Die Bauern werden älter, der Nachwuchs will nicht

Junge Landwirte sind vielerorts die Ausnahme. [Fotokostic/Shutterstock]

Die Landwirtschaft ist mit dem Altern der Bauern und dem Unwillen der Jungen konfrontiert, die Rolle zu übernehmen. Dahinter stecken Probleme wie begrenzter Zugang zu Land, Urbanisierung und das schlechte Bild der Landwirtschaft in den Medien. EURACTIV.cz berichtet.

In der Tat ist der Generationenwechsel schwer zu bewerkstelligen, aber er ist wichtig für den Erhalt des Agrarsektors. Experten sind sich einig, dass Unterstützung für Familienbetriebe hilfreich ist, um die Jungen auf den Höfen zu halten. Um die Landwirtschaft attraktiver zu machen sei es zudem wichtig, neue Technologien zu entwickeln, die landwirtschaftliche Ausbildung zu fördern und das Image in den Medien aufzupolieren.

„Die Gesellschaft sollte stolz auf ihre Landwirte sein, da diese sich um die Nahrungsmittelsicherheit, die Natur, das Wasser, das Land und die Luft kümmern. Sie halten die Landschaft am Leben“, betonte Jiri Felcarek von der tschechischen Landwirte-Kammer die Wichtigkeit des Sektors.

Statistiken sind nicht langweilig, vor allen in der Landwirtschaft

EU-weit arbeiten 22,2 Millionen Menschen in der Landwirtschaft. Sie leben auf 10,3 Millionen Höfen. Das Durchschnittsalter der Landwirte stieg von 2004 bis 2014 von 49,2 auf 51,5 Jahre. Das ist allerdings kein rein europäischer Trend. In den USA liegt das Durchschnittsalter der Landwirte bei 58,3 Jahren.

Auf dem Weg zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020

Können die Reformvorschläge der EU-Kommission für die zukünftige Gemeinsame Agrarpolitik sowohl ausreichende Einkommen für die Landwirte als auch das Erreichen der Klimaziele garantieren?

Es fehlen die jungen Landwirte. Laut Daten der EU-Kommission vom Oktober 2017 leben nur 5,6 Prozent der jungen Landwirte in der EU. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den 28 Mitgliedsstaaten: In Rumänien, wo die Zahlen der Höfe und Landwirte im europäischen Vergleich sehr hoch sind, sind die Hälfte aller Landwirte 65 und älter. Ähnlich sieht es in Portugal aus.

Auf der anderen Seite sind auf den Höfen in Deutschland, Österreich und Polen nur zehn Prozent der Bauern älter als 65. Weitere Länder mit vielen jungen Landwirten sind Luxemburg und Dänemark, wo junge Leute fast die Hälfte der Bauernschaft ausmachen. In Portugal sind es lediglich 14 Prozent.

Land und Business-Pläne für die Jugend

Der Mangel an jungen Landwirten kann die Wettbewerbsfähigkeit der EU und die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft gefährden. Ursächlich für den Mangel an Attraktivität des Sektors sind laut einer Studie des EU-Parlamentes harte Arbeitsbedingungen, niedrige Einkommen, lange Arbeitszeiten und begrenzter Zugang zu Land und Investitionen.

In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2020 sollten diese Probleme berücksichtigt werden. Darauf hofft zumindest der für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung zuständige EU-Kommissar, Phil Hogan.

Eines der Länder, das durch das Altern der Bauern mit Problemen konfrontiert ist, ist die Tschechische Republik. Hierzulande haben junge Leute kaum Zugang zu Agrarflächen. “Die Regierung sollte es jungen Landwirten ermöglichen, Land zu pachten. Nach zehn Jahren sollten sie in der Lage sein, es zu kaufen“, empfehlen Milan Douša  und Jan Štefek von der Vereinigung junger Landwirte (YAS ČR).

Der digitale Bauernmarkt

Landwirte, die selbstbestimmt ihre Preise festlegen, ohne sich einem Diktat des Großhandels zu unterziehen – klingt wie zurück zu den Anfängen der Landwirtschaft. Dahinter verbirgt sich aber durchaus ein zukunftsträchtiges Modell.

Außerdem gebe es kaum vernünftige Business-Pläne. „Junge Landwirte sollten Business-Pläne erstellen und vorab reflektieren, was sie tun werden, auf welchem Land sie Arbeiten und Leben werden, für wen sie arbeiten und zu welchem Preis sie produzieren oder liefern werden. Zudem ist es wichtig, den Wettbewerbsdruck nicht zu unterschätzen  und die passenden Technologien auszuwählen“, erklären die Vertreter von YAS ČR.

