EU-Parlament will Ökolandbau unterstützen, aber kein verbindliches Ziel

Für den grünen Europaabgeordneten und Schattenberichterstatter für den Bio-Aktionsplan, Claude Gruffat, der den abgelehnten Änderungsantrag zur expliziten Aufnahme des in der F2F-Strategie festgelegten Ziels in den Bericht vorgelegt hatte, fehlt es dem beschlossenen Text jedoch an Ehrgeiz. [SHUTTERSTOCK]

Das Europäische Parlament hat eine Position über den EU-Aktionsplan für den ökologischen Landbau gebilligt, die den Schwerpunkt auf einen marktorientierten Ansatz legt. Das ehrgeizige Ziel der EU, bis 2030 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in der Union ökologisch zu bewirtschaften, wird darin jedoch nicht erwähnt.

Der Initiativbericht, den die Abgeordneten am Dienstag (3. April) während der Plenarsitzung in Straßburg annahmen, wurde als Reaktion auf den im März 2021 vorgestellten Aktionsplan der Kommission für den ökologischen Landbau erstellt.

Der Plan skizziert einen dreigleisigen Ansatz, der Anreize für die Produktion und den Verbrauch von Bioprodukten in der gesamten EU schaffen soll. So soll das ehrgeizige Ziel erreicht werden, bis zum Jahr 2030 25 Prozent aller Agrarflächen ökologisch zu bewirtschaften, wie es im Flaggschiff der EU-Lebensmittelpolitik „Farm-to-Fork-Strategie“ (F2F) festgelegt worden ist.

Eine ausdrückliche Erwähnung dieses Ziels wurde im endgültigen Text jedoch nicht aufgenommen.

Stattdessen betont der Bericht die Notwendigkeit marktorientierter Lösungen, mehr Unterstützung für die Mitgliedsstaaten bei der Ausarbeitung ihrer nationalen Bio-Strategien und Forschung im Bereich des Bio-Landbaus, um die Produktion der Nachfrage entsprechend zu steigern.

Der Bericht gibt lediglich die Position des Europäischen Parlaments zu dieser Frage wieder – einer der beiden Zweige im EU-Gesetzgebungsprozess. Er ist jedoch nicht rechtsverbindlich und wird auch die politischen Ambitionen der Kommission nicht ändern.

EU will Bio-Landbau in Agrarstatistik aufnehmen

Die ökologische Landwirtschaft soll in die Überarbeitung der EU-Agrarstatistiken einbezogen werden. Digitale Technologien können einen kreativen Weg bieten, erklärte der Berichterstatter des Dossiers, Petros Kokkalis, gegenüber EURACTIV.

Die konservative Simone Schmiedtbauer, Berichterstatterin des Parlaments für den EU-Aktionsplan zum ökologischen Landbau, begrüßte die Verabschiedung des Berichts und betonte, dass der Sektor „nur wachsen kann, wenn der Markt für ökologische Erzeugnisse wächst.“

„Der Markt sollte das Ausmaß des Wachstums des Bio-Sektors bestimmen, nicht irgendeine vorgegebene Zielgröße“, sagte Schmiedtbauer und betonte, dass man sich auf „praktische Fragen von Angebot und Nachfrage“ konzentrieren müsse.

„Die EU muss die Landwirte dabei unterstützen, die Bio-Produktion zu steigern und auch die Verbraucher dabei, den Weg zu diesen Produkten zu finden“, sagte sie.

Für Schmiedtbauer ist eine „gute Kombination richtiger Instrumente, Anreize und ausreichender Flexibilität“ erforderlich, um jedem EU-Land die Möglichkeit zu bieten, „seinen Bio-Sektor individuell weiterzuentwickeln und die europäische Bio-Vision in seine eigenen nationalen oder regionalen Bio-Strategien einzubringen.“

Zusammen mit einer klaren Kennzeichnung, Kontrolle und Zertifizierung werde dies dazu beitragen, das Vertrauen der Verbraucher:innen zu stärken und die Nachfrage zu fördern.

Auch der EU-Bioverband IFOAM begrüßte den Initiativbericht und erklärte, dass er „anerkennt, dass Bio zu nachhaltigeren Lebensmittelsystemen beiträgt und Ökosystemleistungen erbringt“, darunter Klimawandel, Klimaschutz, biologische Vielfalt und Bodenschutz.

„Farm to Fork“ beiseitegestellt

Für den grünen Europaabgeordneten und Schattenberichterstatter für den Bio-Aktionsplan, Claude Gruffat, der den abgelehnten Änderungsantrag zur expliziten Aufnahme des in der F2F-Strategie festgelegten Ziels in den Bericht vorgelegt hatte, fehlt es dem beschlossenen Text jedoch an Ehrgeiz.

„Ich bedauere die Ablehnung verschiedener Änderungsanträge, die darauf abzielten, den im Ausschuss angenommenen unambitionierten Text zu verbessern, einschließlich derjenigen, die darauf abzielten, das Ziel von 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im ökologischen Landbau aufzunehmen, sowie derjenigen, die Einführung von Bioprodukten in Schulkantinen und Gemeinschaftsverpflegung in Europa stärker zu unterstützen“, sagte er.

Der zweite Änderungsantrag des Abgeordneten, der ebenfalls vom Plenum abgelehnt wurde, zielte darauf ab, den Anteil von Bioprodukten in der Gemeinschaftsverpflegung – insbesondere in Schulmensen – zu verbessern.

Dabei sollten lokale Behörden und regionale Akteure bei ihren Maßnahmen im Rahmen derer Aktionsprojekte für ein nachhaltiges und widerstandsfähiges System gesunder Lebensmittel unterstützt werden, so der Abgeordnete.

„Ich kann den Mangel an Willenskraft meiner Kollegen nicht nachvollziehen“, beklagte er.

Auf die Annahme des Textes folgt nun die Veröffentlichung einer Halbzeitbilanz der Kommission über den bis 2024 geplanten Aktionsplan.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Alice Taylor]

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