Frankreich: Agrardrohnen heben allmählich ab

drone [Shutterstock]

This article is part of our special report Wie revolutioniert die Technologie den Agrarsektor?.

Frankreich experimentiert mit Drohnen als Mittel zum Sprühen von Pestiziden. Ab 2021 soll diese Praxis in großem Stil eingeführt werden, da sie zu präziseren Behandlungen sowie zu einer Verringerung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln führen dürfte. EURACTIV Frankreich berichtet.

In den vergangenen Jahren hat der Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft zugenommen, zumal diese auch steile Parzellen erreichen können und phytosanitäre Behandlungen möglichst nahe am Ort des Bedarfs sprühen können.

Aber können diese unbemannten Luftfahrzeuge (UAVs) den Sektor revolutionieren?

„Mit den landwirtschaftlichen Drohnen optimieren wir das Sprühen und können so der Menge der eingesetzten Produkte mehr Aufmerksamkeit schenken,“ erklärt Mikaël Montagner vom Drohnenhersteller Drone Volt.

Mit den jüngsten Verkaufszahlen für 2018, die einen alarmierenden Anstieg des Pestizideinsatzes um 21 Prozent zeigen, bleibt der französische Agrarsektor in hohem Maße von derartigen Mitteln abhängig – obwohl Frankreichs sogenannter „Ecophyto“-Pestizidreduzierungsplan darauf abzielt, den Einsatz derartiger Chemikalien seit 2008 zu halbieren.

Mit anderen Worten: Frankreich steht vor einer beispiellosen Herausforderung, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.

Zwar können Sprühdrohnen Teil der Palette neuer Technologien zur Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln sein, doch ihre Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen.

Das hat gute Gründe: Bis die Franzosen im Oktober 2019 beschlossen, ein Experiment mit Sprühdrohnen zu starten, war diese Praxis verboten, da das „Sprühen aus der Luft“ als sehr umweltschädlich angesehen wurde. Bis Oktober 2021 soll das Experiment es nun jedoch ermöglichen, die potenziellen Vorteile des Einsatzes von Sprühdrohnen zu ermitteln.

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Vorerst können jedoch nur Betriebe mit landwirtschaftlichen Flächen „mit einer Neigung von mindestens 30 Prozent“ an dem Experiment teilnehmen. Außerdem dürfen UAVs nur biologisch zertifizierte Pflanzenschutzprodukte sprühen oder können auf Parzellen mit der sogenannten „High Environmental Value“-Zertifizierung eingesetzt werden.

Diese Landwirtschaftsdrohnen ermöglichen den Landwirten daher den Zugang zu Gebieten, die mit traditionellen landwirtschaftlichen Geräten schwer zu erreichen sind, sowie die Feinabstimmung der Menge an verwendeten Produkten. Diese werden auf die zu behandelnden Teile der Anbaufläche ausgerichtet.

„Der Einsatz von landwirtschaftlichen Drohnen ist für Grundstücke mit hoher Wertschöpfung, auch im Weinbau oder bei besonderen Hanglagen, wie im Elsass, von besonderem Interesse“, erklärt Mikaël Montagner.

Neben den Kosten für die Drohne, die sich auf etwa 30.000 Euro belaufen können, gibt es ein weiteres Problem: Der Sprühvorgang muss von einem erfahrenen Piloten durchgeführt werden. Auch die Witterungsbedingungen können den Einsatz der Sprühdrohne beeinflussen. Die tatsächliche Nutzung von landwirtschaftlichen Drohnen erfordert daher diverse zusätzliche Ressourcen.

Während der Einsatz von Drohnen zum Sprühen von Pestiziden noch in den Kinderschuhen steckt, können diese UAVs auch für andere Zwecke eingesetzt werden.

Das sogenannte „Plot-Mapping“ startete beispielsweise bereits 2016, nachdem Drohnen 2012 für den zivilen Einsatz zugelassen wurden. UAVs werden dabei eingesetzt, um stickstoffarme Gebiete zu identifizieren, in denen die Pflanzen nur schwer wachsen. Die Drohnen können die notwendigen Stickstoffdosierungen möglichst genau berechnen.

Bei großflächigen Getreidekulturen kann die „Parzellenkartierung“ die Rentabilität eines Betriebs verbessern, indem das richtige Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Ort angewendet wird – eine Aufgabe, die sich oftmals als große Herausforderung für Getreidebauern erweist, die teilweise Hunderte von Hektar Getreide im Auge behalten müssen.

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Eine weitere Perspektive für die landwirtschaftliche Drohne ist die Überwachung von Herden in Viehzuchtbetrieben, die sich manchmal über viele Hektar Ackerland erstrecken.

„Drohnen, die mit einer Wärme- oder Fotokamera ausgestattet sind, können die Überwachung und Zählung von Tieren erleichtern“, glaubt auch Montagner.

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