Europa ist heute bei Nahrungsmitteln abhängiger von Moskau als vor dem Krieg. Die EU habe die Energieabhängigkeit durch die Abhängigkeit von Düngemitteln ersetzt, warnte der CEO und Präsident des norwegischen Chemieunternehmens Yara.
„Wir haben deutlich gesehen, wie Russland beziehungsweise Putin Düngemittel und Lebensmittel als Waffen einsetzt“, sagte der CEO von Yara, Svein Tore Holsether, am Donnerstag (11. Dezember) vor Journalisten. Er fügte hinzu, dass „wir nicht naiv sein sollten, was als nächstes passieren könnte.“
„Wir können nicht überrascht sein, wenn wir Schocks [in diesem Sektor] haben werden“, fügte er hinzu.
Eurostat-Daten zufolge, die am Rande des Treffens vorgestellt wurden, stiegen die Stickstoffeinfuhren in die EU in der Düngemittelkampagne 2022-2023 (Juli bis Juni) im Vergleich zum vorangegangenen Zeitraum um 34 Prozent. Etwa ein Drittel der Gesamteinfuhren entfiel dabei auf Russland.
Die Harnstoffeinfuhren stiegen um 53 Prozent und verdoppelten sich damit gegenüber dem Zeitraum 2020-2021. 40 Prozent davon kamen aus Moskau. In der laufenden Saison hat sich der Trend verlangsamt, aber der Anteil des russischen Harnstoffs an den Gesamteinfuhren beträgt immer noch fast ein Drittel.
„Europa ist es gelungen, die Energieabhängigkeit von Russland in sehr kurzer Zeit zu verringern“, sagte Holsether. „Allerdings hatte dies auch seinen Preis, der sowohl für die Haushalte als auch für die Industrie enorm war.“
„Ich wäre sehr besorgt“, so Holsether weiter, „wenn wir bei den Düngemitteln schlafwandlerisch genau das Gleiche wiederholen würden wie bei der Energie.“
Die zunehmende Abhängigkeit hat auch Auswirkungen auf die Umwelt, wie Holsether betonte.
Indem sie europäische Düngemittel durch solche aus Russland oder anderen Teilen der Welt ersetzt, importiere die EU Düngemittel mit einem viel höheren CO2-Fußabdruck – „50 bis 60 Prozent höher als die europäische Produktion“, warnte er.
Holsether bezeichnete das Jahr 2024 als „ein entscheidendes Jahr“ für die EU, in dem Maßnahmen ergriffen werden, die das nächste Jahrzehnt in der Landwirtschaft bestimmen werden. Er forderte Anreize für Landwirte, um ihnen umweltfreundliche Entscheidungen zu erleichtern und gleichzeitig das Produktionsniveau zu halten.
Er forderte erneut die Schaffung eines „vorhersehbaren Finanzierungsrahmens“ für die EU-Industrie nach dem Vorbild des US Inflation Reduction Act, dem US-Subventionsprogramm zur Unterstützung des grünen Wandels.
Weitere Forderungen
Die Düngemittelproduktion ist energieintensiv und in hohem Maße von fossilen Brennstoffen, insbesondere Gas, abhängig. Experten zufolge wird es 15 bis 20 Jahre dauern, bis die Herstellung von Düngemitteln auf fossiler Basis eingestellt und auf biobasierte Lösungen umgestellt wird. Mit den richtigen Anreizen ist dies jedoch machbar.
Die lettische Delegation im Europäischen Rat hat für die nächste Tagung der EU-Agrarminister am 23. Januar eine Debatte über „Sanktionen gegen importierte russische Agrarprodukte“ beantragt.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

