Corona-Pandemie: Herausforderung für weltweite Lebensmittel-Versorgung

Deutschland produziert seine Grundnahrungsmittel im wesentlichen selbst. Doch das trifft nicht auf alle Länder zu. [TY Lin/ Shutterstock]

Die rasante Ausbreitung der Corona-Seuche über die ganze Welt setzt auch die Lebensmittel-Versorgung unter Druck. Hamsterkäufe in vielen Ländern erschweren die Lage.

Erste asiatische Länder verhängten Exportstopps für Grundnahrungsmittel wie Reis, während in Europa die Reisebeschränkungen für Erntehelfer Sorgen machen, wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Donnerstag in Berlin sagte. Klöckner zeigte sich für die Versorgung dennoch entspannt: “Wir werden nicht verhungern.” Deutschland produziert seine Grundnahrungsmittel im wesentlichen selbst.

Der Irak hingegen ist auf der Suche nach einer Million Tonnen Weizen und 250.000 Tonnen Reis. Vietnam als drittgrößtes Reis-Ausfuhrland und Kasachstan als Weizen-Exporteur kündigten Ausfuhrbeschränkungen an.

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Die deutsche Logistikbranche und der Lebensmittelhandel ergreifen gemeinsame Maßnahmen, um die Sicherung mit Lebensmitteln zu sichern. Probleme bestehen weiterhin aber bei Erntehelfern.

Probleme im Warenverkehr

Obwohl Europa grundsätzlich den Warenverkehr über Grenzen trotz Reiseverboten aufrecht halten will, kommt es immer wieder zu Behinderungen. So ist etwa der Einsatz osteuropäischer Lkw-Fahrer problematisch, da bei Rückreise häufig eine zweiwöchige Quarantäne droht. Erntehelfer dürfen ohnehin grundsätzlich nicht mehr einreisen. “Die Personal-Situation ist hier teilweise sehr angespannt”, sagte Klöckner nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts.

Der Düngemittel-Produzent K+S wurde nach eigenen Angaben von der Bundesregierung inzwischen als systemrelevant für die Lebensmittelversorgung anerkannt. Ein Schließung der Werke drohe daher bei einer weiteren Ausbreitung der Pandemie nicht, sagte ein Firmensprecher.

Deutschlands größter Agrarhändler BayWa macht sich dennoch Sorgen um den Nachschub an Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Die Lieferketten seien “durchaus beeinträchtigt”, räumte Vorstandschef Klaus Josef Lutz ein. “Derzeit sind wir gegenüber unseren Landwirten ohne Einschränkung lieferfähig.” Vor allem wenn sich die Lage an den Binnengrenzen in Europa in den nächsten Wochen nicht ändere, könne es aber zu Unterbrechungen kommen. Bei Dünger sei Deutschland auf Importe aus anderen EU-Staaten angewiesen.

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Weder die Supermärkte sollen schließen, noch kommt es zu Problemen bei der Lebensmittelproduktion, betont Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Auf europäischer Ebene spreche man über Möglichkeiten, grenzüberschreitende Lebensmitteltransporte zu vereinfachen.

Preise an Agrar-Börsen steigen

Die Hamsterkäufe in vielen Ländern erschweren die Lage: In Großbritannien registrierte die Handelskette Ocado am Dienstag eine zehnfach höhere Nachfrage als üblich. Das Land sei aber gut versorgt, sagte Ocado-Chef Stuart Rose der BBC.

Auf den weltweiten Agrarmärkten macht sich die angespannte Lage bereits bemerkbar. “Die Menschen werden nervös”, sagte Phin Ziebell, Agrarexperte der National Australia Bank. Neben Vietnam schränkt auch Indien die Reis-Exporte ein, da das Land praktisch unter Ausgangssperre steht. Der Preis für das Getreide stieg auf den höchsten Wert seit 2013. An der Börse in Chicago kostete die Weizenlieferung rund zehn Prozent mehr als vor einer Woche. Händler betonten jedoch, auf der Welt würden mehr als ausreichend Grundnahrungsmittel produziert.

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