„Farm-to-Fork“-Entwurf: Mit Blick auf Emissionen aus der Tierhaltung und das Tierwohl

Ein neuer Entwurf der F2F-Strategie besagt, dass die Kommission innovative Futtermittelzusätze auf den Markt bringen wird, die helfen, die Methanemission der Viehzucht zu reduzieren. [SHUTTERSTOCK/MENENDEZ]

Der jüngste Entwurf der „Farm to Fork“-Strategie (F2F), den EURACTIV einsehen konnte, enthält einige bemerkenswerte Änderungen gegenüber der vorherigen Version, darunter auch die Hervorhebung der möglichen Rolle der Tierhaltung bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen und die Optionen für ein Tierwohllabel.

Der Entwurf hebt insbesondere die Auswirkungen der Tierhaltung auf die Umwelt hervor. So heißt es in dem Dokument, dass die Europäische Kommission „zur Erleichterung der Methoden zur Verringerung der Umwelt- und Klimaauswirkungen der Tierproduktion das Angebot innovativer Futtermittelzusatzstoffe erleichtern wird, die zur Verringerung des Kohlenstoff-Fußabdrucks, der Wasser- und Luftverschmutzung und der Methanemission der Tierhaltung beitragen“.

Darüber hinaus liegt ein starker Fokus auf dem Tierschutz, etwas, das der EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski zuvor schon deutlich gefordert hat.

Der Entwurf besagt, dass die EU-Exekutive die Tierschutzgesetzgebung, auch im Bereich der Tiertransporte, mit dem Ziel überarbeiten wird, sie auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu erweitern, sie umfassender und leichter durchsetzbar zu machen und letztlich ein höheres Tierschutzniveau zu erreichen.

EU-Landwirtschaftskommissar will gegen intensive Schweinehaltung vorgehen

Janusz Wojciechowski, der Landwirtschaftskommissar der EU, will hart gegen die Umweltauswirkungen der intensiven Tierhaltung vorgehen. Abgesehen von der Unterstützung durch Tierschutzgruppen stießen seine Forderungen bisher jedoch auf gemischte Reaktionen.

Ein weiteres neues Element in diesem neusten geleakten Entwurf besteht darin, dass die Kommission auch „Optionen für ein Tierwohllabel prüfen“ wird. Gerechtfertigt wird dies als ein Mittel zum Zweck: die Handlungsmöglichkeiten der Landwirte sollen verbessert werden, da die Verbraucher zunehmend mehr Informationen über die Bedingungen verlangen, unter denen die Tiere aufgezogen und geschlachtet wurden.

Bei dem letzten Rat für „Landwirtschaft und Fischerei“ (Agrifish) am 27. Januar forderte die deutsche Delegation die Schaffung eines transparenten und EU-weit harmonisierten Tierschutzlabels. Die Delegierten argumentierten, dass dies „das Vertrauen der Verbraucher in die Kennzeichnung von Tierprodukten deutlich erhöhen würde“.

Dieser Vorschlag wurde von mehreren anderen Delegationen, darunter Spanien, Dänemark und Italien, unterstützt, wobei letztere erklärten, dass eine solche Kennzeichnung der „wachsenden Zahl von Bürgern“ helfen würde, die so viele Informationen wie möglich über den Tierschutz wünschen.

In einer Rede vor dem Rat sagte die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, sie werde den Vorschlag der deutschen Delegation für ein EU-weites Label prüfen. Vorschläge, die über die bestehenden Tierschutzvorschriften und -regelungen hinausgehen, seien Teil der „Farm-to-Fork“-Strategie, die im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht werden soll, so Kyriakides.

Französische Abgeordnete fordert "Realismus" in der "Farm to Fork"-Strategie

Der Teil des Pflanzenschutzes in der bevorstehenden „Farm to Fork“-Strategie (dt. “Vom Erzeuger zum Verbraucher”) sollte einen realistischen und wissenschaftlich fundierten Ansatz verfolgen, sagte die französische konservative Europaabgeordnete Anne Sander gegenüber EURACTIV.

Kohlenstoffabscheidung und Pestizide

Die Kohlenstoffbindung wird in dem Dokument als ein weiteres „vielversprechendes Beispiel für neue grüne Geschäftsmodelle“ betrachtet. Hinsichtlich wird anerkannt, dass Zahlungen durch die Gemeinsame Agrarpolitik oder durch private Initiativen wie Kohlenstoffmärkte die entsprechenden landwirtschaftlichen Praktiken finanziell rentabel machen können.