In manchen Fällen bevorzugen es die jungen Landwirte, Land zu pachten, statt es zu kaufen. Zum Beispiel basiert in der Slowakei 95 Prozent der landwirtschaftlichen Aktivität auf gepachtetem Land. Auf der Gegenseite sind in Irland lediglich 20 Prozent der Ländereien verpachtet. In der Tschechischen Republik steigt die Zahl der Landeigentümer.

Medien sollten das Image der Landwirtschaft aufpolieren

Laut YAS ČR ist ein anderes Bild der Landwirtschaft der Schlüssel zu einer Situation in der der Generationenwechsel gelingen wird. „Wir müssen ein Bild von der Landwirtschaft schaffen, dass das freie Leben der Bauern und ihren Nutzen für die Welt in den Vordergrund stellt. So könnten auch junge Leute aus anderen Sektoren für die Landwirtschaft gewonnen werden“, sagen Douša  und Štefek.

Die Öffentlichkeit sollte über die Agrarfonds Bescheid wissen, aber auch über andere Aspekte. Laut YAS ČR sollten Agrarmessen und –medien den Sektor positive darstellen – „als funktionierenden, nachhaltigen und engagierten Wirtschaftszweig“.

Auch Felcarek ist der Meinung, dass die Landwirtschaft der Öffentlichkeit als „moderner und attraktiver Sektor, ausgestattet mit den modernsten Technologien, der etwas zu bieten hat“, präsentiert werden sollte. Diese Präsentation könnte zum Beispiel durch Präsentationen auf Höfen erfolgen. Nichtsdestotrotz sollte der erste Schritt von Schulen und Universitäten gemacht werden.

Andere Lösungen

Sowohl YAS ČR als auch die Vereinigung Privater Landwirte der tschechischen Republik (APF ČR) plädieren darüber hinaus für eine Unterstützung von Familienbetrieben und andere Ansätze, die den Generationenwechsel erleichtern. Die Zahl der Familienbetriebe ist rückläufig – und damit auch jene der jungen Bauern, die auf Höfen in Familienbesitz leben. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Gründer.

“Wenn die jungen Generationen auf Familienhöfen aufwachsen ist die landwirtschaftliche Arbeit und das Leben auf dem Land für sie normal. Sie genießen es, weil sie es nicht wie einen Job, sondern mehr wie einen Lebensweg begreifen“, sagt Šárka Gorgoňová, die Medienbeauftragte von APF.

APF beteiligt sich auch am Programm „Farm Success“, das auch durch das EU-Programm Erasmus+ co-finanziert wird. Von 2016 bis 2018 befasst sich das Programm mit der Frage, wie der Übergang von einer Generation zur anderen in der Landwirtschaft abgesichert werden kann. In diesem Rahmen arbeitet die Organisation mit Partnern aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien der Slowakei und Spanien zusammen.

Berlin und Paris sprechen sich gegen GAP-Kürzungen aus

Die Landwirtschaftsminister Frankreichs und Deutschlands haben den Vorschlag der Europäischen Kommission, den Haushalt für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2021 zu kürzen, abgelehnt.

„Jedes Land wählt sechs Höfe aus, die ihre Erfahrungen mit dem Generationenwechsel austauschen. Daraus entwickeln wir Schritt für Schritt Fallstudien“, beschreibt Gorgoňová das Projekt. „Wir sind dabei der Meinung, dass das Projekt die Erwartungen erfüllt. Es war sehr interessant, spezifische Beispiele von verschiedenen Höfen zu vergleichen, die in vielerlei Hinsicht recht ähnlich sind.“

Finanzierung für junge Landwirte

Landwirte, die bis zu 40 Jahre alt sind und einen Betrieb aufziehen wollen, können bei der EU Zuschüsse beantragen. Im Rahmen der GAP gibt es zwei Arten von Zuschüssen: den Fond für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie den Europäischen Fond für Agrargarantien. Aus beiden werden vorwiegend direkte Zahlungen an die Landwirte geleistet. Zudem können sie Mittel aus anderen Subventionsprogrammen erhalten.

Der aktuelle Vorschlag für die Agrarpolitik nach 2020 bedeutet eine Kontinuität dieser Unterstützung. Er sieht vor, dass die Mitgliedsstaaten zwei Prozent ihrer Direktzahlungen an junge Landwirte vergeben. Dadurch sollte der Lebensstandards der Landwirte und der ländlichen Gemeinden verbessert werden.

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