Gemeinsame EU-Kandidatin für die FAO: „Mehr und besser produzieren“

Die Französin Catherine Geslain-Lanéelle will die nächste Generalsekretärin der FAO werden. [EPA/MAURIZIO BRAMBATTI]

Die ehemalige Leiterin der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewirbt sich um den Posten als Generaldirektorin der Lebensmittel- und Landwirtschaftsbehörde der Vereinten Nationen (FAO).

Die französische Agronomin Catherine Geslain-Lanéelle traf am vergangenen Freitag mit Reportern zusammen, um die Prioritäten ihrer Wahlkampagne für die wichtigste Stelle der in Rom ansässigen Institution zu präsentieren.

Obwohl sie offiziell als Kandidatin Frankreichs antritt, wird sie auch von den anderen EU-Mitgliedstaaten unterstützt. Ein entsprechender informeller Prozess für diese Unterstützung war während eines Treffens der EU-Agrarminister im Oktober abgeschlossen worden.

Geslain-Lanéelle ist somit die erste gemeinsame EU-Kandidatin, die für den FAO-Job kandidiert. Sie zeigte sich erfreut über die „Unterstützung auf allen EU-Ebenen“.

FAO-Chef warnt: Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung könnte 2030 fehlernährt sein

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung wird im Jahr 2030 an Fehlernährung leiden, wenn keine sofortigen Maßnahmen ergriffen werden, so die FAO.

Frankreich hatte sich für das Konzept eines einzigen europäischen Kandidaten stark gemacht, um die Erfolgsaussichten zu erhöhen und die Fehler zu vermeiden, die bei den letzten FAO-Wahlen gemacht wurden.

Damals hatte Europa keinen gemeinsamen Kandidaten: 2011 traten Franz Fischler, ein ehemaliger EU-Kommissar Österreichs, und Miguel Ángel Moratinos, vormals spanischer Außenminister, gegeneinander an. Letzterer schaffte es in die zweite Runde, verlor dort aber mit 88 zu 92 Stimmen gegen den brasilianischen Kandidaten Graziano Da Silvia, den derzeitigen FAO-Generaldirektor.

Es gibt nicht „die eine Lösung“ zur Ernährung der Welt

„Wir haben Lösungen, die es ermöglichen, mehr und besser zu produzieren“, sagte Geslain-Lanéelle am Freitag mit Blick auf die große Frage nach einer nachhaltigen und ausreichenden Ernährung für alle Menschen der Welt.

Auf Nachfrage von EURACTIV.com, ob sie zu diesen Lösungen auch (umstrittene) Genmanipulationen und neue Pflanzenzuchtmethoden (NPBTs) zählt, antwortete die Französin lediglich, sie werde sich im Falle einer Wahl mit NPBTs auf FAO-Ebene „befassen“.

Sie glaube nicht an „die eine, die einzige Lösung“, sondern an einen Mix von Lösungsansätzen zur Steigerung der Produktion.

Kontroverse um neue Verfahren der Pflanzenzüchtung

Neue gentechnische Verfahren versprechen präzise Eingriffe ohne unerwünschte Nebeneffekte. Der EuGH will trotzdem eine strenge Regulierung. Darüber wird heftig gestritten.

„Einflussreiche Denker wie Malthus haben in der Vergangenheit gesagt, dass wir nicht in der Lage wären, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren; aber wir haben es dank des wissenschaftlichen Fortschritts und des Technologietransfers in den Agrarsektor geschafft“, so Geslain-Lanéelle weiter.

Während der wissenschaftliche Fortschritt wichtig gewesen sei, um die weltweite landwirtschaftliche Produktion zu verdreifachen, müsse die Wissenschaft nun erneut konsultiert werden und Ansätze liefern, um die Produktion so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Auch bei Pestiziden befürworte sie eine deutliche Reduzierung des Einsatzes chemischer Produkte, sei aber nicht grundsätzlich gegen diese Mittel: „Ein Landwirt braucht Werkzeuge, um eine Reihe von Risiken zu bekämpfen. Dazu zählen eben auch Pflanzenerkrankungen.“

Keine EFSA-Methoden auf FAO-Ebene?

Geslain-Lanéelle leitete von 2006 bis 2013 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Unter Bezugnahme auf ihre Erfahrungen in der EU-Agentur erklärte sie, sie habe ihre Arbeitsweise geändert – insbesondere in Bezug auf Transparenz und Offenheit für den Dialog mit anderen Akteuren, von Landwirten bis hin zu Netzwerken der Zivilgesellschaft.

„Aus meiner Zeit bei der EFSA bringe ich das Wissen und die Erfahrung aus der Arbeit in einer multikulturellen Organisation sowie das starke Fachwissen über Lebensmittelsicherheit und Umweltschutz mit und stelle es in den Dienst der FAO,“ sagte sie.

Glyphosat : Efsa-Bericht zum Teil Kopie von Monsanto-Papier

Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit hat laut einem Bericht wohl teilweise die Argumentation des Herstellers Monsanto übernommen – darunter die wichtigsten Kapitel.

Die Wahl des nächsten FAO-Generaldirektors findet im Juni statt. An der Wahl nehmen alle 194 Mitgliedstaaten der Organisation teil. Das Mandat des derzeitigen Amtsinhabers Graziano da Silva läuft im August aus.

Es wird erwartet, dass die europäische Kandidatin gegen einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus Asien antreten wird. Formal gibt es aber kein Rotationsprinzip an der Spitze der UN-Agentur. Die FAO selbst werde bis zum Abschluss des Bewerbungsverfahrens Ende Februar die Bewerberliste nicht veröffentlichen, teilte ein Sprecher mit.

Der letzte Europäer, der die FAO leitete, war der Niederländer Addeke Hendrik Boerma. Sein Mandat lief von 1968 bis 1975.

[Bearbeitet von Sam Morgan]

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