Deutlich weniger Dorsch und Hering – EU legt Fangquoten für Ostsee fest

In der für deutsche Fischer wichtigen westlichen Ostsee sinkt die Quote für Hering um 65 Prozent und für Dorsch um 60 Prozent, wie die Minister beschlossen. [shutterstock]

Die EU hat die Fangmöglichkeiten der Ostseefischer im kommenden Jahr für alle Fischarten teils deutlich abgesenkt. Besonders für Dorsch und Hering einigten sich die EU-Fischereiminister am späten Montagabend in Luxemburg auf eine starke Reduktion der Fangquote. Die Bundesregierung setzte sich aber mit ihren Forderungen nach „moderateren“ Kürzungen als von der EU-Kommission vorgeschlagen durch. Von Umweltverbänden kam Kritik.

In der für deutsche Fischer wichtigen westlichen Ostsee sinkt die Quote für Hering um 65 Prozent und für Dorsch um 60 Prozent, wie die Minister beschlossen. Dorsch darf in den restlichen Gewässern demnach nur als Beifang sowie von Fischkuttern von weniger als zwölf Metern Länge gefischt werden. Die Mitgliedstaaten verlängerten damit ein im Juli per Sofortmaßnahme durch die EU-Kommission verhängtes teilweises Fangverbot.

Zudem sieht die Einigung eine Ausweitung der Schonzeiten für den westlichen Dorsch vor: In den westlichsten Gewässern der Ostsee muss im Februar und März der Dorschfang ausgesetzt werden, in den Gewässern rund um die Insel Rügen im Juni und Juli. Die Tageshöchstmenge für Freizeitfischer wird laut der Einigung von sieben auf fünf Exemplare abgesenkt.

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Die Kommission hatte für Hering und Dorsch in den wichtigsten Fanggebiet deutscher Ostsee-Fischer noch stärkere Einschnitte vorgeschlagen. Die maximalen Fangmengen sollten jeweils um rund 70 Prozent gekürzt werden, die Schonzeit für Dorsche von Januar bis einschließlich März gelten und Angler nur noch zwei Dorsche am Tag fangen dürfen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte diese Pläne vor den Verhandlungen mit ihren Ministerkollegen als „extreme Kürzungen“ bezeichnet. Es sei wissenschaftlich vertretbar, „etwas moderater zu kürzen“. Die Abweichungen der Einigung der Mitgliedstaaten vom Vorschlag der Kommission decken sich nun in etwa mit den Forderungen aus Berlin.

Mit Verweis darauf, dass weitere Senkungen der Gesamtfangmengen angesichts der Situation der Bestände aber grundsätzlich unausweichlich seien, hatte sich die CDU-Politikerin zuvor besorgt über drohende Stilllegungen von Fischereibetrieben gezeigt. Hermann Onko Aeikens, Staatsekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, begrüßte in diesem Zusammenhang, dass der Einigung zufolge vorübergehende und dauerhafte Stilllegung von Fischereifahrzeugen staatlich gefördert werden dürfen.

Dass dies nötig sein wird, glaubt der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer: Einige größere Schleppnetzfahrzeuge hätten mit den geringen Quoten keine Perspektive mehr, erklärte der Verband. „Andere werden versuchen, 2020 irgendwie zu überleben, weil sie für 2021 mit höheren Quoten rechnen.“

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Die EU weigert sich seit 2013, ein Freihandelsabkommen mit Thailand zu unterzeichnen, da Fischer dort unter sklavenartigen Bedingungen arbeiten. Bald sollen die Gespräche aber wieder beginnen. Doch die Lage bleibt bedenklich.

Niclas Herbst, CDU-Abgeordneter im EU-Parlament, kritisierte die „erratische Verfahrensweise von Rat und Kommission“: Für 2019 war die Fangquote für Dorsch in der westlichen Ostsee noch um 70 Prozent angehoben worden. Wegen der Absenkung der Tagesmenge für Freizeitfischer sieht Herbst den Wassertourismus in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in Gefahr.

Von Umweltverbänden kam allgemein scharfe Kritik an den neuen Quoten. Die Organisation Seas at Risk bemängelte, dass die Mitgliedstaaten mit der Hälfte der beschlossenen Quoten wissenschaftliche Empfehlungen ignoriere, um das selbst gesetzte Ziel zu erreichen, bis 2020 alle Arten nachhaltig zu befischen.

„Der westliche Dorsch erfährt nicht die Schonung, die er dringend benötigt, um über 2020 hinaus die Mehrheit der Fänge für die deutsche Ostseefischerei zu liefern“, erklärte Stella Nemecky, Fischereiexpertin des WWF. Die Fischerei sei zwar nicht alleine für die niedrigen Bestände verantwortlich, auch etwa Überdüngung, Lebensraumzerstörung und Verschmutzung trügen ihren Teil dazu bei. Aber „mit einem kollabierenden Ökosystem kann man keinen Kompromiss schließen“, warnte Nemecky.

Die EU-Minister legten am Montagabend in Luxemburg außerdem die maximalen Fangmengen für Lachs, Scholle und Sprotte fest. Bei der Lachsfischerei ergeben sich demnach nur geringfügige Änderungen. Für Scholle sinkt die Quote um 32 Prozent, für Sprotte um 22 Prozent. Eine leichte Erhöhung der Fangmöglichkeiten wurde lediglich für Hering vor der Küste Litauens beschlossen.

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