Deutschland und Frankreich fordern Ende des Kükentötens

Das routinemäßige Töten männlicher Küken ist in Deutschland und Frankreich ab 2022 verboten. [David Tedevosian/ Shutterstock]

Ein Ende des Kükentötens ist in Sicht: Ab Januar 2022 will der französische Landwirtschaftsminister Julien Denormandie die umstrittene Praxis verbieten. Deutschland hat dieselbe Entscheidung bereits im Mai verkündet. Gemeinsam fordern die beiden Länder nun die übrigen EU-Mitgliedsstaaten auf, ihrem Beispiel zu folgen.

Es sei „ein großer Schritt nach vorne,“ den die französischen Bürger schon lange erwartet hätten, verkündete Julien Denormandie am Sonntag (18. Juli) auf Twitter: in Frankreich soll das Kükentöten im kommenden Jahr ein Ende nehmen. Zusammen mit Deutschland wird Frankreich damit „das erste Land der Welt sein, das der Tötung männlicher Küken ein Ende setzt,“ so der französische Agrarminister.

Über 50 Millionen männliche Küken werden in Frankreich jedes Jahr kurz nach dem Schlüpfen getötet, als zukünftige Legehennen dürfen nur die Weibchen leben. Eine Praxis, die Tierschützer seit Jahren scharf kritisieren: weil sie unethisch sei, und weil den Küken vor dem Tod oft großes Leid widerfährt.

Obwohl die Europäische Union den Schutz der Tiere zum Zeitpunkt der Tötung seit 2009 mit einer Verordnung garantiert, die besagt, dass die Tiere bei der Tötung „von jedem vermeidbaren Schmerz, Stress und Leiden verschont“ bleiben müssen, nur nach Betäubung getötet werden dürfen und die „Wahrnehmungs- und Empfindungslosigkeit bis zum Tod des Tieres anhalten“ muss, ist dies in der Realität oft nicht der Fall. 

In einem wissenschaftlichen Gutachten aus dem Jahr 2019 warnt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor zahlreichen Verfehlungen in der Praxis, die für Stress und Leiden der männlichen Küken sorgen. Im Jahr 2014 hatte der französische Tierschutzverband L214 berichtet, dass Küken lebendig zermalmt oder Müllcontainer geworfen werden.

Mit all dem soll nun Schluss sein. Dank einer neuen Technik, der Geschlechtsbestimmung von Embryonen im Brutei. Ab dem 1. Januar 2022 müssen „alle Brütereien die Geräte zur Durchführung dieser alternativen Methoden entweder installiert oder bestellt haben,“ erklärte Julien Denormandie am Montag (19. Juli) am Rande eines Agrarministertreffens in Brüssel.

In Deutschland hatten Bundestag und Bundesrat bereits im Mai ein Gesetz verabschiedet, das das routinemäßige Töten männlicher Küken ab dem Jahr 2022 verbietet. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Praxis zuvor als unzulässig erklärt.

“Mit unserem Gesetz sind wir international Vorreiter,” sagte Agrarministerin Julia Klöckner zum Agrarministertreffen am Montag. Die deutsche Geflügelwirtschaft hatte das nationale Gesetz mit Blick auf ungleiche Wettbewerbsbedingungen kritisiert und ein EU-weites Vorgehen gefordert.

Deutschland und Frankreich sind also nun die ersten Länder der Welt, die den Schritt zum Ende des Kükentötens gewagt haben – aber „natürlich muss das eine politische Vision sein, die von den anderen Mitgliedsstaaten geteilt wird,“ so Julien Denormandie.

“Die Technologie steht auch anderen Mitgliedstaaten zur Verfügung. Gerne unterstützen wir die anderen Länder bei der Einführung,” sagte auch Julia Klöckner.

Mit der Unterstützung fünf weiterer Länder (Österreich, Spanien, Irland, Luxemburg und Portugal) haben Deutschland und Frankreich den übrigen Landwirtschaftsminister:innen daher am Montag ein Dokument vorgelegt, in dem sie ein EU-weites Verbot des Kükentötens fordern.

Diese „ethisch inakzeptable“ Praxis stünde nicht mehr im Einklang mit den Verpflichtungen der Europäischen Kommission, und das zu einer Zeit, in der sich die Vorschläge für mehr Tierschutz in der Union vervielfachen. Das beste Beispiel dafür: der große Erfolg der Bürgerinitiative „End the Cage Age“, die nun tatsächlich ein Ende der Käfighaltung in der EU bis 2027 eingeläutet hat.

“Das Töten einer großen Anzahl von Eintagsküken ist natürlich ein ethisches Problem,” sagte die EU-Kommissarin für Lebensmittelsicherheit Stella Kyriakides beim Treffen der Minister:innen. Sie kündigte an, dass die Kommission die anstehende Überarbeitung der EU-Tierschutzvorschriften nutzen werde, um das Thema “sehr sorgfältig zu prüfen und die bestmögliche Lösung zu finden”.

Bei allem Ehrgeiz darf jedoch nicht vergessen werden, dass dieses Engagement seinen Preis hat. “Wir begrüßen neue Technologien für die Geschlechtsbestimmung von Küken im Ei, allerdings ist das Einführen solcher Technologien natürlich kostspielig,” sagte der tschechische Vertreter, Jaroslav Zajíček, während der Sitzung. Dies könne gerade für kleinere Erzeuger ein Problem darstellen.

Obwohl der französische Agrarminister bereits ein „massives“ Engagement des Staates mit einer Investition in Höhe von 10 Millionen Euro im Rahmen des französischen Wirtschaftsplans France Relance zugesagt hat, werden mit dem Umstieg auf die neue Technik erhebliche Zusatzkosten auf die Industrie zukommen.

Dasselbe gilt letztlich auch für die Verbraucher: Wie der Präsident des Nationalen Komitees zur Förderung von Eiern in Frankreich am Sonntag warnte, werden die Eier bald „unweigerlich teurer werden“.

Unterstützer

Measure co-financed by the European Union

Der Inhalt dieses Berichts oder dieser Veröffentlichung gibt ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wieder, der/die allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

From Twitter

Subscribe to our newsletters

Subscribe