„Farm-to-Fork“-Strategie: EU will Pestizideinsatz und -risiko halbieren

Bei der F2F-Strategie handelt es sich um „ehrgeizige Ziele, um die Pestizide bis 2030 deutlich zu reduzieren.“ [SHUTTERSTOCK]

Die lang erwartete „Farm to Fork“-Strategie der EU, die am Mittwoch, dem 20. Mai, veröffentlicht wurde, sieht eine Halbierung des Pestizideinsatzes und -risikos bis 2030 vor.

Nach Monaten der Spekulation gab die Kommission ihre „Farm-to-Fork“ (F2F) Strategie bekannt. Die EU-Exekutive wird Maßnahmen ergreifen, um den allgemeinen Einsatz und das Risiko aller chemischen Pestizide und Hochrisikopestizide bis 2030 um jeweils 50 Prozent zu reduzieren.

Die Strategie verspricht, die Richtlinie zur nachhaltigen Nutzung von Pestiziden zu überarbeiten, die Bestimmungen zum integrierten Schädlingsmanagement zu verbessern und den verstärkten Einsatz sicherer alternativer Methoden zum Schutz der Ernten vor Schädlingen und Krankheiten zu fördern.

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Dabei handelt es sich um „ehrgeizige Ziele, um die Pestizide bis 2030 deutlich zu reduzieren.“ Die Strategie soll dabei helfen „den Einsatz und die Risiken für die Menschen, einschließlich unserer Landwirte, und die Umwelt verringern“, sagte die EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides.

Die Strategie besagt, dass landwirtschaftliche Praktiken, die den Einsatz von Pestiziden durch die GAP reduzieren, von „überragender Bedeutung“ sein werden. Dabei sollen die strategischen Pläne der Mitgliedsstaaten diesen Übergang widerspiegeln und den Zugang zu Informationen fördern.

Hinsichtlich der Angemessenheit der Art und Weise ist es fraglich, wie diese verbindlichen Ziele formuliert wurden.

Im Januar dieses Jahres veröffentlichte der Europäische Rechnungshof einen Bericht, in dem er zu dem Schluss kam, dass die Kommission aufgrund des Mangels an rigorosen und geeigneten Daten weder die Auswirkungen noch die Risiken von Pestiziden angemessen erfassen könne. Es wurde darauf hingewiesen, dass die umstrittenen Risikoindikatoren, auf denen die Bewertungen basieren, ungeeignet sind.

Kontroverse Debatte: Wie misst man die Pestizid-Reduzierung in der Landwirtschaft?

Der jüngste Entwurf der „Farm to Fork“-Strategie sieht vor, dass verbindliche Ziele für die Reduzierung des Einsatzes und des Risikos von Pestiziden festgelegt werden. Dafür soll aber der umstrittene „Harmonisierte Risikoindikator 1“ verwendet werden.

„Wir sind uns alle bewusst, dass wir die Daten und das Wissen über das Ausmaß des Pestizideinsatzes in der EU verbessern müssen,“ räumte Kyriakides ein. 

Aus diesem Grund werde die Kommission „Änderungen der Gesetzgebung von 2009 zur Statistik über Pestizide vorschlagen, um die Datenlücken zu schließen“, und die Mitgliedsstaaten zur Zusammenarbeit auffordern, betonte Kyriakides. Dabei wird besonders Wert darauf gelegt, dass der Prozess auf nationaler Ebene so transparent wie möglich ist.

Martin Dermine, umweltpolitischer Referent beim Pesticide Action Network Europe, begrüßte die Vorschläge. Die Tatsache, dass „die EU-Kommission als Ganzes die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform der Landwirtschaft anerkennt, ist an sich schon eine Revolution,“ so Dermine.

„Synthetische Pestizide tragen wesentlich zum Rückgang der biologischen Vielfalt bei. Diesem Umdenken der europäischen Exekutive müssen nun Maßnahmen mit strikter Durchsetzung folgen“, sagte er. Die Halbierung des Pestizideinsatzes sei ein „progressives Ziel“, benötige jedoch mehr Ehrgeiz, um die biologische Vielfalt wiederherzustellen, forderte Dermine.

"Farm-to-Fork"-Entwurf: Mit Blick auf Emissionen aus der Tierhaltung und das Tierwohl

Der jüngste Entwurf der „Farm to Fork“-Strategie (F2F), den EURACTIV einsehen konnte, enthält einige bemerkenswerte Änderungen gegenüber der vorherigen Version, darunter auch die Hervorhebung der möglichen Rolle der Tierhaltung bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Optionen für ein Tierwohllabel.

Géraldine Kutas, Generaldirektorin der Europäischen Pflanzenschutzbehörde, sagte gegenüber EURACTIV, dass sie „realistische Ziele begrüßen würde, die die Ergebnisse einer Folgenabschätzung widerspiegeln“.

„Eine Reduktionsrate von 50 Prozent bis 2030 ist nicht realistisch und wird nicht den gewünschten Effekt eines nachhaltigeren Modells der Lebensmittelproduktion in Europa haben“, erklärte sie.

„Lassen Sie mich eines klarstellen – wir sind nicht gegen Ziele. Die heute vorgestellten Ziele sollten die Landwirtschaft auf einen Weg der Transformation bringen, in Zusammenarbeit mit allen an der Erzeugung unserer Lebensmittel beteiligten Parteien.”

Kutas fügte hinzu, dass die Industrie kontinuierlich in neue Technologien investiert, sei es in Biopestizide oder in ein immer grüneres Profil von Pestiziden, das es den Landwirten ermöglicht, besser zu produzieren und gleichzeitig weniger natürliche Ressourcen zu verbrauchen.

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Als Teil ihrer Strategie zur Unterstützung von Alternativen zu Pestiziden kündigte die Kommission an, die Markteinführung von Pflanzenschutzmitteln, die biologische Wirkstoffe enthalten, zu erleichtern. Sie werde „handeln, um Verzögerungen im Zulassungsverfahren zu begrenzen“.

Diese Nachricht wurde von Jennifer Lewis, der Geschäftsführerin der Biocontrol Manufacturers Association, die den Biologika-Sektor vertritt, sehr positiv aufgenommen. Sie betonte, dass die Biologie „in den Mittelpunkt der Farm to Fork-Strategie gestellt werden muss, damit die Landwirte und die ländliche Wirtschaft prosperieren können.“

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Britta Weppner]

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