„Conservation Agriculture“: Immer vorsichtig mit den Böden

Die F2F-Strategie soll für mehr Bio und weniger Pestizide sorgen. Dazu muss es laut den EU-Staaten jedoch "wissenschaftlich fundierte Folgenabschätzungen" geben. [SHUTTERSTOCK]

Obwohl sie im aktuellen Agrarsubventionsprogramm der EU nur geringfügig berücksichtigt wird, dürfte die sogenannte „konservierende Landwirtschaft“ eine zentrale Rolle in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 spielen.

Der Begriff „Conservation Agriculture“ (CA) kann leicht falsch interpretiert werden, da der Begriff „Konservierung“ oft Aktivitäten bezeichnet, die die Erhaltung und Wiederherstellung von geschädigten natürlichen Lebensräumen zur Verbesserung der Biodiversität beinhalten. Doch während die CA zwar auch die biologische Vielfalt fördern soll, dreht sie sich meist vielmehr um Fragen, die sich auf ein anderes Problem beziehen: die Schädigung der Böden.

Die organische Substanz der Böden ist durch die Intensivierung der Landnutzung und durch Monokulturen zunehmend erschöpft, während der Einsatz schwerer Maschinen den Boden durch Bodenverdichtung zusätzlich belastet.

In der CA soll dem mit einer Reihe von landwirtschaftlichen Praktiken entgegengewirkt werden, wie beispielsweise dem Anbau einer dauerhaften schützenden Pflanzendecke auf dem Boden und dem Eintreten für ein landwirtschaftliches Produktionssystem, das auf einer vollständigen – oder zumindest teilweisen – Reduzierung des Pflügens und der Bodenbearbeitung basiert.

Laut der European Conservation Agriculture Federation (ECAF) basieren die in der CA enthaltenen agronomischen Praktiken auf drei Kernprinzipien, die gleichzeitig erfüllt werden müssen: minimale Bodenbeeinträchtigung, Erhaltung einer dauerhaften Bodenbedeckung und Vielfalt der Anbausysteme. Die Befürworter argumentieren, diese Praktiken könnten wirtschaftliche Einsparungen für die Landwirte in Bezug auf die Energieeffizienz bringen und gleichzeitig zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Agrarsystems mit Blick auf den Klimawandel beitragen.

Direktsaat: Alte Technik plus neue Technologie gegen aktuelle Herausforderungen

EURACTIV.com sprach mit dem Landwirt Trey Hill, dessen Ansatz in der Landwirtschaft das Potenzial der Direktsaat erforscht – eine Praxis, die seiner Ansicht nach zu den Nachhaltigkeitszielen der EU beitragen kann, auch wenn einige sie als „technologisch rückständig“ abtun.

Unter den CA-Praktiken sind Direktsaat und Bodenbedeckung („Groundcover“) die bekanntesten. Bei der Direktsaat werden die Pflanzen gesetzt, ohne den Boden zuvor zu bearbeiten. Zu Letzterem zählen sonst übliche Praktiken wie Pflügen, Lockern und Wenden.

Obwohl Direktsaat (und auch das Pflanzen mit reduzierter Bodenbearbeitung) dazu beitragen können, Erosion zu verhindern, haben sich diese Praktiken in Europa bisher nur schleppend durchgesetzt: Nach Angaben der Europäischen Kommission werden „reduzierte Bodenbearbeitung“ oder „konservierende Bodenbearbeitung“ auf rund 21,6 Prozent des Ackerlandes in der EU praktiziert, während Direktsaat nur auf vier Prozent des landwirtschaftlichen Nutzbodens angewendet wird.

In einer im vergangenen März eingereichten parlamentarischen Anfrage stellte die bulgarische Europaabgeordnete Atidsche Bajrjamowa Aliewa-Weli der EU-Exekutive die Frage, ob sie künftig die Einführung der Direktsaattechnik fördern werde, indem derartige Praktiken als „grüne Maßnahme“ in der neuen GAP nach 2020 gelistet werden. Aus Sicht der liberalen Parlamentarierin „ist die Direktsaattechnologie ein Ansatz, der als eine regenerative Form der Landwirtschaft gefördert werden sollte. Eine Form der Landwirtschaft, die nicht nur hohe Erträge, sondern gleichzeitig auch die Bodenregeneration gewährleistet.“

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Angesichts der spürbaren Effekte des Klimawandels beschäftigen sich die Weinbauer im Languedoc mit Anpassungen in ihrer Arbeitsweise – und bei der Auswahl der Rebsorten. EURACTIV Frankreich berichtet.

In ihrer Antwort an Aliewa-Welli erkannte die Kommission die umwelt- und klimabezogenen Vorteile der „Verringerung mechanischer Störungen“ der Böden an und fügte hinzu, dass die GAP bereits spezifische Praktiken zum Schutz des Bodens vor Degradation unterstütze, darunter minimale oder gar keine Bodenbearbeitung, die Erhaltung von Ernterückständen und auch abdeckende Pflanzen.

Ziel ist es, die Böden möglichst das ganze Jahr über bedeckt zu halten, sei es mit Rückständen der Nutzpflanzen oder mit Zwischen- bzw. speziellen „Deckpflanzen“. Solche „Deckkulturen“ gelten als effizient bei der Reduzierung von Boden- und Nährstoffverlusten.

In der gesamten EU waren im Winter 2010 rund 44 Prozent der Ackerfläche mit normalen Winterkulturen, fünf Prozent mit Deck- oder Zwischenfrüchten und neun Prozent mit Pflanzenresten bedeckt, während 25 Prozent als nackter Boden belassen (und 16 Prozent der Ackerfläche nicht erfasst) wurden.

CA in der GAP

Schon im aktuellen Agrarsubventionsprogramm der EU wurde eine Reihe CA-relevanter Maßnahmen in die Politik zur ländlichen Entwicklung – der zweiten Säule der GAP – aufgenommen. Die Mitgliedstaaten und Regionen können diese Maßnahmen je nach ihren spezifischen Bedürfnissen und Prioritäten in ihre ländlichen Entwicklungsprogramme aufnehmen.

Einige Aspekte im Zusammenhang mit den Hauptprinzipien der „konservierenden Landwirtschaft“ wurden auch im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon2020 und der Europäischen Innovationspartnerschaft für Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft unterstützt.

Der tatsächliche Fortschritt bei der Einführung von CA wird jedoch erst in der GAP-Reform nach 2020 erwartet: Derartige „konservierende“ Landwirtschaftspraktiken dürften im Streben nach einer „grünen Architektur“ des Programms besonders gefördert werden, insbesondere im Rahmen der sogenannten „Eco-Schemes“.

"Es ist Zeit, eine Diskussion über einen totalen Wandel in der Agrarpolitik einzuleiten"

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Eco-Schemes sind im Rahmen der GAP-Direktzahlungen verfügbar. CA-Praktiken werden in drei von zehn „Guten landwirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen“ der neuen Eco-Schemes geführt und umfassen Rotation, Nichtpflügen, Bodenbedeckung, Winterkulturen und Fruchtfolge.

Die Eco-Schemes zielen darauf ab, Landwirte dafür zu belohnen, dass sie bei der Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken voranschreiten und über die ohnehin festgelegten obligatorischen Anforderungen hinausgehen.

Wie von der Kommission in der zukünftigen GAP nahegelegt wird, können diese Arten von Praktiken dazu beitragen, die erhöhten Umwelt- und Klimaziele in der Agrarpolitik zu erfüllen.

Wie im aktuell noch laufenden Programm könnten CA-Praktiken durch weitere Umwelt- und Klimamanagementverpflichtungen gefördert werden, die im Rahmen der ländlichen Entwicklung zur Verfügung stehen.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Zoran Radosavljevic]

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