Deutschland startet Dialog zu nachhaltigen Ernährungssystemen

Im Vorfeld des internationalen Food Systems Summit der Vereinten Nationen im September hat das Bundeslandwirtschaftsministerium diese Woche mit einer Konferenz den nationalen Vorbereitungsprozess gestartet. Doch es gibt Kritik am Format der Debatte.

Unter dem Titel “Wege zu nachhaltigen Ernährungssystemen” haben sich bei der dreitägigen Konferenz Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Politik, Landwirtschaft, Wissenschaft und Gesundheit, darüber ausgetauscht, wie Ernährung und Lebensmittelerzeugung in Zukunft aussehen könnten.

Dieser Dialog soll laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium den Prozess zur Entwicklung des deutschen Beitrags für den Food Systems Summit, den Welternährungsgipfel der Vereinten Nationen (UN) im September beitragen.

“Der UN Food Systems Summit bietet die Chance, uns ehrlich zu machen, nachzujustieren, wo es nötig ist,” so der parlamentarische Staatssekretär Uwe Feiler, der in Vertretung für Agrarministerin Julia Klöckner die Veranstaltung eröffnete.

“Am Ende des Prozesses soll ein gemeinsamer Aktionsplan stehen, mit konkreten Maßnahmen,” fügte er hinzu.

Erklärtes Ziel des UN-Gipfels ist es, einen Impuls für die Transformation des Welternährungssystems zu geben und damit einen Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele zu leisten, die sich die UN in ihrer Agenda 2030 gesetzt haben.

Zu diesen Zielen gehören unter anderem die Beendigung der Armut und des Welthungers, die Bekämpfung des Klimawandels und der Schutz natürlicher Ressourcen.

Im Vorfeld des Gipfels hat UN-Generalsekretär António Guterres dazu aufgerufen, in nationalen Debatten Lösungsansätze zu identifizieren.

Aktivist:innen äußern jedoch Kritik an der Organisation des deutschen Dialogs.

“Es ist in dieser Krise ganz wichtig, dass wie tatsächlich alle mitnehmen,” so die Agrarwissenschaftsstudentin Lucia Parbel, die bei der Konferenz die Klimaschutzbewegung Fridays for Future vertrat, während einer Paneldiskussion am Eröffnungstag.

“Mich hat in den letzten Tagen Kritik erreicht, dass in diesem Panel genau die nicht vertreten sind, die im aktuellen Ernährungssystem am meisten marginalisiert sind,” erklärte sie.

Dies seien laut Parbel beispielsweise Frauen oder sozial schwächere Gruppen. Auf internationaler Ebene gehe es vor allem darum, indigene Völker in die Debatte einzubeziehen.

“Wir sind in sehr enger Kooperation mit den indigenen Völkern,” erklärte Joachim von Braun vom wissenschafltichen Beirats des Gipfels und wies die Kritik ab.

Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, betonte die Rolle der Landwirtschaft für die Bekämpfung des Welthungers.

“Die Situation ist wirklich dramatisch, wir müssen hier dringend etwas tun,” so Mogge.

“Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Massentierhaltung, wie wir sie unter anderem hier in Europa haben, so nicht mehr tragbar ist,” fügte er hinzu.

Ein weiteres zentrales Thema der dreitägigen Debatte war die Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit in der Lebensmittelerzeugung.

“Da geht es um Klimafreundlichkeit – das muss unterlegt werden mit Maßnahmen und Instrumenten,” sagte Harald Grether, Professor für Internationalen Agrarhandel und Entwicklung an der Humboldt-Universität zu Berlin.

So müsse  beispielsweise die Düngepolitik verbessert, Moore wiederbewässert und Tierwohl gestärkt werden.

Der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Werner Schwarz, betonte jedoch, wenn Ernährung auch ökonomisch nachhaltig sein solle, bräuchten Landwirtinnen und Landwirte eine finanzielle Perspektive.

“Wenn Landwirte für Leistungen nicht angemessen honoriert werden, laufen sie in vielen Bereichen an der Grenze zur Unwirtschaftlichkeit,” so Schwarz.

Cornelia Berns, die Beauftragte des Ministeriums für den Nationalen Dialog, wies auf die Rolle der EU hin, bei der “Deutschland sich auch auf europäischer Ebene einbringt, mit dem Ziel, faire, gesunde und umweltfreundlich Ernährungssysteme zu schaffen“.

Im Mai diesen Jahres hatten die Agrarminister:innen Schlussfolgerungen verabschiedet, die die Bedeutung des Gipfels betonen und zentrale Anliegen der EU hierfür identifizieren.

In dem Papier erklären sie außerdem, dass im Rahmen der Flaggschiff-Strategien der EU in diesem Bereich, dem Green Deal und der “Farm-to-Fork”-Strategie, eine Reihe an Maßnahmen in Planung seien.

So wolle die EU unter anderem einen Rechtsrahmen für nachhaltige Ernährungssysteme sowie einen Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Geschäfts- und Marketingmethoden auf den Weg bringen.

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