Deutschland fordert Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Eier in der EU

Agrarministerin Julia Klöckner dringt auf eine verpflichtende Kennzeichnung zur Haltungsform der Hennen für Eierprodukte. [Shutterstock.com]

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat vorgeschlagen, dass auf Lebensmitteln, die verarbeitete Eier enthalten, künftig Informationen zur Haltungsform der Legehennen abgedruckt werden müssen. Viele ihrer europäischen Kollegen äußerten jedoch Bedenken über den zusätzlichen Verwaltungsaufwand, der hieraus entstehen könnte.

In einer informellen Videokonferenz der EU-Agrarminister in der vergangenen Woche hat Klöckner die Europäische Kommission aufgefordert, Entwürfe für ein verpflichtendes Etikettierungssystem für ei-haltige Produkte auszuarbeiten.

Auf rohen Eiern muss die Haltungsform der Legehennen bereits als Teil der Kennnummer des Erzeugerbetriebs angegeben werden, durch Ziffern von 0 für Bio- bis 3 für Käfighaltung.

Der Vorschlag würde ein ähnliches System auf Mayonnaise, Backwaren, und andere Ei-haltige Lebensmittel ausweiten.

“Viele Verbraucher wünschen sich Transparenz, […] sie möchten über die Lebensbedingungen von Tieren Bescheid wissen”, sagte Klöckner während des Treffens. Die Haltungsform stehe mit dem Tierwohl der Legehennen in Zusammenhang.

Im Rahmen der neuen EU-Lebensmittelpolitik, der Farm to Fork-Strategie, “möchten wir auch die menschliche Gesundheit verbessern, und dies ist ein Weg, dies zu tun”, so Klöckner.

Klöckners Vorstoß kommt nur wenige Monate nachdem die Minister im Dezember 2020, unter damals deutscher Präsidentschaft im Agrarrat, Pläne für ein europäisches Tierwohllabel verabschiedet hatten.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides begrüßte die Vorschläge und betonte, die Kommission arbeite bereits an dem Thema.

Während aktuell mehr als die Hälfte aller Legehennen in Käfigen gehalten würden, könne eine erweiterte Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Eier “den Wechsel zu nicht Käfig-basierten Haltungsformen beschleunigen”, so die Kommissarin.

Kyriakides wies auch auf eine von der Kommission ins Leben gerufene Arbeitsgruppe zu Tierschutzlabels hin, die noch vor dem Sommer ihre Ergebnisse vorstellen solle.

Sie kündigte außerdem an, dass die Kommission eine externe Studie zum Thema in Auftrag geben werde und eine erweiterte Kennzeichnungspflicht für Ei-haltige Produkte im Rahmen der Farm to Fork-Strategie in Betracht ziehe.

Viele der Minister äußerten während des Treffens am Montag jedoch Bedenken darüber, dass die Vorschläge Lebensmittelhersteller zusätzlich belasten könnten.

“Wir möchten nicht die Bürokratielast für Betriebe erhöhen, was wir tun muss also auf eine Weise geschehen, die ihnen nicht das Leben schwer macht”, sagte Italiens Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli, obwohl er die Initiative im Allgemeinen befürwortete.

Griechenlands Minister Spilios Livanos plädierte indessen dafür, dass die EU in Sachen Tierwohl-Kennzeichnung nicht über bereits bestehende Maßnahmen hinausgehen sollte.

“Haltungsstandards stehen nur indirekt mit Tierwohl und ökologischen Folgen in Verbindung. […] Wir müssen sichergehen, dass Lebensmittelunternehmen durch all dies nicht übermäßig belastet werden.”

Der irische Minister Charlie McConalogue erinnerte an die Beschlüsse, die der Agrarrat im Dezember zur Tierwohl-Kennzeichnung getroffen hatte.

“Diese Vorschläge werden ein umfassende Folgenabschätzung erfordern. […] Es wäre vernünftig, zunächst die Ergebnisse hiervon abzuwarten”, bevor weitere Kennzeichnungspflichten vorangetrieben werden.

Mehrere Länder, darunter Ungarn und Bulgarien, meldeten außerdem Bedenken in Sachen Wettbewerbsgleichheit für Lebensmittelhersteller in der EU an.

“Eine Kennzeichnungspflicht würde den gemeinsamen Binnenmarkt verzerren und ungerechtfertigte Wettbewerbsnachteile für Betreiber schaffen”, so Ungarns Minister Zsolt Feldman.

Die deutsche Geflügelindustrie begrüßte die Initiative und wies darauf hin, dass deutsche Eierproduzenten sich bereits seit Langem für eine Kennzeichnungspflicht für verarbeitete Eier einsetzten.

“Es braucht hier dringend eine EU-weit geltende Regelung, denn mehr als die Hälfte der Eier werden über verarbeitete Lebensmittel konsumiert”, so Henner Schönecke vom Bundesverband Ei. Die Branche sei gerne bereit, politische Akteure bei der Umsetzung einer EU-weiten Herkunftsbezeichnung zu unterstützen.

Tierschützer lobten Klöckners Vorschlag als Schritt in Richtung eines umfassenden Kennzeichnungssystems für alle tierischen Produkte.

“Das Label muss klar und präzise die Methoden ausweisen, die während der Produktion für Aufzucht, Transport und Schlachtung angewandt werden”, so Inês Ajuda, Leiterin des Nutztier-Programms der Tierschutzorganisation Eurogroup for Animals auf Anfrage von EURACTIV.

Ähnlich wie es derzeit für rohe Eier der Fall ist, solle das neue Label Standards “vom gesetzlichen EU-Mindeststandards bis zum Premiumniveau” abdecken.

Unterstützer

Measure co-financed by the European Union

Der Inhalt dieses Berichts oder dieser Veröffentlichung gibt ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wieder, der/die allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

From Twitter

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN