EU-Länder drücken beim Carbon Farming aufs Gas

Beim Carbon Farming geht es darum, "wie Landwirt:innen noch mehr als heute Kämpfer:innen für das Klima sein können", sagte der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie. [OLIVIER HOSLET/EPA-EFE]

Die Mitgliedstaaten der EU wollen Gespräche über Kohlenstoffbindung in der Landwirtschaft unter der französischen EU-Ratspräsidentschaft stärker vorantreiben. Ein Legislativvorschlag der Kommission wird bis Ende des Jahres erwartet.

Bei ihrem Treffen am Montag (17. Januar) begrüßten  die Landwirtschaftsminister:innen der EU-Länder die Pläne der Europäischen Kommission zur Förderung von Carbon Farming. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Praktiken, die Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden binden und speichern sollen.

Carbon Farming ist auch eine der Hauptprioritäten, die sich Frankreich während seiner EU-Ratspräsidentschaft im Bereich der Landwirtschaft gesetzt hat.

Dabei gehe es um die Frage, „wie Landwirt:innen noch mehr als heute Kämpfer:innen für das Klima sein können“, sagte der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie im Vorfeld des Treffens. Abgesehen von Ozeanen werde der meiste Kohlenstoff weltweit im Boden gebunden.

Während Frankreichs Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte von 2022 müsse man sicherstellen, dass Carbon Farming „in allen Mitgliedsstaaten einen hohen Stellenwert einnimmt“, so Denormandie.

Auch die Reduktion des CO2-Fußabdrucks des Sektors müsse weiter diskutiert werden. Das Thema werde bei dem bevorstehenden informellen Treffen der Agrarminister:innen Anfang Februar in Straßburg weit oben auf der Tagesordnung stehen, kündigte der französische Minister an.

Derzeit gibt es kein politisches Instrument, um den Kohlenstoffabbau in der Landwirtschaft zu zertifizieren oder Anreize dafür zu schaffen. Die Europäische Kommission hat jedoch in einer im Dezember veröffentlichten Mitteilung über nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe vorgesehene politische Maßnahmen skizziert.

Die nationalen Minister:innen wollen auf ihrer Tagung im März formelle Schlussfolgerungen zu der Mitteilung und insbesondere zu dem geplanten Verfahren für die Zertifizierung des Kohlenstoffabbaus annehmen, so Denormandie.

Letzte Woche hatte sich EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski für Carbon Farming ausgesprochen. Er wolle das Thema weiter vorantreiben und gleichzeitig sicherstellen, dass  Landwirt:innen einen angemessenen Ausgleich erhalten.

Die Kommission will bis Ende des Jahres einen Entwurf für einen Rechtsrahmen für die Zertifizierung von Kohlenstoffsenken vorlegen.

EU-Agrarkommissar macht sich für Carbon Farming stark

EU-Agrarchef Janusz Wojciechowski hat versprochen, Carbon Farming in den nationalen Strategieplänen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) Priorität zu verschaffen. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass Worten keine Taten folgen werden.

Verwaltungsaufwand unter den offenen Fragen

Frankreichs Fokus auf Carbon Farming wurde auch von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir nachdrücklich unterstützt.

„Land- und Forstwirtschaft spielen eine zentrale Rolle, um unserer Klimaschutzziele zu erreichen“, sagte der Grünen-Politiker bei dem Treffen am Montag. Carbon Farming stelle für Landwirt:innen „eine Chance“ dar, da es eine zusätzliche, zuverlässige Einkommensquelle biete.

Auch andere Mitgliedstaaten begrüßten die Pläne der Kommission.

„Wir glauben, dass dieser Ansatz dazu beitragen kann, die Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig unseren Landwirt:innen eine neue Einkommensquelle zu eröffnen“, sagte der slowakische Minister Samuel Vlčan.

Vlčan gab jedoch auch zu bedenken, dass eine Politik zur Kohlenstoffspeicherung finanziell kostspielig und mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden sein könnte.

„Wir sind der Meinung, dass die Kommission in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten nach anderen Finanzierungsquellen als der GAP suchen sollte“, fügte er hinzu.

EU-Kommissar Wojchiechowski hatte die Mitgliedstaaten aufgefordert, einen Teil ihrer Mittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU für Anreize zur Förderung des Carbon Farming zu verwenden.

Spanien hat bereits einige Carbon Farming-Praktiken in die sogenannten Öko-Regelungen seines nationalen GAP-Strategieplans aufgenommen, welcher der Kommission am 29. Dezember übermittelt wurde. Dazu gehören beispielsweise „großflächige Beweidung, konservierende Landwirtschaft und die Bepflanzung von Gehölzen“, erklärte der spanische Landwirtschaftsminister Luis Planas.

Mehrere Länder betonten auch, dass ein klares und zuverlässiges System für die Messung und Vergütung entwickelt werden müsse.

„Wir brauchen direkte Anreize, um die Kosten für die Land- und Bodenbewirtschaftung auszugleichen, die den Landwirt:innen entstehen würden“, sagte Planas. Vlčan fügte hinzu, es sei „wichtig, die Transparenz des Systems der Kohlenstoffgutschriften zu gewährleisten“.

Der niederländische Minister Henk Staghouwer hingegen warnte, dass „die Bemühungen um eine verstärkte Kohlenstoffentfernung und -speicherung nicht die Bemühungen um eine Verringerung der Treibhausgasemissionen untergraben sollten“.

Staghouwer schloss sich damit der Kritik von Umweltschützer:innen an. Aus deren Sicht könnten die Pläne zu einer Ausrede für Verursacher von Emissionen werden, um Klimaschutzmaßnahmen zu blockieren.

Verbände kritisieren EU-Strategie zu Carbon Farming als Symbolpolitik

Die Mitteilung der EU-Kommission über nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe, die eine neue Einnahmequelle für Landwirte verspricht, wurde am Mittwoch vom Agrarsektor  lauwarm aufgenommen und von NGOs kritisiert.

[Bearbeitet von Alice Taylor/Zoran Radosavljevic]

Subscribe to our newsletters

Subscribe