EU-Studie: Geografische Ursprungsangaben bieten eindeutigen Mehrwert

Die meisten GU und GTS auf europäischer Ebene entfallen mit 49 bzw. 44 Prozent auf Wein und landwirtschaftliche Erzeugnisse. [Scorpp/Shutterstock]

Geografische Ursprungsangaben auf Lebensmittelverpackungen bieten einen klaren Mehrwert für die Vermarktung der Produkte und sind ein „wichtiger Wert“ für ländliche Gebiete, heißt es in einer Studie der EU-Kommission. EURACTIV Frankreich berichtet.

Im Jahr 2020 gab es in den EU-Ländern insgesamt 3.286 Produkte mit geschützten Ursprungsangaben (GU) sowie garantiert traditionelle Spezialitäten (GTS). Mit 734 stammen fast ein Viertel der GU und GTS aus Frankreich, das nach Italien an zweiter Stelle liegt.

Die meisten GU und GTS auf europäischer Ebene entfallen mit 49 bzw. 44 Prozent auf Wein und landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Nun wurde eine Studie zur Qualitätspolitik der EU veröffentlicht, die überprüfen sollte, ob die geografischen Angaben effektiv sind: Die Labels sollen Hersteller vor Fälschungen schützen, für fairen Wettbewerb sorgen und geistige Eigentumsrechte wahren.

Das Fazit fällt recht eindeutig aus: „Insgesamt werden die Ziele der EU-GU/GTS-Verordnung erreicht,“ bestätigt die Studie. Die Systeme seien „effizient und relevant“. Insgesamt habe man „keine größeren Unstimmigkeiten festgestellt“.

EFSA soll sich zu Lebensmittel-Labels äußern

Die EU-Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) soll mit wissenschaftlicher Beratung die Entwicklung eines zukünftigen EU-weiten Systems zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln unterstützen.

Weiter wird festgehalten, dass „der rechtliche Rahmen einen fairen Wettbewerb für Landwirte und Erzeuger, die an der GU/GTS-Wertschöpfungskette beteiligt sind, ermöglicht“ und dass die Angaben Mehrwert für ländliche Gebiete bieten sowie „ein wichtiges Instrument zur Förderung der regionalen Identität und des gastronomischen Erbes sind, insbesondere in Ländern mit einer langen Geschichte des GU-Schutzes“.

Außerdem wird die Rolle der EU als „Vereinheitlicher“ gelobt: „Ohne den EU-Rahmen gäbe es das GU/GTS-System möglicherweise nicht in jedem [Mitgliedsstaat] oder es wäre in den [Mitgliedsstaaten], in denen es eingeführt wurde, nicht homogen.“

Die Überprüfung der Verfahren auf EU-Ebene solle außerdem Kohärenz und Einheitlichkeit sichern. Allerdings könne man diesbezüglich teils „große Unterschiede in den Verfahren“ zwischen den Mitgliedsstaaten beobachten.

Einige Mängel

Die Studie weist auch auf „gewisse Einschränkungen“ hin. Während GU „einen positiven Effekt auf den Binnenmarkt haben, indem sie eine gemeinsame Referenz für den Handel“ zwischen verschiedenen Mitgliedsstaaten bieten, äußern die Autoren ihr Bedauern über die „geringe Bekanntheit und das geringe Verständnis“ bezüglich der Labels in einigen europäischen Ländern.

Darüber hinaus gebe es „trotz der Fülle an Informationen, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern zur Verfügung gestellt werden, […] immer noch eine gewisse Verwirrung zwischen den verschiedenen Systemen“. Dadurch ergebe sich eine „begrenzte Wirksamkeit“ bei der Bereitstellung klarer und eindeutiger Informationen.

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Ein eher gemischtes Bild gibt es hinsichtlich des Einkommens, das Landwirte mit dem System erzielen. Zwar könnten viele Erzeuger durch die Angaben „verbesserte Preise und ein besseres Einkommen erzielen“, doch sind diese Vorteile nicht überall und systematisch feststellbar.

Darüber hinaus bedeuten die Siegel „nicht unbedingt höheren Gewinn, da die GU-Produktion in der Regel auch mit zusätzlichen Produktionskosten verbunden ist“. Dennoch scheint sich zumindest in etwas mehr als der Hälfte der Produkte der Besitz eines GU- oder GTS-Labels positiv auf das Einkommen der Landwirte ausgewirkt zu haben.

Die oft langwierigen Verfahren – sowohl bei der erstmaligen Registrierung als auch bei der Änderung von Produktangaben – werden indes als eines der Hauptprobleme in Bezug auf die Effizienz des Systems identifiziert.

Abschließend wird in der Studie daher nahelegt, die Systeme für geografische Angaben „mit Blick auf den Erhalt und die Förderung eines lebendigen lokalen Kulturerbes weiterzuentwickeln“ – lediglich eine bessere Kommunikation gegenüber den Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie vereinfachte Verfahren wären wünschenswert.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Natasha Foote]

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