EU und USA planen neue Agrarplattform zur Verbesserung der EU-US Beziehungen

"Was wir vorschlagen, ist, dass es verschiedene Wege zu einer Netto-Null-Emissionskultur gibt. Und wir müssen respektieren, dass es verschiedene Wege gibt", sagte US-Agrarminister Tom Vilsack. [USDA]

Die Europäische Kommission und die US-Regierung haben die Einrichtung einer neuen transatlantischen Kooperationsplattform für Landwirtschaft angekündigt, um den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zu fördern.

Die am Mittwoch (3. November) angekündigte Plattform markiert den Beginn eines „neuen Kapitels in der Zusammenarbeit zwischen der EU und den USA“, so US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack.

„Es ist an der Zeit, dass wir die Ärmel hochkrempeln und uns erneut mit den dringlichsten Fragen beschäftigen, mit denen die Landwirtschaft und unsere ländlichen Gemeinden konfrontiert sind“, sagte Vilsack auf einer Veranstaltung zum Start der Plattform und wies darauf hin, dass dies für die beiden Ministerien die „erste echte Gelegenheit seit fast einem Jahrzehnt“ sei, in einer solchen Partnerschaft zusammenzuarbeiten.

Ziel der Plattform ist es, Wissen und Informationen auszutauschen, aber auch das gegenseitige Verständnis und Vertrauen zu fördern, damit die beiden landwirtschaftlichen Großmächte bei der Bewältigung der globalen Herausforderungen zur Nachhaltigkeit zusammenarbeiten können.

EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski begrüßte den Schritt und betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern „jetzt mehr denn je“ notwendig sei. Sie befänden sich in einer „starken Position“, um den Wandel in der nachhaltigen Landwirtschaft anzuführen.

Auf das Ziel konzentrieren, nicht die Reise

Es ist kein Geheimnis, dass die beiden Länder in Bezug auf die künftige Ausrichtung des Agrar- und Ernährungssektors nicht einer Meinung sind und wachsende Spannungen über die steigenden Nachhaltigkeitsambitionen der EU bestehen.

Vor allem die USA haben das Flaggschiff der EU-Politik im Bereich Lebensmittel und Landwirtschaft, die „Farm to Fork“-Strategie, scharf kritisiert und davor gewarnt, dass sie zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität führen könnte.

Um der Strategie entgegenzuwirken, haben die USA inzwischen eine eigene Koalition ins Leben gerufen, um nachhaltiges Produktivitätswachstum zu einer „strategischen Handlungspriorität“ zu machen.

Auch wenn die beiden Landwirtschaftsminister unterschiedliche Wege in eine nachhaltigere Zukunft einschlagen, so betonten sie doch, dass sie eine gemeinsame Vision mit gemeinsamen Nachhaltigkeitszielen verfolgen.

„Was wir vorschlagen, ist, dass es verschiedene Wege zu einer Netto-Null-Emissionskultur gibt. Und wir müssen respektieren, dass es verschiedene Wege gibt“, sagte Vilsack und fügte hinzu, dass man die Menschen nicht zwingen wolle, ein bestimmtes System zu übernehmen.

Stattdessen müsse man anerkennen, dass beide Seiten „verschiedene, effektive Wege beschreiten, um die von beiden Seiten gewünschten Ergebnisse zu erreichen“.

Wojciechowski nutzte die Gelegenheit, um zu betonen, dass die beiden landwirtschaftlichen Großmächte mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen, sowohl im Hinblick auf ihre Agrarsysteme als auch auf die Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen.

„Während die USA und Europa durch einen Ozean getrennt sind, sind wir durch unser Land verbunden“, sagte er.

Zu grün für US-Minister? Perdue warnt vor Handelsbarrieren wegen "Farm to Fork"

US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue hat Besorgnis geäußert, dass der Green Deal der EU den Handel untergraben und die „Lebensfähigkeit der EU-Landwirte“ beeinträchtigen könnte. Derartige Behauptungen wurden von seinem Amtskollegen in der EU-Kommission umgehend zurückgewiesen.

 

Bleibt in eurer Spur, warnt die USA

Hinter dem Wille zur Zusammenarbeit verbargen sich jedoch auch Warnungen vor künftigen potenziellen Handelsschranken und der Einmischung in die Angelegenheiten der anderen Seite.

Vilsack warnte, dass jeder Versuch, der US-Landwirtschaft externe Produktionsstandards aufzuerlegen, nicht willkommen wäre. Er verwies dabei auf die immer lauter werdenden Forderungen, die EU solle die gleichen hohen Nachhaltigkeitsstandards, die von europäischen Landwirt:innen erwartet werden, auch auf ihre importierten Produkte anwenden.

„Wenn man versucht, Produktionsstandards vorzuschreiben, schafft man die Möglichkeit, erhebliche Handelshemmnisse zu errichten, die gegen die Welthandelsorganisation verstoßen und den Verbrauchern nicht unbedingt die Wahl lassen, die sie vielleicht wünschen“, warnte er.

„Ungerechtfertigte“ Handelshemmnisse, fügte Vilsack hinzu, forderten nicht nur einen wirtschaftlichen Tribut, sondern behinderten auch die Entwicklung neuer Technologien, die für die Bewältigung der Herausforderung, eine wachsende Bevölkerung mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck zu ernähren, erforderlich seien.

Auf die Frage von EURACTIV, wie die europäischen Landwirt:innen vor Importen mit niedrigeren Standards geschützt werden können, sagte Kommissar Wojciechowski, er sei sich der Bedenken bewusst. Er betonte aber, dass es nicht im Interesse beider Seiten sei, Handelshemmnisse zu schaffen.

„Natürlich verstehe ich die Sorgen der Landwirt:innen über Importe. Aber das Hauptproblem der europäischen Landwirt:innen sind nicht die hohen Importe, sondern der Export unserer europäischen Produkte“, sagte er.

„Wir sind Lebensmittelexporteure. Es liegt nicht in unserem Interesse, Handelshemmnisse zu errichten“, sagte er und fügte hinzu, dass dies das Hauptthema der Diskussion während der bevorstehenden französischen EU-Ratspräsidentschaft sein wird, die im Januar beginnt.

„Die französische Ratspräsidentschaft wird eine gute Gelegenheit sein, um darüber zu diskutieren, wie die Handelsbeziehungen verbessert werden können und um so weit wie möglich die gleichen Standards zu erreichen“, sagte der Kommissar.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bereits angedeutet, dass die EU-Handelspolitik überdacht werden muss, um Spiegelklauseln zum Klima und zur biologischen Vielfalt aufzunehmen. Frankreich ist auch eines der EU-Länder, die sich bisher geweigert haben, ein Freihandelsabkommen mit lateinamerikanischen Ländern zu unterzeichnen, weil sie Garantien für Umwelt- und Gesundheitsstandards erwarten.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Zoran Radosavljevic]

Unterstützer

Measure co-financed by the European Union

Der Inhalt dieses Berichts oder dieser Veröffentlichung gibt ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wieder, der/die allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

From Twitter

Subscribe to our newsletters

Subscribe