Zu diesem Zweck wird die Kommission ein „EU-Handbuch zum Carbon Farming“ entwickeln, um die Emissionsreduktionen und den Kohlenstoffabbau in land- und forstwirtschaftlichen Systemen zu quantifizieren, heißt es in dem Dokument.

Wie die Kohlenstoffabscheidung durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 am besten gefördert werden kann, war auch das Hauptthema eines informellen Treffens mit den LandwirtschaftsministerInnen, das die finnische Ratspräsidentschaft im vergangenen September ausgerichtet hat.

In dem Text wird ferner ausgeführt, dass eine „Überprüfung des Absatzförderungsprogramms für landwirtschaftliche Produkte“ vorgenommen werden soll, um „seinen Beitrag zu nachhaltiger Produktion und nachhaltigem Konsum zu verbessern“.

Kontroverse Debatte: Wie misst man die Pestizid-Reduzierung in der Landwirtschaft?

Der jüngste Entwurf der „Farm to Fork“-Strategie sieht vor, dass verbindliche Ziele für die Reduzierung des Einsatzes und des Risikos von Pestiziden festgelegt werden. Dafür soll aber der umstrittene „Harmonisierte Risikoindikator 1“ verwendet werden.

Die Kommission werde dementsprechend „streng beurteilen“, ob die Gewährung von gekoppelten Einkommensbeihilfen eingehalten wird, um die Nachhaltigkeit der geförderten Sektoren zu optimieren.

Die langjährigen produktionsabhängigen Subventionen, die als gekoppelte Zahlungen bekannt sind, waren das Kernstück der GAP-Zahlungen vor der Fischler-Reform im Jahr 2003, die ihr Volumen verringert hat.

Bereits letzte Woche berichtete EURACTIV, dass der erste Entwurf der Strategie vorsah, dass verbindliche Ziele für die Reduzierung des Einsatzes und des Risikos von chemisch-synthetischen Pestiziden festgelegt werden. Dafür soll der umstrittene „Harmonisierte Risikoindikator 1“ (HRI1) verwendet werden.

Die letzte durchgesickerte Version erwähnt jedoch nicht den HRI1. Stattdessen wird sie „die Richtlinie über die nachhaltige Nutzung von Pestiziden überarbeiten, die Bestimmungen über den integrierten Schädlingsschutz verbessern und die stärkere Nutzung alternativer Methoden zum Schutz der Ernten vor Schädlingen und Krankheiten fördern“.

Innovation, GAP und der Green Deal: Eine komplizierte Kombination?

Der neue Green Deal wird direkte Auswirkungen auf die laufenden Verhandlungen über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 haben, da die Landwirte der EU aufgefordert werden, ihre Arbeitsweise an die neuen grünen Ziele anzupassen.

Marketing und Neuformulierung

Der Entwurf erkennt ferner die Schlüsselrolle an, die die Lebensmittel- und Getränkeindustrie der EU bei der Beeinflussung des Nahrungswahlverhalten der Verbraucher durch die Förderung mehr oder weniger gesunder und nachhaltiger Produkte spielt.

Daher werde die Kommission „die Vermarktungsnormen, einschließlich des Rechtsrahmens für geografische Angaben, überarbeiten“, um die Aufnahme und Versorgung mit nachhaltigen Agrar-, Fischerei- und Aquakulturprodukten zu gewährleisten und Lebensmittelverluste und -abfälle zu verringern.

In dem durchgesickerten Dokument hieß es zudem, dass die Kommission zur Förderung solcher Praktiken und zur Einbindung der Lebensmittelindustrie in einen transparenten und partizipativen Prozess „vorrangig einen EU-Verhaltenskodex und den dazugehörigen Überwachungsrahmen für verantwortungsvolle Geschäfts- und Marketingpraktiken entwickeln wird“.

Nachhaltige Fischzucht erobert die Dächer von Brüssel

Auf dem größten städtischen Bauernhof Europas – auf den Dächern der belgischen Hauptstadt – werden Fische gezüchtet und Gemüse angebaut. Dabei werden strenge Vorgaben für eine Kreislaufwirtschaft erfüllt.

Hauptziel der Initiative der Kommission sei es, die Neuformulierung von verarbeiteten Lebensmitteln anzuregen, einschließlich der Festlegung von Höchstmengen für bestimmte Nährstoffe und der Festlegung von Nährstoffprofilen, um die Verkaufsförderung von Lebensmitteln mit hohem Salz-, Zucker- und/oder Fettgehalt einzuschränken.

Die Förderung – über nährwert- oder gesundheitsbezogene Angaben – von Lebensmitteln mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt soll beschränkt werden, um das Lebensmittelumfeld in der EU zu verbessern und die Umstellung auf eine gesündere Ernährung zu erleichtern.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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