Experte: Carbon Farming ideal zur Steigerung der polnischen Ernteerträge

Im Rahmen ihrer Bemühungen um eine umweltfreundlichere Landwirtschaft hat die Europäische Kommission angekündigt, dass sie bis Ende 2021 eine Initiative für Carbon Farming starten will. [Shutterstock/petrmalinak]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Carbon Farming: Neuer Trend in Europa?

Carbon Farming könnte polnischen Landwirt:innen helfen, die Produktivität ihrer Erträge zu steigern und die anhaltende Dürre des Landes zu bewältigen, so ein Experte gegenüber EURACTIV Polen.

„Aktivitäten, die der nachhaltigeren Nutzung des Bodens dienen und die Menge des darin enthaltenen Kohlenstoffs erhöhen sollen, machen den Boden fruchtbarer und steigern seine Produktionswerte“, so Zbigniew Karaczun, Professor an der Warschauer Universität für Lebenswissenschaften (SGGW) und Experte des polnischen Zweigs der Klimakoalition.

Solche Böden seien widerstandsfähiger gegen Trockenheit, „was den Landwirt:innen unter den polnischen Bedingungen mit unbeständigem Wetter und ständiger Trockenheit im Sommer der letzten zehn Jahre höhere Erträge bescheren kann“, fügte er hinzu.

Allerdings, so Karaczun, gebe es in Polen derzeit „keine Instrumente, die die Kohlenstoffanreicherung auf breiterer Ebene unterstützen würden“.

Im Rahmen ihrer Bemühungen um eine umweltfreundlichere Landwirtschaft hat die Europäische Kommission angekündigt, dass sie bis Ende 2021 eine Initiative für Carbon Farming starten will – eine Methode der regenerativen Landwirtschaft, die den Kohlenstoffgehalt in landwirtschaftlichen Böden halten und anreichern soll. [Siehe Hintergrund unten]

Landwirt:innen sehen Chancen im Carbon Farming, müssen sich aber am Markt orientieren

Interessenvertreter:innen der Landwirtschaft sehen die Umstellung auf eine kohlenstoffarme Landwirtschaft in der EU positiv, betonen aber, dass die Einzelheiten der finanziellen Anreize für Landwirt:innen in der EU noch festgelegt werden müssen.

Für Mateusz Ciasnocha, Landwirt und Geschäftsführer von European Carbon Farmers, ist regenerative Landwirtschaft ein viel breiteres Konzept als der ökologische Landbau. European Carbon Farmers ist eine Organisation, die sich für die Förderung kohlenstoffanreichernder Anbaumethoden in Polen einsetzt und Mechanismen zur Bezahlung von Kohlenstoff in der Landwirtschaft entwickelt.

„Der angemessene Einsatz regenerativer Anbaumethoden – und insbesondere das Verständnis dafür, wie die Kreisläufe der Natur, einschließlich des Kohlenstoffkreislaufs, funktionieren – bedeutet, dass das System irgendwann biologisch wird, das heißt, dass keine künstlichen Methoden für die Produktion verwendet werden“, so Ciasnocha gegenüber EURACTIV Polen.

Er fügte hinzu, dass sich nicht genügend Landwirt:innen bewusst sind, dass ihr Betrieb ein Teil des gesamten Ökosystems ist. „Jede:r Landwirt:in ist ein Kohlenstoffproduzent, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht“.

„Das beste Beispiel dafür ist, dass unsere Landwirtschaft immer noch stark auf Bodenbearbeitung setzt, eine Praxis, die sehr negative Auswirkungen auf den Kohlenstoffkreislauf hat“, betonte er.

Wird sich Carbon Farming in Polen entwickeln? 

Jerzy Plewa, ehemaliger Leiter der GD AGRI bei der Europäischen Kommission und Team-Europe-Experte, erklärte gegenüber EURACTIV Polen, dass die Unterstützung für Carbon Farming unter anderem deshalb wachsen wird, weil 40% des Budgets der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für klimaschonende Maßnahmen bereitgestellt werden sollen.

Laut Plewa stellt Carbon Farming eine Rückkehr zu den bewährten Praktiken der Vergangenheit dar, allerdings mit einem wissenschaftlichen Ansatz, der die positiven Auswirkungen dieser Praktiken auf den Boden unterstreicht.

„Langfristig werden die Landwirt:innen von einer besseren Bodenqualität, einer höheren Produktionsleistung und einer größeren Widerstandsfähigkeit profitieren“, sagte er.

Durch die Einführung von kohlenstoffbereichernden Anbaumethoden können neue Investitionen erforderlich sein. Plewa betonte, dass zusätzliche Kosten für die Landwirt:innen im Rahmen der GAP kompensiert würden.

Die Landwirt:innen werden jedoch nicht nach der Menge des gespeicherten Kohlenstoffs entlohnt.

Plewa erläuterte, dass in Europa bereits erste Programme angelaufen sind, bei denen Landwirt:innen für die im Boden gebundenen Tonnen an Kohlenstoff belohnt werden. Ihm zufolge werden Landwirt:innen bald zusätzlich für Praktiken belohnt, die auf einer regenerativen Landwirtschaft basieren.

„Ein notwendiger Schritt für Carbon Farming in der EU wird die Schaffung eines Rechtsrahmens für die Zertifizierung des nachhaltigen Kohlenstoffabbaus aus natürlichen Ökosystemen sein. Die Kommission arbeitet derzeit an einem Verordnungsentwurf für Carbon Farming, und der Zertifizierungsmechanismus soll bis 2023 vorgeschlagen werden“, sagte er.

Plewa sagte auch, dass der Entwurf des polnischen GAP-Strategieplans Ökosysteme vorsieht, die typisch für Carbon Farming sind, wie z.B. „vereinfachte Anbausysteme, Diversifizierung der Anbaustrukturen und Einhaltung der Düngepläne“.

Der polnische Experte betonte dazu die Notwendigkeit, die Landwirt:innen angemessen über ihre Möglichkeiten zu informieren. „Die Umsetzung ehrgeiziger Umwelt- und Klimaprogramme erfordert eine ständige Verbesserung der Kenntnisse der Landwirt:innen sowie eine umfassende Unterstützung durch professionelle Beratungsdienste, die in unserem Land unzureichend ist“.

Die GAP ist der Schlüssel zum Carbon Farming

Plewa sagte, Polen könne die GAP nutzen, die viele Möglichkeiten zur Unterstützung von umwelt- und klimafreundlichen Maßnahmen in ländlichen Gebieten biete, insbesondere im Rahmen der zweiten Säule für Umweltausgaben für die ländlichen Entwicklung.

„Diese Fonds unterstützen den ökologischen Landbau und Agrarumweltprogramme, die gemeinhin nicht als Carbon Farming bezeichnet werden, aber dazu beitragen, CO2 aus der Luft zu absorbieren und im Boden zu speichern“.

Plewa kritisierte jedoch, dass Polen, obwohl es in der EU über das größte Budget für  ländliche Entwicklung verfügt, die GAP nicht voll ausschöpft.

„Es stellt weniger Mittel für den ökologischen Landbau und ehrgeizige Agrarumweltprogramme zur Verfügung und gibt große Summen für andere Ziele aus“, schloss er.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic, Sarantis Michalopoulos]

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