‚Die Genom-Bearbeitung wird ganz oben auf der nächsten Tagesordnung des Parlaments stehen‘

"Das nächste Parlament wird bald feststellen, dass nach dem Urteil des EuGH eine erneute Gesetzgebung zu diesem Thema erforderlich sein wird", sagte der EU-Abgeordnete Paolo De Castro gegenüber EURACTIV. [shutterstock/vchal]

This article is part of our special report 2020: Die Digitalisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik.

Der genetische Schutz von Pflanzen wird in der Landwirtschaft der Zukunft immer wichtiger werden – wichtiger als die Chemie. Deshalb ist es entscheident, rechtliche Fallstricke zu lösen, die durch ein kürzlich erlassenes Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Genaufbereitung entstanden sind, sagte der EU-Abgeordnete Paolo De Castro gegenüber EURACTIV.

Der sozialdemokratische stellvertretende Vorsitzende des AGRI-Ausschusses des Europäischen Parlaments prognostiziert, dass die Debatte um die sogenannte neue Pflanzenzüchtungstechnik (NPBTs) mit Genom-Bearbeitung in der nächsten Legislaturperiode anderen Schutzmitteln die Show stehlen wird.

Die Genom-Bearbeitung geht Hand in Hand mit der Landwirtschaft 4.0: der Präzisionslandwirtschaft, dem Einsatz von Drohnen, neuen Anbaumethoden und anderen innovativen Technologien, die den Prozess der Vermeidung von Chemikalien bei Nutzpflanzen beschleunigen könnten, sagte er.

Die NPBTs seien jedoch nach wie vor das letzte große Manko bei der Regulierung der Innovation in der Landwirtschaft und sollten in den kommenden fünf Jahren unbedingt angegangen werden.

Neue Pflanzenzüchtungstechniken, die in den letzten zehn Jahren entwickelt wurden, ermöglichen die Entwicklung neuer Pflanzensorten durch die Modifizierung der DNA der Samen und Pflanzenzellen.

In einem Urteil erklärte der Europäische Gerichtshof im Juli letzten Jahres, dass Organismen, die durch Mutagenese oder Genbearbeitung aus der Pflanzenzucht gewonnen wurden, genetisch veränderte Organismen (GVO) sind und grundsätzlich unter die GVO-Richtlinie fallen sollten.

Die Industrie und die Landwirte warnten vor den wirtschaftlichen Folgen dieses Urteils, während Umweltschützer es begrüßten und meinten, es verhindere, dass „neue GVO“ durch eine Hintertür in die EU gelangen. Doch das ist vielleicht noch nicht das Ende der Geschichte.

„Das nächste Parlament wird bald feststellen, dass nach dem Urteil des EuGH eine erneute Gesetzgebung zu diesem Thema erforderlich sein wird“, sagte De Castro.

Die derzeitigen EU-Vorschriften ließen die Mitgliedstaaten im Dunkeln, ohne die Unterschiede zwischen Transgenese und Mutagenese zu klären. Das EuGH-Urteil habe die Situation nur noch verschärft, jetzt seien die Mitgliedsstaaten wieder am Ball.

In einem kürzlich mit EURACTIV geführten Interview forderte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis auch einen neuen rechtlichen Rahmen für die NPBTs.

Keine GVOs

„Die Genom-Editierung hat nichts mit Frankenstein-Lebensmitteln oder GVOs zu tun“, wiederholte De Castro und fügte hinzu, dass es sich nicht um genomische Veränderungen von einer Spezies zur anderen handelt, sondern lediglich Veränderungen beschleunigt, die spontan in der Natur stattfinden könnten.

„Wir brauchen rechtliche Klarheit über die Transgenese: über die Genmodifikation bei Arten, und über die Mutagenese, also die Genmodifikation des Erbguts“, sagte er.

Die genetische Veränderung sei eine entscheidende Innovation, da sie dazu beitragen könnte, den Einsatz von Pestiziden einzudämmen, fügte er hinzu. So könnten außerdem auch die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft eingedämmt und der durch Wasserknappheit verursachte Pflanzenstress verringert werden. Das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Klimawandel.

„Ein großer Teil unserer Hoffnungen auf landwirtschaftliche Innovationen kommt aus der Genetik, deshalb muss die EU das durch das EuGH-Urteil verursachte Problem lösen“, erklärte er.

De Castro wird jedoch nicht zu den Europaabgeordneten gehören, die in der nächsten Wahlperiode über dieses Thema diskutieren werden. Er hat angekündigt, nicht mehr für das Parlament zu kandidieren.

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