Deutsche Landwirte fürchten erneuten Dürresommer

Schon jetzt ist es in einigen Regionen Deutschlands außergewöhnlich trocken mit nur einem Fünftel des normalen Niederschlags. [Edgar G Biehle/ Shutterstock]

Es regnet kaum, und die deutschen Landwirte fürchten einen weiteren Dürresommer -zusätzlich zur Corona-Pandemie. Man behalte die Situation im Auge, so das Landwirtschaftsministerium, konkrete Maßnahmen sind bislang aber nicht geplant.

Nach Wochen der Trockenheit machen sich deutsche Landwirte zunehmend Sorgen angesichts einer drohenden Dürre, die neben der Coronavirus-Pandemie eine zusätzliche Belastung darstellen würde. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes sind in einigen Regionen seit Mitte März nur zehn Liter Wasser statt der üblichen 50 pro Quadratmeter gefallen. Eine erste Regenprognose zeigt auch bis zum 4. Juni kaum Niederschlag, außer im Nordosten Deutschlands.

„Wenn es weiter so trocken bleibt, könnte es wieder ein sehr schwieriges Jahr für die deutsche Landwirtschaft werden,“ so Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes am Mittwoch gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Ein drittes Dürrejahr in Folge würde viele unserer Betriebe noch härter treffen als die letzten.“ Hinzu kommt die Gefahr durch Schädlinge auf den Feldern und im Wald, denen der milde Winter und die anhaltende Trockenheit zugutekommt. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände warnt, der ausschwärmende Borkenkäfer sei bereits ein Vorbote einer anstehenden Dürre.

Am Mittwoch hatte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einer Videobotschaft beteuert, ihr Ministerium beobachte die Lage sehr genau und werde gegebenenfalls stabile Rahmenbedingungen schaffen, um Landwirten zu helfen. Konkrete Maßnahmen nannte sie bisher nicht. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, kritisierte sie dafür: „Statt Maßnahmen vorzulegen, wie die Landwirtschaft sich dem Klimawandel und zukünftigen Extremwetterereignissen anpassen kann, stolpert sie von einer Krise in die nächste.“ Es sei Zeit, dass die Ministerin eine Ackerbaustrategie vorlege, die Wege für eine klimaresiliente Landwirtschaft aufzeigt.

Auch Bauernpräsident Rukwied sprach sich für eine aktive Klimapolitik aus: „Es wäre schlichtweg unklug, den Klimaschutz hintanzustellen, auch wenn jetzt die Bewältigung der Corona-Pandemie im Fokus steht.“

Europas wärmstes Quartal seit 100 Jahren

Die ersten drei Monate dieses Jahres bildeten das bisher wärmste Quartal seit 100 Jahren. Nach Angaben des europäischen Copernicus-Dienstes war schon vergangenes Jahr das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Europa, die Jahresdurchschnittstemperatur lag 1,24 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Von den zwölf wärmsten Jahren in Europa fielen elf in die Jahre zwischen 2000 und 2019.

Zuletzt hatte anhaltenden Trockenheit im Jahr 2018 zu einer massiven Dürre in Deutschland geführt, in einigen Regionen waren Umsatzausfälle von bis zu 70 Prozent festgestellt worden. Damals zahlte die Bundesregierung Dürrehilfen in Höhe von 228 Millionen Euro aus.

Sollte es diesen Sommer zu einer erneuten Dürre kommen, wäre das eine zusätzliche Belastung neben der Corona-Pandemie, die sich sowieso schon stark auf Absatzmärkte, Transport- und Lieferketten der Landwirtschaft auswirkt. Gestern verkündete die EU-Kommission auf Drängen der Mitgliedsstaaten und Bauernverbände weitere Hilfen an. Mithilfe von delegierten Durchführungsrechtsakten sollen unter anderem Marktinterventionen wie die private Lagerhaltung von Milch- und Fleischprodukten möglich werden. Laut einem von EURACTIV eingesehenen Dokument stehen dafür 76 Millionen Euro bereit.

Anfang April war ein erstes Paket erlassen worden, das Landwirten günstige Kredite ermöglicht, die Vorauszahlungen für Direktzahlungen erhöht und Fristen für Zahlungen und Berichte verlängert.

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