Der digitale Bauernmarkt

Digitale Bauernmärkte koennten in Zukunft eine Alternative für den Direktvertrieb von landwirtschaftlichen Produkten sein. [shutterstock/minerva studio]

This article is part of our special report Kurze Lebensmittelketten für Europas Norden.

Landwirte, die direkt mit dem Kunden in Kontakt stehen und selbstbestimmt ihre Preise festlegen, ohne sich einem Diktat des Großhandels zu unterziehen – klingt wie zurück zu den Anfängen der Landwirtschaft. Dahinter verbirgt sich aber durchaus ein zukunftsträchtiges Modell.

Kurze Lieferketten heißt die Idee, die so neu nicht ist. Direktverkauf durch Klein-Produzenten, solidarische Landwirtschaften oder der Selbstbedienungscontainer für regionale Produkte sind schon längst voll im Trend. Auch, das Lebensmittel-Discounter in Deutschlands Großstädten ihr Sortiment über externe Lieferdienste zum Kunden bringen.

Warum also nicht auch regionale Lebensmittel zu fairen Preisen – nicht vom Discounter, sondern direkt vom Bauern um die Ecke? Digitaler Bauernmarkt beschreibt ein neues Konzept, welches das Internet als Marktplatz für landwirtschaftliche Produkte nutzt und das mehr will, als nur den Weg zwischen Produzent und Verbraucher „digital“ zu verkürzen.

Fairere Preise für kleine landwirtschaftliche Betriebe, die Ausrichtung der neuen europäischen Agrarpolitik verspricht nach Aussagen von EU-Kommissar Hogan, dass das Wachstum immer größer werdender Betriebe nicht mehr länger unterstützt werden soll. Dazu soll die eigens dazu eingesetzte Taskforce „Agrarmärkte“ (AMTF) konkrete Vorschläge für die Stärkung der Position der Landwirte in der Lebensmittelversorgungskette erarbeiten. Einer davon sieht die Umverteilung von Agrarfördergelder auf kleinere Betriebe vor.

Das klingt auf dem Papier zwar gut, doch Kleinproduzenten wie Michael Beyer bleiben skeptisch, dass sich ihre Situation dadurch wirklich verändert wird. “Was wir alle, Produzenten und Verbraucher brauchen, ist eine komplette Neuorientierung der europäischen Landwirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit”, so Beyer. Heute bestimmten wenige Handelsketten und Konzerne, was täglich auf europäischen Tellern landet. Darunter leiden nicht nur Vielfalt und Qualität. Kleinproduzenten und Landwirte müssen ihre Betriebe schließen.

Alles Gründe, warum Beyer und viele vorwiegend junge Landwirte nach neuen Absatzmöglichkeiten, die Start-ups wie der neue Online-Hofladen markta aus Österreich bieten. Dort kann sich Michael Beyer seinen eigenen Online-Marktstand einrichten, auf dem er seine Produkte potentiellen Kunden direkt anbietet. Er hat gute Chancen, dass er auf dem am 1. März 2018 gestarteten digitalen Bauernmarkt viele Abnehmer findet. Beyer bietet nämlich  inzwischen seltene historische Gemüsesorten an, die in Supermärkten selten bis gar nicht zu finden sind, aber durchaus im Trend einer ernährungsbewussten und zahlungskräftigen Zielgruppe liegen. Gerade für solche regionalen Nischenprodukte könnten digitale Bauernmärkte eine gute Möglichkeit für den Direktvertrieb sein und der zunehmenden Digitalisierung des Lebensmitteleinzelhandels durch Amazon & Co. die Stirn bieten.

Noch ist der logistische Aufwand verhältnismäßig groß, doch das Team des Online-Marktplatzes Markta plant den Ausbau der Zusammenarbeit mit Nahversorgern in den Ballungszentren. Hauptanliegen virtueller Marktstände wie markta bleibt aber nach wie vor, industrielle Vertirebsstrukturen umzukrempeln und die Handelsbeziehungen für die kleinen Erzeuger fairer zu gestalten. Die Bauern sollen mehr Autonomie über Preise und Produktionsbedingungen erhalten – und so im globalen Preiskampf mithalten können.

Da laut Eurostat nur 21 Prozent des Verkaufspreises bei den Bauern bleiben, sind die Provision von 20 Prozent, die markta erhebt, aus Beyers Sicht wesentlich fairer.  Sollten sich also digitale Bauernmärkte in Zukunft durchsetzen, könnten sie wegen höherer Einkommen für Landwirte, dem Zugang für Verbraucher zu frischen und saisonalen Produkten, kürzerer Transportwege und weniger Verpackung sowie einem stärkeren sozialen Zusammenhalt auf lokaler Ebene durchaus eine sinnvolle Alternative zum Supermarkt sein.

Subscribe to our newsletters

Subscribe