dritte Baum wird zu Feuerholz

„Es gibt wirklich absolut keinen Grund, warum man Holz nach Frankreich importieren sollte,” unterstreicht Cyril Brulez, Klimaforscher am Institute for Climate Economics (I4CE), einem Think-Tank mit Sitz in Paris.

Ebenso wie andere Forstexperten weist Brulez darauf hin, dass die Nutzung von Holz nur erlaubt sein dürfe, wenn sie nach Kriterien der nachhaltigen Forstwirtschaft wie beispielsweise den Regelungen der Helsinki-Konferenz von 1993 geschehe. Demnach dürfen Bäume nur gefällt werden, wenn gleichzeitig aufgeforstet wird und die CO2-Balance der Wälder so mindestens konstant gehalten wird.

„Wir müssen einen strukturierteren Ansatz für die Holznutzung haben: Wir müssen die passende Verwendung für jede Baumart finden. Hochqualitatives Holz, das beispielsweise im Bausektor verwendet werden könnte, darf nicht als Brennstoff verfeuert werden. Dafür sollten nur kleinere Äste herhalten,” fordert Brulez, der aktuell an Strategien zur Verbesserung der Kohlenstoffbilanz im Forstsektor arbeitet.

Die Gesamt-Kohlenstoffbilanz der Wälder könne optimiert werden, wenn die Leistung von Holz-Brennstoffen verbessert werde, beispielsweise durch neuartige Verbrennungsanlagen. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass nur angemessene Holzarten und vor allem nur trockenes Holz verbrannt werde.

Frankreichs Klimapolitik endet dort, wo der Wald beginnt

Die am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder warten immer noch auf die finanzielle Unterstützung, die ihnen im Jahr 2015 in Paris zugesagt wurden.

CO2 als Anreiz

Aktuell werden Versuche durchgeführt, mit denen herausgefunden werden soll, welche Einschlags-Strategien am besten geeignet sind, um die Wälder zu verändern und ihre CO2-Speicherkapazitäten zu optimieren.

Als unvorteilhaft werden dabei die Dickichte gesehen, denen die meisten Wälder Frankreichs momentan gleichen: In ihnen dringt nur wenig Sonnenlicht durch die obersten Blätter, sodass das Wachstum der Bäume verlangsamt wird. Stattdessen können weniger Bäume und größere Abstände zwischen ihnen dafür sorgen, dass die Pflanzen schneller wachsen, größer werden und somit forstwirtschaftlich besser genutzt werden können.

Unter NGOs macht sich allerdings Angst breit, mit solchen optimierten und gewinnsteigernden Maßnahmen werde der Spekulation mit Waldgebieten Tür und Tor geöffnet. Anne-Laure Sablé von der katholischen Organisation CCFD warnt außerdem: „Wir müssen aufpassen, dass wir damit andere verschmutzende Praktiken nicht legitimieren oder den Ausstoß anderer klimaschädlicher Gase unterstützen.“ Sie verweist dabei auch auf den Ausstoß von Methan und Stickstoffoxid in der Landwirtschaft – Gase, die im Gegensatz zu CO2 nicht von Bäumen absorbiert werden.

Von Brennholz und Wolkenkraztern

In Frankreich ist die Diskussion über den Sinn, Holz als Brennstoff zu verwenden, aktuell nicht so ausgeprägt wie in anderen Ländern. Einige Umwelt-NGOs und Klimaforscher wenden sich jedoch klar gegen die Verwendung von Holz als Brennstoff. Durch das Verbrennen werde sofort eine große Menge CO2 freigesetzt, die vorher über Jahrzehnte hinweg absorbiert wurde.

Selbst, wenn für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt würde, würde es Jahrzehnte dauern, bis das freigesetzte CO2 wieder durch den neuen Baum gespeichert wäre. Dies sei ein Luxus, den sich die Menschheit nicht leisten kann, wenn sie das Zwei-Grad-Klimaziel des Pariser Abkommens einhalten will, so die Argumentation.

Die Organisation FERN nennt das Verbrennen von Holz „absurd“, die Umwelt-NGO WWF spricht von der „neuen Kohle“.

Ihre Befürchtungen scheinen zumindest im Bausektor nicht geteilt zu werden: In Frankreich wird seit neuestem massiv auf kohlenstoffarmes Bauen gesetzt. So wird vermehrt Holz als Baumaterial eingesetzt, sogar in Wolkenkratzern. Dies wird in der Industrie als einmalige Gelegenheit gesehen, die CO2-Emissionen des Sektors zu senken. Aktuell werden mehr als ein Dutzend solcher Gebäude in Frankreich gebaut.

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