EU: Weltmacht im Agrar- und Lebensmittelhandel

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2015 fuhr die EU einen Handelsbilanzüberschuss von neun Milliarden Euro ein. [Tim Parkinson/Flickr]

This article is part of our special report Landwirtschaftlicher Handel.

Von jeden 100 Euro, die zwischen der EU und anderen Staaten gehandelt werden, gehen sieben Euro auf das Konto der Lebensmittelindustrie. EURACTIV-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

Sieben von 100 Euro. Diese Zahl mag klein erscheinen, etwa verglichen mit den Handelsgeschäften der Automobil- oder Energieindustrie. Dennoch ist der Landwirtschafts- und Ernährungssektor von entscheidender Bedeutung für die EU-Volkswirtschaft und ­– wichtiger noch – für die Wirtschaftslage von Millionen von Familien.

Laut Eurostat, dem EU-Statistikamt, beliefen sich 2015 die Exporte von Agrarprodukten und Lebensmitteln an Drittstaaten auf 123,2 Milliarden Euro, ausgenommen von Fisch- und Fischereierzeugnissen. Die Importe lagen bei 114,1 Milliarden Euro. In der Landwirtschaft entstand für die EU somit ein Handelsbilanzüberschuss von neun Milliarden Euro.

Offizielle Statistiken legen nahe, dass auch der EU-Binnenhandel ein wichtiger Pfeiler der europäischen Ernährungswirtschaft bleibt. Dennoch geht der Trend eher dahin, Märkte von Drittländern zu erschließen.

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Die EU sei auch weiterhin der weltweit führende Lebensmittelexporteur, bestätigt Javier Sierra, Direktor für Lebensmittel und Gastronomie beim spanischen Institut für Außenhandel (ICEX) gegenüber Efeagro. Die USA habe man schon 2013 überholt. Grund dafür sei die anhaltende Unterstützung, die die EU dem Sektor in Form von Fördermaßnahmen und Haushaltsaufstockungen geboten habe. Ganz davon abgesehen beruht ein Großteil des Erfolges aber auch auf den „rigorosen“ Produktionsstandards und verbindlichen Qualitätskontrollen für Erzeuger in der EU. Nicht zu vernachlässigen sind dabei außerdem die konsolidierten Handelsbeziehungen mit China, das schon jetzt das zweitwichtigste Exportziel darstellt.

Handelsstatistiken

Die EU-Handelsbilanz für Agrarprodukte und Lebensmittel (ausgenommen von Fisch und Fischereierzeugnissen) weist laut International Trade Centre (ITC) einige interessante Daten auf. So verkauft die EU beispielsweise viel mehr Getreide, Mehl, Stärke und Milchprodukte, als sie importiert. Von dem bereits beschriebenen Handelsbilanzüberschuss von neun Milliarden Euro gehen mehr als 8,5 Milliarden auf Milch, Molkereiprodukte und Eier zurück.

Auf der anderen Seite der Handelsbilanz fährt der Obst- und Gemüsesektor ein Defizit von 18,05 Milliarden Euro ein, gefolgt von Kaffee und Tee mit einem Minus von etwa 8,07 Milliarden Euro. In diesen Zweigen ist die EU sehr stark auf den internationalen Markt angewiesen.

Hervorzuheben ist auch der Überschuss in der Viehzucht, beim Fleisch und den Innereien (8,11 Milliarden Euro) sowie bei den Getreideexporten (4,06 Milliarden Euro). In Sachen Saatgut und ölhaltigen Früchten (einschließlich Soja) besteht ein Defizit von 7,89 Milliarden Dollar.

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Unabhängig von der Handelsbilanz werden die höchsten Geldbeträge durch Import sowie Export (innerhalb und außerhalb der EU) in folgenden Bereichen bewegt: Fleisch, Milch, Molkereiprodukte, Obst, Gemüse und Getreide. Laut Eurostat stechen dabei die innerhalb der EU zirkulierenden Importsummen im Obst- und Gemüsesektor besonders in Auge. Von den 64 Milliarden Euro an Importen entstehen 67 Prozent (42,88 Milliarden Dollar) durch Transaktionen zwischen den einzelnen EU-Ländern.

Fleisch und Innereien sind in dieser Hinsicht ebenfalls auffällig. EU-Länder exportierten hier Produkte im Wert von 38 Milliarden Euro. 88 Prozent davon (33,44 Milliarden) landeten innerhalb des Blocks. Auch 76 Prozent des 42 Milliarden Euro schweren Handels mit Milch, Molkereiprodukten, Eiern und Honig (31,92 Milliarden) verblieben 2015 in der EU. Von den 22,6 Milliarden Euro an exportiertem Getreide, Grundnahrungsmittel für Mensch und Tier, entfallen 58 Prozent (13,1 Milliarden) auf den innergemeinschaftlichen Handel.

Kontinentale Handelsströme

2015 exportierte die EU 1,7 Milliarden Euro an Milch, Milchprodukten und Eiern nach Amerika und Getreide im Wert von 4,4 Milliarden Euro nach Afrika. In beiden Fällen erzielte die EU einen erheblichen Handelsüberschuss.

In Asien verkaufte der Block vor allem Fleisch und Innereien in Höhe von 5,4 Milliarden Euro mit einem Überschuss von mehr als fünf Milliarden. In Ozeanien hingegen hinterließen die 336 Millionen Euro an Fleischexporten ein Defizit von 1,14 Milliarden Euro.

Gesamtexporte in einzelnen EU-Ländern

Deutschland exportierte 2015 Fleisch, Milch, Molkereiprodukte, Eier, Obst und Gemüse im Wert von 23,6 Milliarden Euro (an Länder innerhalb und außerhalb der EU). Dahinter lag Frankreich mit 13 Milliarden Euro, dicht gefolgt von Großbritannien mit 12,8 Milliarden und Italien mit zehn Milliarden. Spaniens Agrarexporte (inklusive Fisch) beliefen sich 2015 laut dem Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei, Ernährung und Umwelt (Mapama) auf einen Gesamtwert von 44,1 Milliarden Euro.

Diese Summe setzte sich wie folgt zusammen: Innereien- und Fleischexporte 3,91 Milliarden Euro mit einer positiven Handelsbilanz, Obst und Gemüse 13,6 Milliarden Euro ebenfalls mit einer positiven Handelsbilanz, Getreide und Ölsaatgut 966 Millionen Euro mit einem deutlichen Defizit sowie Milch, Molkereiprodukte, Honig und Eier mit mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Spanien müsse vor allem die „Einzigartigkeit“ seiner vielfältigen und hochkarätigen Produktpalette fördern, betont Sierra. So könne das Land seine Position am internationalen Agrar- und Lebensmittelmarkt festigen. Spanien setzt in diesem Zusammenhang auf institutionelle Kollaborationen und Gastrotourismus. Qualität, hohe Lebensmittelsicherheitsstandards und Wettbewerbsfähigkeit sollen sicherstellen, dass Spanien und andere EU-Länder auch weiterhin an der Spitze des globalen Lebensmittelmarktes stehen werden.

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